Asteroid in Erdnähe

19. April 2017 15:41; Akt: 21.04.2017 06:37 Print

«Er hätte eine Fläche der Grösse Belgiens zerstört»

Heute hat sich ein 650-Meter-Brocken unserem Heimatplaneten «sehr dicht genähert», um dann an der Erde vorbeizurasen.

Verpasste die Erde: Der Asteroide 2014 JO25, aufgenommen mit einem Nasa-Radar. (Video: Tamedia/NASA)
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Ein Asteroid so gross wie die höchsten Wolkenkratzer der Erde ist am Mittwoch an unserem Heimatplaneten vorbeigeflogen – in weniger als fünffacher Mondentfernung.

Nach Berechnungen von Astronomen passierte der 650-Meter-Brocken mit der Bezeichnung 2014 JO25 die Erde um 14.24 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit, wie aus vorab veröffentlichten Daten der US-Raumfahrtbehörde Nasa hervorging.

Dabei kam der Asteroid der Erde auf bis zu 1,8 Millionen Kilometer nahe - für einen Asteroiden dieser Grössenklasse eine «sehr dichte Annäherung», wie das Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa in Pasadena im US-Bundesstaat Kalifornien im Vorfeld mitteilte.

Letztmals kam ein kosmischer Brocken von mindestens dieser Grösse im Jahr 2004 unserem Planeten vergleichbar nahe: Damals passierte der Viereinhalb-Kilometer-Asteroid Toutatis die Erde in etwa vierfacher Mondentfernung.

Brocken war Teil des «Big Bangs»

Der vor drei Jahren entdeckte Asteroid 2014 JO25 gilt wie seine zahllosen Artgenossen im All als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren - und er zählt zu den Gesteinsbrocken, die auf ihrer Bahn um die Sonne der Erde ziemlich nahe kommen können.

Mit einer Grösse von 650 Metern übertrifft 2014 JO25 die Höhe des derzeit zweithöchsten Wolkenkratzers der Welt: Der Shanghai Tower in der chinesischen Megastadt misst 632 Meter.

Was würde passieren, wenn ein solcher Stein mit der Erde kollidiert? «Wenn der Asteroid auf die Erde fällt, würde er eine Fläche der Grösse Belgiens zerstören», erklärt Sylvestre Maurice, Astrophysiker der Universität von Toulouse, zu France Info Radio. «Das geschah bereits eine Million Mal. So sind auch höchstwahrscheinlich die Dinosaurier ausgestorben.»

Einen Einschlag des Wolkenkratzer-Asteroiden auf der Erde hatten Astronomen schon lange vor dessen Vorbeiflug definitiv ausgeschlossen. Eine solche Kollision hätte verheerende Folgen gehabt, wie Einschläge in der Vergangenheit beweisen.

Krater zeugen von Kollisionen

Einen Durchmesser von nur 30 bis 50 Metern hatte der Asteroid oder Komet, der mit dem sogenannten Tunguska-Ereignis vom 30. Juni 1908 in Zusammenhang gebracht wird. Damals wurden in einer unzugänglichen Region Sibiriens auf mehr als 2200 Quadratkilometern 80 Millionen Bäume umgeknickt - als Ursache wird die Explosion eines Himmelskörpers in mehreren Kilometern Höhe vermutet.

Aber auch von weitaus grösseren Brocken wurde die Erde bereits getroffen: Vor 15 Millionen Jahren donnerte ein kilometergrosser Brocken auf die Schwäbische Alb herab und hinterliess einen Krater, der heute als Nördlinger Ries bekannt ist. Vor 65 Millionen Jahren schlug ein Zehn-Kilometer-Asteroid auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan ein und löste einen Klimawandel aus, der höchstwahrscheinlich zum Aussterben der Dinosaurier führte.

Seit vielen Jahren nehmen Astronomen die Umgebung der Erde genau unter die Lupe, um Asteroiden im Anflug möglichst frühzeitig zu entdecken. Derzeit sind gut 16'000 erdnahe Asteroiden identifiziert. Aktuell verzeichnet die Nasa knapp 1800 Asteroiden, die als «potenziell gefährlich» eingestuft werden, davon 156 mit mindestens einem Kilometer Durchmesser.

(sep/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • franky am 19.04.2017 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Hasta la Vista .....

    Ist doch super dass wir erst im nachhinein informiert werden. Wir werden auch dann nicht informiert wenn es zu 100% geschehen wird...Danke

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  • Alex Kipfer am 19.04.2017 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Observer

    Big Bang und die Entstehung unseres Sonnensystems sind zwei verschiedene Paar Schuhe...

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  • Tom - Bern am 19.04.2017 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teil des Big Bangs?

    Ähm, habe ich da etwas verpasst? Entweder der Asteroid ist ein Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems vor etwa 4,5 Milliarden Jahren (wie im Artikel erwähnt), oder er ist Teil des Big Bangs vor etwa 14 Milliarden Jahren (wie in der Zwischenüberschrift erwähnt).

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Corbin Dallas am 20.04.2017 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Betrifft die Schweiz und Europa nicht

    In letzter Zeit fliegen gar etwas viele Meteoriten knapp an der Erde vorbei. Allerdings müssen wir in der Schweiz uns keine Sorgen machen, denn der Meteorit wird in der USA einschlagen! In sämtlichen Hollywoodfilmen, die ich bisher sah, war das so, und auch ausserirdische Raumschiffe landen immer dort. Darum: Kein Problem für uns.

  • Bruce Willis am 20.04.2017 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Bloss keine Panik

    ...ich bin ja (noch) da!

    • Kenobi am 20.04.2017 16:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Franky

      Und wenn man Sie zum Voraus informiert hätte? Hätten Sie dann mit Ihrem Starfighter eine kleine Runde zum Todesstern gemacht und zusammen mit Darth Vader zugeschaut, wie die Erde in Stücke gerissen wird? Oder hätten Sie dann einfach die Fenster nicht geputzt, weil es für die Katz gewesen wäre.

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  • Typhoeus am 20.04.2017 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Um Haaresbreite vorbei

    Auch wenn der Asteroid beim Eintreten in die Atmosphäre zerbrochen wäre, hätte eine Impakt-Streufeld grosse Zerstörung anrichten können.

  • Ds am 20.04.2017 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Bevormundet?

    Ziehmlich beruhigend, dass die bevölkerung erst im nachhinein informiert wird über solche geschehnisse...

  • Ka Ckeu am 20.04.2017 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nur ...

    ... ist der Broken nicht auf Brüssel gestürzt.