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Comeback der Bisons
20. Mai 2012 20:44; Akt: 20.05.2012 20:45 Print
Der «Buffalo» kehrt auf die Prärie zurück
von Martin Suter - Einst durchpflügten Millionen Bisons die Weiten der USA. Dann wurden sie praktisch ausgerottet. Jetzt sollen sie wieder ausgesetzt werden – zum Ärger der Rancher.
Am späten Abend und im Schneesturm sind im März 63 reinrassige amerikanische Bisons vom Yellowstone-Nationalpark in ein Indianer-Reservat in Montana verfrachtet worden. Dutzende Sioux und Assiniboine begrüssten die Ankömmlinge in der Fort-Peck-Reservation mit Trommeln und Gesängen. «Hier wollen wir einen Brückenkopf errichten, damit genetisch reine Bisons, wenn sie sich vermehren, auf andere Reservate und öffentliches Land überall im Westen verteilt werden können», sagte Montanas Gouverneur Brian Schweitzer.
Bildstrecken South DakotaDie Übersiedlung nach Fort Peck und eine weitere elf Tage zuvor, bei der 71 Tiere auf das Land einer gemeinnützigen Stiftung gebracht wurden, stellen wichtige Schritte im Versuch dar, den einst allgegenwärtige «Buffalo» auf Amerikas Prärie wieder heimisch zu machen. Von den mehrere hunderttausend Bisons in den USA sind die meisten das Produkt von Kreuzungen mit Rindern, und lediglich etwa
Massenweise abgeknallt
Eine Wiederansiedlung könnte eine der grössten Umweltsünden der amerikanischen Geschichte zumindest teilweise korrigieren. Als die europäischen Einwanderer in Nordamerika ankamen, donnerten Dutzende Millionen Bisons über die endlosen Weiten des Kontinents. Die indianischen Ureinwohner lebten von ihnen, assen ihr Fleisch, kleideten sich in ihre Felle, nutzen die Knochen für Werkzeuge und stellten bei Stammesriten Büffelschädel auf Altare. Die traditionellen Jagdmethoden mit Pfeil und Bogen sorgten für ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Tier.
Das änderte sich mit den Siedlern und ihren Feuerwaffen. Im Zug der Wanderung nach Westen wurden Bisons im 19. Jahrhundert massenweise abgeknallt. Meist vermarktete man nur die Felle; den Rest und alles Fleisch liess man auf der Prärie verrotten. Die Büffel wurden nicht nur dezimiert, weil Tausende Berufsjäger wie Buffalo Bill Cody von dem blutigen Geschäft lebten. Sie waren auch im Weg, weil sich die Land- und Viehwirtschaft westwärts ausbreitete. Als Eisenbahnlinien in die weite Landschaft vorstiessen, bot man Hobby-Jägern Schiesstrips, auf denen sie die Bisons bequem vom Zugfenster aus aufs Korn nehmen konnten.
Indianer als indirektes Ziel
Die Dezimierung des Bisons unterhöhlte die Lebensgrundlage der Indianer. In Texas forcierte der Bürgerkriegsgeneral Philip Sheridan in den 1870er Jahren die Büffeljagd mit dem ausdrücklichen Ziel, den Indianern die Ernährung zu erschweren. «Wenn eine Armee ihren Materialnachschub verliert, ist sie im Nachteil», erklärte Sheridan vor dem texanischen Parlament. Man solle den Jägern dabei helfen «zu töten, zu häuten und zu verkaufen, bis die Büffel ausgerottet sind». Im Jahr 1902 waren von den einst Millionen Tieren noch 92 übrig.
Die Tragödie des grössten Landsäugetiers in Nordamerika schmerzt die Indianer noch heute. «Ich nenne sie Brüder und Schwestern, weil sie genetisch zu jenen gehören, die meine Ahnen gejagt haben», sagte der Sioux Tote Gray Hawk über die Neuankömmlinge aus Yellowstone zur «New York Times». Auf dem Territorium des Fort-Peck-Reservats wurden Büffel zuletzt 1873 gejagt. Im folgenden Jahrzehnt verhungerten Hunderte von Stammesmitgliedern in der Ödnis.
