Grosse Sicherheitslücken

01. April 2017 15:09; Akt: 01.04.2017 15:09 Print

Die nächste Seuche steht schon in den Startlöchern

Nach der Pandemie ist vor der Pandemie – so lässt sich das Ergebnis einer Studie zusammenfassen, gemäss der Europa nicht für biologische Gefahren gewappnet ist.

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Nie zuvor war die Gefahr einer weltweiten Seuche so gross wie jetzt. Das zeigt eine Studie von irischen Forschern. Als Auslöser kommen – anders als in früheren Zeiten – nicht nur natürliche Erreger wie Influenzaviren infrage ... ... sondern auch multiresistente Keime und ... ... aus Labors entweichende Erreger. Denn, das stellten die Forscher fest: Nicht immer werden Biosicherheitsmassnahmen strikt umgesetzt. Eine weitere Gefahr geht laut der Studie von biologischen Waffen aus. Das hänge vor allem mit der zunehmenden Verfügbarkeit der dafür benötigten Technologien und dem wachsenden Wissen darüber zusammen. (Im Bild: Aufräumarbeiten nach einer Anthrax-Attacke in Griechenland, 2001) Wie viele mögliche Kandidaten als natürliche Auslöser für eine weit um sich greifende Seuche gibt, erfahren Sie in den folgenden Bildern. verantwortlich gemacht. Bis 2007 waren weniger als 15 Infektionen beim Menschen bekannt. Alle Fälle wurden in Afrika oder Südostasien nachgewiesen. Doch seit vergangenem Jahr breitet es sich zunehmend auch in Süd- und Nordamerika aus. Im Januar 2016 ist es in 21 der 55 Länder des Kontinents präsent. Diese virale Erkrankung wird durch die Gelbfieber- (Aedes aegypti) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) übertragen. Beim klassischen Verlauf kommt es zu hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Hautausschlägen. In seltenen Fällen verläuft die Infektion schwer (Dengue-Hämorrhagisches-Fieber, Dengue-Schock-Syndrom) und kann zum Tod führen. In den letzten Jahren ist die Zahl der Denguefieber-Fälle weltweit stark gestiegen. Laut WHO leben rund 40 Prozent der Weltbevölkerung in einem Risikogebiet (Mittel- und Südamerika, Zentralafrika, Südostasien, westlicher Pazifik). Doch auch in den USA, China und Japan wurde eine Zunahme der Fälle verzeichnet. Es wird hauptsächlich durch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), aber auch durch die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) übertragen. Bei einer Infektion sind hohes Fieber, starke Gelenk- und Muskel- sowie Kopfschmerzen, manchmal auch Hautausschlag die Folge. Es kommt in Afrika, im Nahen Osten, in Asien und in Ozeanien vor. In jüngster Zeit konnte sich das Virus auch in Mittelamerika, in der Karibik, in einigen Ländern Südamerikas sowie in einzelnen Staaten im Süden der USA festsetzen. Auch in Europa ist es bereits zu Übertragungen gekommen. Auch hier sind Mücken die Überträger. Drei bis sechs Tage nach der Infektion kommt es zu plötzlichem hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen. Bei einem milden Verlauf ist die Krankheit damit überwunden. In schweren Fällen kommt es zu Bauchschmerzen, Leberschwellung, einer Gelbsucht, Nierenversagen und Blutungen in Haut, Schleimhäuten und Magen-Darm-Trakt. Die Virus-Erkrankung, bei der in schweren Fällen die Sterblichkeit bei mehr als 50 Prozent liegt, kommt in den tropischen Gebieten Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas vor. Laut WHO erkranken weltweit jährlich rund 200'000 Menschen an Gelbfieber, 30'000 sterben daran. Die