Medizinische Rarität

27. Februar 2014 12:48; Akt: 27.02.2014 12:57 Print

Baby wuchsen Zähne im Hirn

US-Ärzte haben im Gehirn eines vier Monate alten Knaben einen ungewöhnlichen Fund gemacht: Ein Tumor liess dort Zähne entstehen.

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Links: Der Hirnscan beim vier Monate alten Baby. Rechts: Ein Zahn wird während der Hirnoperation entfernt. (Bild: The New England Journal of Medicine)

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Ein Kleinkind aus dem US-Bundesstaat Maryland ist der erste Mensch, dem wegen eines gutartigen Tumors des Typs Kraniopharyngeom Zähne im Hirn entfernt werden mussten. Die Ärzte waren misstrauisch geworden, als der Kopf des Kleinkindes schneller wuchs, als es in diesem Alter üblich ist. Ein Gehirnscan ergab, dass sich im Kopf ein Tumor befand – und Strukturen, die wie Unterkieferzähne aussahen.

Und tatsächlich: Bei der anschliessenden Hirnoperation fanden die Mediziner im Tumor mehrere vollständig ausgebildete Zähne. Eine Analyse des Tumorgewebes ergab, dass das Kind unter einem Kraniopharyngeom gelitten hatte, einem seltenen Tumor, der grösser als ein Golfball werden kann, sich aber nicht ausbreitet.

«Das gabs noch nie»

Forscher vermuteten seit längerem, dass sich diese Tumore aus demselben Gewebe bilden, aus dem auch Zähne entstehen. Doch bislang sahen Mediziner noch nie reale Zähne in einem dieser Tumore, wie Narlin Beaty gegenüber «Live Science» erklärte. Der Hirnchirurg der Universität Maryland leitete zusammen mit Edward Ahn vom Johns Hopkins Children's Center die Operation des Babys. «Man sieht nicht jeden Tag Zähne in einem Hirntumor, bei einem Kraniopharyngeom gab es das noch nie», so Beaty weiter.

Allerdings sind mehrere andere Fälle bekannt, bei denen Tumore Zähne im Hirn wachsen liessen. Es handelte sich dabei aber ausschliesslich um sogenannte Teratome. Diese sind insofern einzigartig, als dass sie alle drei Gewebearten enthalten, die im frühen Entwicklungsstadium bei einem Embryo gefunden werden können. Kraniopharyngeome enthalten dagegen nur eine Gewebeart.

Tumore können nicht nur Zähne wachsen lassen, sondern auch Haare. Dies zeigte der Fall eines jungen Iraners, der seit seiner Geburt eine Dermoidzyste im Auge trug, aus der Haare sprossen.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • .. am 27.02.2014 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Da bekommt das Wort Weisheitszähne eine ganz neue Bedeutung

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  • Nina.St.-M am 27.02.2014 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wie gehts dem Kind?

    Seltsam, doch es würde uns wohl mehr interessieren, ob dieses Baby nun geheilt ist und ob es nun ein normales Leben leben darf.

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  • Dr.Zahn am 27.02.2014 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Frage ist

    Ob man das nicht irgendwie nützen kann um Menschen ohne zähne neue zähne nachwachsen zu lassen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leser am 27.02.2014 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Dritte Zähne

    Vielleicht birgt dieses Kraniopharyngeom den Schlüssel dazu, wie man im Labor gesunde Zähne nachwachsen lassen kann, um damit kaputte Zähne zu ersetzen ohne, dass man Implantate einsetzen muss.

    • Munin am 27.02.2014 22:07 Report Diesen Beitrag melden

      Hirnzähne

      Man lässt sie einfach andern Leuten im Hirn wachsen! ;)

    • Veronika am 28.02.2014 12:28 Report Diesen Beitrag melden

      Gruselig

      Diese Vorstellung ist irgendwie eklig, ich möchte zumindest niemals zähne haben die jemandes Gehirn gewachsen sin

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  • Patrik am 27.02.2014 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wegen Karies zum Hirnchirurg?