Viehzüchter fürchten Krankheit
Für Rancher hingegen sind die Bisons eine Landplage. Sie versuchten, den nicht angekündigten Tiertransfer mit Gerichtsklagen zu stoppen – vergebens. Aus ihrer Sicht sind die wilden Tiere gefährlich; sie zerstören Zäune und anderes Privateigentum, und vor allem fressen sie den Rindern das Präriegras weg. «Bisons sind ein romantisches Konzept», sagte der Rancher Curt McCann zur «Times», «aber sie gehören nicht in die heutige Zeit.»
Viehbauern wollen auch wegen der Brucellose-Gefahr nichts von Bisons wissen. Diese auch Maltafieber genannte Infektionskrankheit kann weibliche Huftiere unfruchtbar machen. In den USA ist sie zwar weitgehend ausgemerzt, doch sie existiert noch im Yellowstone-Park, dem Refugium der echten amerikanischen Bisons. Um eine Ansteckung von Rindern zu verhindern, wurden bis vor ein paar Jahren im Winter Hunderte Bisons gekeult, die im Winter auf der Suche nach Nahrung den Naturpark in nördlicher Richtung verlassen hatten.
Alte Wunden brechen auf
Die ins Indianerreservat gebrachten Büffel wurden zuvor jahrelang in Quarantänegehegen gehalten und dann von Veterinärmedizinern untersucht. Sie gelten als gesund. Gleichwohl ist die Opposition der Viehbauern gegen die Büffel ungebrochen: In Montana, wo das Agribusiness der grösste Industriezweig ist, gibt es über drei Millionen Stück Vieh. Viele von ihnen weiden auf der offenen Prärie, während die Bisons – vorläufig – hinter Zäunen grasen müssen.
Nach Auffassung der Rancher sind die reinrassigen Bisons so wild, dass man sie langfristig gar nicht einschliessen kann. «Wer keine Mauer und keinen Wassergraben mit Krokodilen und Piranhas besitzt, wird diese wolligen Tanks nie aufhalten», sagte John Brenden, ein Senator im Parlament von Montana. Die Bison-Gegner wollen mit weiteren Klagen verhindern, dass das Aussetzungsexperiment voranschreitet.
Für die Indianer verspricht die erbitterte Opposition der Rancher neue Konflikte und ein Aufbrechen alter Wunden. Dabei streben sie mit den Bisons das Gegenteil an: Die verehrten Tiere sollen ihre Welt wieder ins Lot bringen. «Diese Bisons stellen Heilung dar», sagte die 62-jährige Sioux-Squaw Iris Greybull. Doch davon ist Amerikas Westen noch weit entfernt.
Bisons im Yellowstone-Nationalpark:
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Alle 17 Kommentare

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Würde
Wenn man sieht, wie die Indianer heute leben müssen, ist das so etwas von traurig. Ihnen wurde alles gestohlen. Gebt es ihnen endlich wieder zurück. Ihre Freiheit, ihre Tiere und ihre Würde!
Arrogant
Was für eine Arroganz diese Aussage: Die gehören nicht mehr in die heutige Zeit. Es sind Lebewesen und dort gibt es ja wohl absolut noch genug Platz...aber die Rancher werden wohl schon dafür sorgen dass die Bisons sich nicht zu sehr vermehren werden......
und bei uns?
und bei uns ists halt der bär, luchs der keinen platz mehr haben darf ohen, dass es ein geschrei gibt....
Dimensionen sind anders
In der Schweiz kann ich kaum 5 Min laufen ohne wieder ein Haus zu sehen. In den USA kann ich mehrere Tage Auto fahren und sehe kein einziges. Die USA hat Platz für solche Tiere, ein Bär in meinem Garten wäre nicht mein Traum. Nur noch mit der Schrotflinte joggen gehen macht auch keinen Spass. Denke Büffel haben Platz in den unendlichen Weiten in USA aber Bär und Wolf in der Schweiz nicht.
geh raus
@michi: musst halt mal etwas in die Berge abseits von Strassen, da kannst du auch bei uns mal einen Tag wandern ohne ein Haus zu sehen.... Zudem müssen auch in den USA/Kanada die Einwohner nicht mit der Schrotflinte joggen gehen. Die Wildtiere meiden im Normalfall den Menschen.
@michi
"In den USA kann ich mehrere Tage Auto fahren und sehe kein einziges." So ein Quatsch. Wo soll denn das sein? Fährst du in der Mojave-Wüste im Kreis?