Krankheit wird durch Pärchenegel übertragen, die in verunreinigtem Wasser leben. Bei Kontakt dringen deren Larven durch die Haut des Menschen. Über die Venen gelangen sie dann in Harnblase, Darm, Leber, Lunge und Gehirn. Nicht immer kommt es zu Symptomen. Wenn doch, sind sie unspezifisch (leichter Verlauf). In schweren Fällen kommt es zu schleimig-blutigem Durchfall. Die Egel sind in subtropischen und tropischen Gebieten Südamerikas, Afrikas und Asiens verbreitet. Der Erreger kann Säugetiere und Menschen befallen. In Europa sind vor allem Füchse und Fledermäuse die Überträger, in tropischen und subtropischen Ländern sind es in erster Linie Hunde. Symptome sind zunächst Unwohlsein, Kopfschmerzen, Fieber und Jucken sowie Schmerzempfindlichkeit. Später kommt es zu Muskelzuckungen, Hyperaktivität, Angstgefühlen sowie zu Atem- und Schluckkrämpfen. Später kommt es zu tödlichen Lähmungen. Sie kommt nahezu weltweit vor. Lediglich einige Länder West- und Nordeuropas, Kanada, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan sind frei davon. In der Schweiz konnte die Tollwut bei Füchsen mithilfe von Impfködern ausgerottet werden. Sie kann aber selten noch bei Fledermäusen oder illegal importierten Tieren auftreten. Weil sie vor allem Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren betrifft, wird sie auch Kinderlähmung genannt. Die Infektionskrankheit wird durch Viren verursacht, die das zentrale Nervensystem befallen und zu Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod führen. Ein Heilmittel dagegen gibt es nicht. Ursprünglich war das Virus weltweit verbreitet. Doch dank Impfmassnahmen konnte es in vielen Ländern ausgerottet werden. Die WHO-Regionen Nord- und Südamerika, westlicher Pazifik und Europa werden seit mehreren Jahren als poliomyelitisfrei deklariert. In einigen Regionen Afrikas und Asiens ist das noch nicht erreicht. Ist eine durch das Hepatitis-A-Virus via Schmierinfektion verursachte Infektionskrankheit. Hauptsymptom ist eine akute Entzündung der Leber (Hepatitis). Die Erkrankung kann bis zu sechs Wochen anhalten und heilt ohne ernsthafte Komplikationen spontan aus. Das Virus kommt weltweit vor, besonders häufig aber in Gegenden mit schlechten hygienischen Bedingungen. Betroffen sind vor allem Südostasien, Russland, der Vordere Orient, der Mittelmeerraum, Afrika, Mittel- und Südamerika. Wer dorthin reist, kann mit einer Impfung vorbeugen. Auch hierbei handelt es sich um eine Leberentzündung. Rund ein Drittel der Betroffenen hat keine Symptome. Bei den anderen sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Gelenkschmerzen, Fieber oder Hautausschlag die Folge. Meist heilt eine Hepatitis B vollständig aus. Bei 5 bis 10 Prozent der Betroffenen entwickelt sich jedoch eine chronische Hepatitis B, die im schlimmsten Fall zu Leberzirrhose oder -krebs führt. Sie kommt weltweit vor, vor allem jedoch in Ländern Asiens, dem Mittleren Osten, Afrika sowie in Teilen Amerikas. Eine bakterielle Durchfallerkrankung, die durch verschmutztes Trinkwasser oder verunreinigte Lebensmittel übertragen wird. Rund 85 Prozent der Infektionen verlaufen milde. In schweren Fällen kommt es zu starkem Flüssigkeitsverlust und Erbrechen. Unbehandelt kann das innert Stunden zu Kreislaufkollaps, Muskelkrämpfen und in schweren Fällen zum Tod führen. Der Brechdurchfall kommt vor allem in ärmeren Regionen vor. Dazu zählen einige Länder Afrikas