Astronomie

03. Juli 2012 22:34; Akt: 04.07.2012 13:42 Print

Stern pustet Planet Lebenslicht aus

Wasser ist eine Grundlage für Leben. Doch auf Planet HD 189733b wird so schnell kein Erdling ein Zuhause finden: Sein Stern pustet dem 1000 Grad heissen Riesen die Atmosphäre vom Leib.

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HD 189733b ist ein Exoplanet. Und der erste Planet ausserhalb unseres Sonnensystems, auf dem Wasser und Methan nachgewiesen werden konnten. Obwohl er einen blauen Himmel hat, ist der erst 2005 entdeckt Himmelskörper für Menschen nicht gerade behaglich. Durch seine Nähe zum Stern HD 189733A beträgt seine Temperatur etwa 1000 Grad. Mehr noch: Seine Sonne pustet dem Planeten die Atmosphäre von der Oberfläche.

HD 189733b wird «Heisser Jupiter» genannt. Er ist wie der Planet aus unserem Sonnensystem ein Gasgigant, aber seinem Stern 13-mal näher als die Erde der Sonne. Selbst Merkur, der der Sonne am nächsten ist, ist zehnmal weiter entfernt. Dafür hat Stern HD 189733A auch nur 80 Prozent der Masse unserer Sonne. Tatsächlich liegt der Planet in einem Doppelsternensystem, aber HD 189733B ist zu klein, um auch noch auf HD 189733b einzuwirken. Beachten Sie die Gross- und Kleinschreibung: B ist der Stern, b der Exoplanet!

Auf den zweiten Blick enthüllt

Der Wasserstoff in der Atmosphäre sorgt für eine blaue Himmelsfärbung. Nur: Woher wissen die Wissenschaftler, dass in über 60 Lichtjahren Entfernung Gase sind? Die Antwort liefert das Hubble-Teleskop. Wenn der Planet direkt vor der Sonne steht, teilt bei der «Transit Methode» ein Spektrograph das Licht in seine Komponenten auf. Anhand der Helligkeit der resultierenden Wellenlängen können die Wissenschaftler Aussagen zu den Gasen machen.

Was für einen Einfluss hat die nahe Sonne nun auf die Atmosphäre von HD 189733b? Was die Forscher um Alain Lecavelier des Etangs anfänglich beobachteten, war ernüchternd. «Die ersten Observationen waren tatsächlich enttäuschend, weil sie gar keine Spuren der Planetenatmosphäre gezeigt haben», so der französische Astronom. Wir bemerkten erst, dass wir über etwas Interessanteres gestolpert sind, als Ergebnisse der zweiten Observation hereinkamen.»

Millionenfache Röntgenstrahlen

Diese Bilder zeigten 2011, dass HD 189733b pro Sekunde mindestens 1000 Tonnen Gas verliert. Dafür ist nicht die Hitze, sondern massive Röntgen- und ultraviolette Strahlung verantwortlich. «Wir konnten nicht nur bestätigen, dass die Atmosphäre eines Planeten verdampft, sondern wir konnten auch beobachten, wie sich die physischen Konditionen in der verdampften Atmosphäre mit der Zeit verändern. Das hat niemand zuvor getan», freut sich Lecavelier des Etangs.

Die Strahlung des Sterns HD 189733A ist 20-mal grösser als die unserer Sonne. Hinzu kommt die räumliche Nähe des Exoplaneten. Die Röntgenstrahlung ist deshalb auf HD 189733b drei Millionen Mal stärker als auf der Erde. «Röntgenstrahlen sind nur ein kleiner Teil des Outputs eines Sterns, aber es ist der Teil, der energiereich genug ist, um das Verdampfen der Atmosphäre anzutreiben», erläutert Prof. Peter Wheatley von der englischen Universität Warwick.


So stellen sich NASA und ESA den Vorgang vor: Sonneneruptionen auf HD 189733A haben verheerende Auswirkungen auf die Atmosphäre des Planeten HD 189733b. Quellen: YouTube/bleESA und YouTube/jobert2kx


Zum Vergleich: Diese Aufnahmen in zwei verschiedenen Wellenbereichen stammen von unserer Sonne. Das «Solar Dynamics Observatory» machte sie am 6. März 2012. Quelle: YouTube/NASAexplorer

(phi)