    Na hoffentlich hat sein Hirn nicht zuviel Glucose produziert. Denn wer will schon Karies im Hirn? ;-)

    • Brain am 27.02.2014 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      Glukose

      Ein glukoseproduzierendes Hirn wäre wohl eine grössere medizinische Sensation als Zähne in ebendiesem. :P

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  • Betty am 27.02.2014 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teratom Opfer

    Hatte selber ein Teratom am Steissbein, dass erst entdeckt wurde als ich 16 Jahre alt war, weil es keinen Platz mehr in meinem Körper hatte und sich entzündete. Das waren die schlimmsten Schmerzen die ich in meinem Leben je hatte! Auch die OP und der Heilungsprozess hatten es in sich. Diese Erfahrung wünsche ich niemandem!

    • Claire am 27.02.2014 18:49 Report Diesen Beitrag melden

      So ein Zufall

      Ich bin zwar mittler weilen nicht mehr die Jüngste. Mir wurde auch im zarten Alter von 16 am Steissbein ein Teratom mit Zähnen diagnostiziert. Die Spital Ärzte erklärten es damals meinen Eltern so, dass es sich um einen verkümmerten Zwilling handle. Die Erinnerungen an damals sind auch bei mir nicht die Besten.

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  • Dr.Zahn am 27.02.2014 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Frage ist

    Ob man das nicht irgendwie nützen kann um Menschen ohne zähne neue zähne nachwachsen zu lassen.

    • Viktor am 27.02.2014 20:48 Report Diesen Beitrag melden

      Wie Haifische

      Daran dachte ich auch. Beim Haifisch wachsen die Zähne mehrfach nach. Beim Menschen nur einmal. Obschon es für den Menschen doch auch nützlich wäre, wenn Zähne nachwachsen würden. Zahnärzte natürlich ausgenommen. Ich meine, Fingernägel, Haare und Haut wachsen ja auch nach, warum aber die Zähne nicht?

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  • Matthias Jauch am 27.02.2014 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht einfach richtig und falsch...

    Eine Interessante Frage währe in diesem Zusammenhang, in wie weit solche "nicht-normalitäten" zu unserer eigenen evolutionären Entwicklung beigetragen haben? Könnte es gar sein dass die moderne Medizin zeitweise "evolutions-hämmende" Auswirkungen haben könnte? Keine Ahnung, aber mit Respekt vor diesem und jedem Leben.

    • Matthias Jauch am 27.02.2014 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      Hintergründe nehmen mich wunder!

      Negativreaktionen würden mich sehr interessieren. Bitte gebt mir Eure Beweggründe bekannt. Gerne erkläre ich mich dann weiter. LG Matthias

    • Charles am 27.02.2014 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      Evolution

      Die Technik hatte immer einen Einfluss auf unsere Evolution, seit tausenden von Jahren. Sei es das kochen der Nahrung bis zum gebrauch von Werkzeugen oder Kleidung, Ackerbau, Milch u.s.w. das ist nichts neues. Heute hat die moderne Medizin auch ein Einfluss aber Evolution wird es immer geben.

    • Matthias Jauch am 27.02.2014 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      Geschätzt / Engagierter Charles

      Hi Charles Leider verstehe ich Deinen letzten Satz nicht ganz klar. Natürlich ist das so wie Du das sagst, meines Erachtens auch absolut richtig, aber wie soll ich Deine Intervention verstehen?

    • charles am 27.02.2014 19:05 Report Diesen Beitrag melden

      Ich denke die Evolution geht weiter

      Das war eigentlich keine Intervention eher ein Kommentar. Ich denke nicht das die Evolution gestoppt wird durch die moderne Medizin. Es gab in der Menschheitsgeschichte schon oft technische Revolutionen, die das leben erleichterten aber die menschen haben sich immer weiter entwickelt. Vielleicht ist es auch das Geheimnis des menschen das er die Technik nutzte. (z.b durch Technik, in neuen Klimazonen überleben konnte, und neue Kontinente erreichte.) Das er die Umwelt anpasst und so sehr schnell seine Lebensbedingungen verändert und sich wiederum selbst anpassen muss.

    • sofia am 27.02.2014 19:25 Report Diesen Beitrag melden

      evolution

      Ich denke er meint, dass es oft fälschlich gedacht wird, dass Maschinen, Medizin usw. ein "Eingreif" ins Evulotion sind - ganz im Gegenteil: alles, was die Menschen machen und entwickeln ist ein Teil von ihren Evolution. Wie Vögel sich Nest bauen, so bauen sich die Leute Brücken und Computer und Messer und Wissenschaft, und sogar Kunst, welche alle Werkzeuge sind in ihrem erfolgreichen überleben, und damit ein Teil der menschlichen Evolution.

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