und Asiens sowie Papua Neuguinea, Kuba und Landstriche in Mexiko. In Industrieländern ist Cholera dank Kläranlagen und Wasserwerken selten geworden. Das hämorrhagische Krim-Kongo Fieber (CCHF) ist eine schwere virale Erkrankung, die von Zecken übertragen wird. Die Krankheit ist aber auch direkt von Mensch zu Mensch oder von Haus- und Wildtieren auf den Menschen übertragbar. Die Sterblichkeit ist hoch und beträgt 10 bis 50 Prozent. CCHF kommt in vielen Ländern Afrikas und Asiens, aber auch in Teilen Europas vor. Jüngste Fälle gab es 2009 in Kosovo, 2008 in der Türkei und 2006 in Griechenland. Das HI-Virus verursacht eine Infektionskrankheit, deren Endstadium Aids ist. Das HI-Virus wird übertragen durch ungeschützten Sex, Spritzentausch bei Drogenkonsumenten, Nadelstichverletzungen im Klinikbereich, von Müttern auf ihre Ungeborenen oder Säuglinge und durch Bluttransfusionen in ärmeren Ländern. Das HI-Virus ist auf der ganzen Welt vertreten. Zu besonders vielen Ansteckungen kommt es in Afrika. Weltweit leben gemäss Schätzung UNAIDS rund 37 Millionen Menschen mit HIV oder Aids. Ausgelöst wird Malaria durch einzellige Parasiten der Plasmodium-Familie. Der Parasit wird durch den Stich von infizierten weiblichen Anopheles-Mücken, die abends und nachts stechen, auf den Menschen übertragen. Die WHO schätzt, dass über 300 Millionen Menschen betroffen sind und jedes Jahr mehr als eine Million an den Folgen eines Malariaanfalls sterben. Malaria kommt in allen tropischen Gebieten Afrikas, Amerikas und Asiens vor. Etwa 90 Prozent der Erkrankten leben jedoch in Afrika, wo der besonders aggressive Erreger Plasmodium falciparum überwiegt. Die Meningitis (Hirnhautentzündung) ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute. Sie wird meist durch Viren, Bakterien oder andere Mikroorganismen verursacht. Südlich der Sahara kommt es regelmässig zu Meningitis-Epidemien, die durch Meningokokken-Bakterien ausgelöst werden. Im Meningitisgürtel gibt es während der Trockenzeit Epidemien mit einer Erkrankungsrate von 100 bis 800/100000 Einwohner pro Jahr. Die grösste bekannte Epidemie dieser Art ereignete sich 1996/1997. Damals erkrankten 250'000 Menschen und 25'000 starben. Rund ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit Tuberkulosebakterien infiziert. Bei etwa 10 Prozent der Infizierten bricht die Erkrankung aus. Pro Jahr sind rund neun Millionen Neuerkrankungen und 1,5 Millionen Todesfälle zu verzeichnen. Die Tuberkulose ist damit die Infektionskrankheit, die die meisten Opfer fordert. Die Krankheit ist besonders in Afrika, Südamerika, Südostasien und Osteuropa (speziell Russland) verbreitet. Etwa ein Drittel der jährlichen Todesfälle entfällt auf Afrika. In Osteuropa ist die zunehmende Resistenz gegen Medikamente für den Anstieg der Infiziertenzahlen verantwortlich. Ist eine hochgradig ansteckende Viruserkrankung, an der je nach Schwere und Verlauf bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben. Erstmals tauchte Ebola 1976 im Sudan und in der Demokratischen Republik Kongo auf. Die Krankheit kann von Wildtieren auf den Menschen, aber auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Ebola-Ausbrüche meldeten bisher Länder West- und Zentralafrikas. Vom aktuellsten Ausbruch waren Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria betroffen. Daneben wurden importierte Fälle aus den USA, Europa, China und Südostasien gemeldet.

