Winzige Partikel

15. April 2014 19:04; Akt: 15.04.2014 19:04 Print

Die unsichtbare Waffe im Kampf gegen Fälscher

Ob Produkte echt sind oder nicht, soll künftig einfach zu erkennen sein. Dazu wird es nur ein Smartphone mit guter Kamera oder einen Laserpointer brauchen.

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Besonders Ware von namhaften Herstellern wird kopiert. (Bild: Keystone)

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Handtaschen, Uhren und Medikamente sind nicht immer das, wonach sie aussehen. Schätzungen zufolge sind bis zu 5 Prozent aller international gehandelten Güter ganz oder zumindest teilweise gefälscht und damit illegal. Das ist ärgerlich für den Käufer. Zudem können nachgeahmte Produkte auch ein Sicherheitsrisiko darstellen, etwa wenn Giftstoffe enthalten sind.

Deshalb sind Forscher weltweit darum bemüht, zuverlässige Methoden zu entwickeln, um die Plagiate zu entlarven. Doch viele haben sich als unzuverlässig, zu teuer oder zu kompliziert herausgestellt.

Winzlinge mit grosser Wirkung

Abhilfe versprechen nun Forscher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Sie haben ein System entwickelt, das auf neuartigen Polymer-Partikeln beruht, die nur 200 Mikrometer gross sind. Das entspricht etwa der Grösse von menschlichen Eizellen. Die Winzlinge können mit Streifenmustern versehen werden und sind für das blosse Auge unsichtbar. Erst wenn sie mit Licht bestrahlt werden, wird ein Farb-Code sichtbar – als eine Art Echtheits-Zertifikat.

Die länglichen Partikel könnten einfach und günstig hergestellt und in die verschiedensten Güter integriert werden, berichten die Forscher um Patrick Doyle im Fachjournal «Nature Materials». Zudem liessen sich spezielle Sensor-Bestandteile in sie einarbeiten, die Aufzeichnungen über die Bedingungen liefern, denen sie ausgesetzt waren. So könnte man beispielsweise nachprüfen, ob Impfstoffe stets richtig gelagert worden sind.

Schlechte Aussichten für Betrüger

Für die Farbstreifen werden auf die Partikel Nanokristalle aufgetragen, die sogenannte Seltene Erden enthalten. Diese chemischen Elemente sorgen bei Bestrahlung mit speziellen Wellenlängen für die verschiedenen Farbeffekte. Neun Farben haben die Forscher bisher entwickelt, viele weitere sollen folgen.

Doch schon mit den Mini-Stäbchen, die sechs Streifen besitzen, seien eine Million Farbkombinationen möglich, heisst es. Kombiniert man nun noch unterschiedlich gestreifte Partikel miteinander, sind die Möglichkeiten der Codierung nahezu grenzenlos.

Ein weiterer Vorteil des neuen Systems ist gemäss Doyle und seinen Kollegen, dass die Informationen der Partikel-Codes ohne grossen Aufwand erfasst werden können. So seien keine komplizierten Decoder notwendig. Eine Smartphone-Kamera, die mit einem 20-fach vergrösserndem Objektiv ausgerüstet ist, und ein Laserpointer reichten aus, um die winzigen Informationsträger zu erfassen.

Nun entwickeln die Forscher eine passende App, die automatisch die Streifen-Codes auswerten und ein Produkt dadurch identifizieren kann. Gelingt ihnen das, dürften für Fälscher harte Zeiten anbrechen.

(fee)