Wissenschaft alarmiert

27. August 2012 18:15; Akt: 27.08.2012 22:50 Print

Nur Vegetarier können die Welt noch retten

Die Weltbevölkerung wächst bis 2050 auf 9 Milliarden Menschen an. Weil das Wasser knapp wird, rechnen Wissenschaftler damit, dass der Fleischkonsum in den nächsten 40 Jahren stark abnimmt.

Bildstrecke im Grossformat »
Der Mais auf einem Feld in der Nähe von Percival (Iowa) ist völlig verdorrt. Der Frosch hat noch überlebt, der Fisch in einem Teich bei Waterloo ist verendet. Der Platte River bei Yutan führt kaum noch Wasser. Der Pegel des Mississippi auf Rekordtiefe. Ein lang ersehntes Gewitter nähert sich Elburn. Hier legt kein Boot mehr an: In Cicero, Indiana, liegen die Schiffsstege auf dem Trockenen. Der Wasserstand liegt fast zwei Meter unter dem normalen Niveau. Die extreme Dürre im Mittleren Westen der USA hat sich dramatisch verschärft. Von der Trockenheit ist inzwischen ein Fünftel des Landes betroffen. Es ist die schlimmste Dürreperiode seit mehr als 50 Jahren. Die Dürre trifft vor allem die Farmer, die nun um ihre Ernte fürchten. Delbert Graig und seine Frau Margie betreiben eine Farm in Goreville, Illinois. 70 Prozent des Bundesstaates gelten als Notstandgebiet. Auch die letzten Regenfälle konnten die Ernteerträge nicht retten. Die Farmer rechnen nun mit steigenden Lebensmittelpreisen. Viele Gewässer haben aufgehört, zu fliessen. Wasserbiologen versuchen, bedrohte Fische aus dem Fluss Brazos, Texas, zu retten. Der O. C. Fisher Lake in San Angelo, Texas, war einmal über 2000 Hektaren gross. Die Hitze und der fehlende Regen führten dazu, dass der ganze See austrocknete. Hier gibt es nichts mehr zu holen: Royce Cross steht auf seinem ausgetrockneten Feld in Unadilla, Georgia. Grün ist die Hoffnung - Ronnie Sharp und Brandy Birdwell besprayen ein ausgetrocknetes Landstück in Indianapolis.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Über sieben Milliarden Menschen leben bereits auf der Erde. Und die Zahl wächst weiter. Bis im Jahr 2050 sollen es bereits neun Milliarden sein. Eine stattliche Anzahl, die Folgen haben wird. In einem Bericht des «Stockholm International Water Institutes», über den der «Guardian» schreibt, werden vor allem die steigende Wasserknappheit und ihre Auswirkungen auf die Menschen thematisiert. Laut den Wissenschaftlern beeinträchtigt diese vor allem unsere Ernährung. Sie haben berechnet, dass die Menschen in den nächsten 40 Jahren unter Umständen fast komplett zu Vegetariern werden müssen, um katastrophale Auswirkungen der Nahrungsmittelknappheit zu verhindern.

Umfrage
Würden Sie auf Fleisch verzichten, wenn dadurch mehr Menschen ernährt werden könnten?
23 %
6 %
30 %
12 %
29 %
Insgesamt 2462 Teilnehmer

Zurzeit stammen etwa 20 Prozent des von Menschen gegessenen Proteins aus tierischen Produkten. Um die zusätzlichen zwei Milliarden Menschen ernähren zu können, müsste dieser Anteil in den nächsten Jahren auf 5 Prozent sinken. «Wenn wir die gegenwärtigen Ernährungstrends beibehalten, wird es nicht genügend Wasser geben, um das Essen für die 2050 erwartete Neun-Milliarden-Bevölkerung zu produzieren», heisst es in dem Bericht.

Wassersparen dank vegetarischer Ernährung

Mit einer vegetarischen Ernährung könne die Menge des verfügbaren Wassers deutlich erhöht werden. Um Fleisch zu produzieren, braucht es nämlich fünf bis zehnmal mehr Wasser als um Grundnahrungsmittel wie Mais oder Weizen herzustellen. Der Fleischkonsum müsse reduziert werden, damit mit dem verfügbaren Wasser mehr Lebensmittel angebaut werden könnten, heisst es. Heute wird weltweit ein Drittel des bebaubaren Landes dazu genutzt, um mit der späteren Ernte die Tiere zu füttern.

Vielerorts herrsche bereits Lebensmittelknappheit, sagen die Wissenschaftler: «Neunhundert Millionen Menschen hungern, zwei Milliarden sind schlecht ernährt. Und dies, obwohl die Lebensmittelproduktion pro Kopf weiterhin ansteigt», sagen die Wissenschafter. Zurzeit fliesse 70 Prozent des verfügbaren Wassers in die Landwirtschaft. Diesen Anteil bis 2050 zu erhöhen, um weitere zwei Milliarden Menschen ernähren zu können, sei heikel: «Die Vereinten Nationen erwarten, dass wir die Lebensmittelproduktion bis Mitte Jahrhundert um 70 Prozent steigern. Dies wird den Druck auf die schon jetzt angespannte Wasser-Situation weiter erhöhen», sagen die Wissenschaftler.