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Wie steht es um den internationalen Seuchenschutz? Dieser Frage sind Forscher der National University of Ireland im Auftrag der Europäischen Union nachgegangen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Demnach ist das Risiko für eine neue Seuche grösser als je zuvor.

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Grund dafür ist laut dem Team um Bakteriologin Máire Connolly eine Kombination aus schlechter Vorbereitung, lange bekannten Risikofaktoren und neuen Bedrohungen wie Bioterror, wie es in einer Mitteilung heisst.

Gefahr droht auch aus dem Labor

Als Auslöser kommen – anders als in früheren Zeiten – nicht nur natürliche Erreger wie Influenzaviren, Ebola oder Zika infrage, sondern auch multiresistente Keime und aus Labors entweichende Erreger. Denn, das stellten die Forscher fest: Nicht immer werden Biosicherheitsmassnahmen strikt umgesetzt.

Eine weitere Gefahr geht laut der Studie von biologischen Waffen aus. Das hänge vor allem mit der zunehmenden Verfügbarkeit der dafür benötigten Technologien und dem wachsenden Wissen darüber zusammen.

Um das Risiko für Pandemien zu reduzieren, empfehlen Connolly und ihre Kollegen verschiedene Massnahmen wie eine engere Zusammenarbeit zwischen den Staaten und besseres Training für medizinisches Personal.

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chupachup am 01.04.2017 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles andere zuerst

    Brüssel kümmert sich lieber darum wie lang eine Gurke sein darf oder wie rund die Kirsche sein muss.Seit den Flüchtlingsströmen haben wir wieder Krätze etc.Aber egal das Volk wird es ausbaden.

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  • Futura am 01.04.2017 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War mir seit 40 Jahren klar !

    Und die Seuchen wurden in Labors entwickelt um die Pharmazeutischen Produkte nachher zum höchsten Preis verkaufen kann. War mir seit 40 Jahren klar !

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  • jch am 01.04.2017 15:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Panikmache!

    Der Mensch und seine Kriege sind eine "schlimnere Gefahr"!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • User am 02.04.2017 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch ist das Problem

    Kranke Denkweise der Menschen ist die grösste Seuche. Immer beginnend mit Machtgelüste... Verursacht alles Negative auf unserem Planet. Der Mensch...

  • Robert am 02.04.2017 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das wichtigste Vergessen

    die Bevölkerungsdichte. Da ist übertragung kaum zu vermeiden.

  • M.G. am 02.04.2017 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Risiken der Mobilität

    Vor hundert Jahren konnten sie nur Bürger des Mittelstandes und der Oberschicht eine grenzüberschreitende Mobilität leisten. In der Ausnahmesituation des I. Weltkriegs wurden Millionen Männer innert kürzester Zeit von Europa in alle Kontinente gebracht. Nur durch diese kurzfristig extrem hohe Mobilität konnte sich die spanische Grippe so schnell über die ganze Welt ausbreiten.

    • Thea W. am 03.04.2017 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M.G.

      Bravo. Genau so ist es heute auch. Kein Krieg, jedoch möglichst schnell, viel und billig in die entlegensten Gebiete reisen.

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  • MD1905 am 02.04.2017 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Panikmache

    ja schön die Bevölkerung verängstigen das sie zum arzt rennen und sicv impfen lassen..

    • Terri am 03.04.2017 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MD1905

      Lasen Sie den Bericht? Dagegen wird es keine Impfung geben.

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  • DeZürcher am 02.04.2017 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso ?!

    Was soll diese angst macherei ? all diese Krankheiten und Viren sind schon seit Jahren bekannt. Wer sich genügend um seine Hygiene, (auch Verhütung) kümmert der sollte keine Angst haben. Dazu sind diese Krankheiten meist in den tropischen und subtropischen Länder verbreitet wo das Klima für diese Erreger perfekt ist. NICHT SO IN DER SCHWEIZ.

    • DeSanGaller am 02.04.2017 15:46 Report Diesen Beitrag melden

      @DeZürcher

      Mit der ganzen Zuwanderung sind auch die Krankheiten nicht mehr weit

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