Brisant ist, dass nicht nur mehr Wasser für die Landwirtschaft gebraucht wird sondern auch, um globale Energie-Ansprüche zu befriedigen. In den nächsten 30 Jahren soll der Wasserbedarf nämlich um 60 Prozent steigen, um 1,3 Milliarden Menschen Elektrizität zu liefern, die gegenwärtig ohne sie leben.

Angst vor zweiter Lebensmittelkrise in fünf Jahren

Der Bericht wurde anlässlich der jährlichen Wasserkonferenz in Stockholm publiziert, wo sich Politiker, UNO-Vertreter, Nichtregierungs-Gruppen und Forscher aus 120 Ländern treffen, um globale Wasserstands-Probleme zu besprechen. Die Warnungen sind zurzeit besonders eindringlich. Die Vereinten Nationen sowie die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam bereiten sich auf eine mögliche globale Lebensmittelkrise vor. Es wäre die zweite in fünf Jahren.

Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Mais und Weizen sind seit Juni auf den internationalen Märkten um nahezu 50 Prozent gestiegen. Ausgelöst wurde die Lebensmittelknappheit aufgrund schweren Dürren in den USA und Russland sowie einem schwachen Monsoon-Regen in Asien. In der Sahel-Zone leiden mehr als 18 Millionen Menschen unter einer ernsthaften Lebensmittelknappheit. 2008 hatten die Nahrungsmittel-Engpässe zu gewalttätigen Unruhen in 28 Ländern geführt.

Neue Rezepte nötig

Um gegen diese Lebensmittelknappheit anzukämpfen, sind neben einer Ernährungsumstellung weitere erforderliche Veränderungen nötig. Es müsse dafür gesorgt werden, dass weniger Lebensmittel im Müll landeten. Die Lebensmittelproduktion steige zwar, aber eben auch der Abfall. Ausserdem müsse der Handel zwischen Ländern mit einem Lebensmittel-Überschuss und solchen mit einem Defizit, verbessert werden. Für Anders Jägerskog, den Verfasser des Berichts, ist aber klar: «Wir werden ein neues Rezept brauchen, um die Welt in Zukunft zu ernähren.» Offenbar werden einige auch ein paar neue Kochrezepte brauchen, wenn Fleisch immer mehr von unseren Tellern verschwinden wird.

(ske)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Antonietta/Tumminello am 29.08.2012 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Welthunger + Trinkwasser

    Welthunger: Für die Produktion von einem Kilo Fleisch braucht man 16 Kilo Getreide. 70% der Weltgetreideproduktion werden jährlich an Nutztiere verfüttert, statt mit dem Getreide Menschen zu ernähren, die Hunger leiden. Denn alle 3 Sekunden stirbt ein Kind an Unterernährung!! Trinkwasser: 15.500 Liter Wasser = 1 Kilo Fleisch. 900 Liter Wasser = 1 Kilo Kartoffeln Die Hälfte des weltweiten Trinkwassers geht in die Massentierhaltung. Für ein Kilo Rindfleisch werden 15.500 Liter Wasser verbraucht. Das entspricht 21 Jahre Trinken. Jeden Tag 2 Liter!

  • nikki am 29.08.2012 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ich finds gut :P

    Ich find es gut, dass viele Menschen Vegetarier / Veganer geworden sind. bleibt mehr für mich :D

  • Damian D. am 29.08.2012 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Snob

    Mich ärgern Kommentare von Veganer/Vegetarier welche sich für was besseres halten weil Sie sich für diese Lebensweise entschieden haben.

  • Vegetarier am 29.08.2012 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Dummheit der Menschen

    "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher. Zitat Albert Einstein, Vegetarier

  • Mänu am 28.08.2012 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nahrungsmittelknappheit?

    Was die wenigsten begriffen haben ist, dass wir auf der Welt KEINE Nahrungsmittelknappheit haben. Gegenwärtig sind wir 7 Mrd. Menschen. Die weltweite Landwirtschaft produziert jedoch genug Lebensmittel für 12 Mrd. Menschen. Die Nahrungsmittel sind bloss falsch verteilt. Schaut mal den Film "we feed the world"

    • Mira am 29.08.2012 09:44 Report Diesen Beitrag melden

      viehfutter

      Richtig, die Nahrungsmittel Getreide und Soja werden falsch verteilt. Nämlich an das Vieh für die Fleischproduktion statt direkt an den Menschen.

    • Mänu am 29.08.2012 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mira

      Fleisch ist auch Lebensmittel

    • René Bieri am 30.08.2012 19:48 Report Diesen Beitrag melden

      todesmittel

      @mänu, sorry fleisch ist voll Leichengift und somit ein Todesmittel kein Lebensmittel

    einklappen einklappen