Foto-Wettbewerb

30. Oktober 2014 15:33; Akt: 30.10.2014 17:25 Print

Schau mir in die Augen, Spinne!

Wer kein Mikroskop hat, dem bleiben viele Dinge verborgen. Der Small-World-Fotowettbewerb schafft Abhilfe und bringt Kleines gross raus. Wir zeigen die Top 20.

Bildstrecke im Grossformat »
Ein behaartes Herz? Ein Querschnitt durch eine Raupe? Mitnichten. Rogelio Moreno Gill aus Panama hat das Mundinnere eines Rädertierchens festgehalten und ergatterte sich so Platz 1. Platz 2 sicherte sich Alessandro Da Mommio von der Universität Pisa mit diesem Bild. Dabei handelt es sich nicht um die stilistische Darstellung einer Grossstadt, sondern um die Detailaufnahme eines Calcitkristalls. «Schau mir in die Augen, Kleines» - dieser Satz dürfte Noah Fram-Schwartz aus dem US-Bundesstaat Connecticut durch den Kopf gegangen sein, als er auf das Sehorgan einer Springspinne fokussierte. Dafür gabs Platz 3. Mit dieser ungewöhnlichen Aufnahme einer Raupe sicherte sich Karin Panser vom Institut für Molekulare Pathologie in Wien Platz 4. Dies dank eines sogenannten Konfokalmikroskops, einem speziellen Lichtmikroskop, das im Gegensatz zur konventionellen Lichtmikroskopie nicht das gesamte Präparat beleuchtet, sondern nur einen Bruchteil davon. Nicht moderne Kunst, sondern die Innenansicht einer tierischen Lungenarterie bescherte Muthugapatti K. Kandasamy von der University of Georgia (USA) Platz 5. So sieht es aus, wenn Wasser um Buschkorallen strömt. Festgehalten hat das Douglas Brumley vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (USA). Dafür wurde er mit Platz 6 belohnt. Womit sich Dennis Hinks Platz 7 sicherte, haben Sie wahrscheinlich auch bei sich zu Hause stehen. Schliesslich handelt es sich bei dem Beitrag des US-Amerikaners um die Schaltung eines DVD-Players. Dass auch eigentlich unauffällige Meerestiere wunderschön sein können, beweist Igor Robert Siwanowicz vom Howard Hughes Medical Insitute im US-Bundesstaat Virginia mit seinem Bild einer Salzwasser-Garnele (Platz 8). Sie werden nie erraten, worum es sich hierbei handelt. Da hilft auch kein zweiter Blick. Denn was hier in Rot und Lila erscheint, ist in Wirklichkeit grün und kraus, nämlich Petersilie. Mit dieser ungewöhnlichen Aufnahme sicherte sich Meritxell Vendrell von der Universitat Autònoma in Barcelona Platz 9. Platz 10 geht an Paul J. Rigby von der University of Western Australia. Seine Aufnahme zeigt, wie ein von einem Pilz befallenes Blütenblatt eines Gänseblümchens aussieht. Haben Sie sich schon mal gefragt, wie die Zunge eines Heimchens aussieht? Dann schauen sie hier mal genau hin, denn damit hat sich der Italiener Stefano Barone Platz 11 gesichert. Schon mit einer normalen Kamera fotografierte Mineralien können begeistern. Doch diese Nahaufnahme offenbart die ganze Schönheit eines Montana-Dryhead-Achats. Dank des Fotografen Charles Krebs wissen wir nun, wie Rädertierchen bei der Fütterung aussehen. Dafür bescherte ihm das Bild Platz 13. Wer ganz genau hinschaut, kann sogar Gesichter erkennen. Der Münchner Ali Erturk wurde für diese leuchtende Aufnahme eines Mäusegehirns mit Platz 14 belohnt. Der Prachtkäfer (Chrysochroa buqueti) ist in Südostasien zuhause. Normalerweise rot-schwarz gefleckt, präsentiert er sich auf der Aufnahme von Charles Krebs in den Farben eines Regenbogens. Oben rechts ist ein Stück Auge zu sehen. Damit sichert sich der US-Fotograf nach Platz 13 auch noch den 15. Rang. Drei zusammengewachsene Nieren sind Nils Lindstroms Wettbewerbsbeitrag. Aufgenommen hat er ihn mithilfe des sogenannten Konfokalmikroskops, einem speziellen Lichtmikroskop. Das Motiv brachte ihm Glück - und bescherte ihm Platz 16. Normalerweise erscheinen Mikroalgen (Pleurotaenium ovatum) auf Fotos ganz in grün. Dass auf der Aufnahme von Rogelio Moreno Gill deutlich mehr Farben zu sehen sind, war der Jury Platz 17 Wert. Wer Blumen fotografiert, bemüht sich, vor allem die Blüten in ihrer ganzen Pracht zu zeigen. Jens H. Petersen aus Dänemark hat die für einmal aussen vor gelassen und sich auf Staubbeutel, Narben und Griffel des Ackergauchheils (Anagallis arvensis) konzentriert. Zu Recht, befand die Jury und dankte dem Fotografen mit Platz 18. Selbst wer nichts mit Würmern am Hut hat, dürfte von dieser Aufnahme eines Eichelwurms (Balanoglossus misakiensis) im Larvenstadium begeistert sein. Gemacht hat sie Sabrina Kaul von der Universität Wien, die damit Platz 19 belegt. Was auf den ersten Blick wunderschön aussieht, ist in Wirklichkeit ein Knochentumor. Dokumentiert hat ihn Dylan T. Burnette von der Vanderbilt University School of Medicine im US-Bundesstaat Tennessee. Sein Beitrag bildet das Schlusslicht der Top 20 des Small-World-Wettbewerbs.

Zum Thema
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Wie jedes Jahr kürte eine Jury beim Small-World-Wettbewerb die besten Mikroskop-Aufnahmen des Jahres – und das bereits zum 39. Mal. Erneut zählen sowohl professionelle Fotografen als auch Forscher der unterschiedlichsten Disziplinen zu den Preisträgern.

So unterschiedlich die Aufnahmen auch sind: Sie begeistern alle – auf ihre ganz eigene Art – und zeigen, dass ein genauer Blick sich fast immer lohnt. Denn auf einmal erscheinen gemeinhin als lästig verschriene Tierchen possierlich und liebenswert.

Neben bemerkenswerten Bildern bietet der Wettbewerb vor allem eins: einen intimen Einblick in winzige Welten, wie er selten ausserhalb eines wissenschaftlichen Labors erlebt werden kann. Unsere Bildstrecke zeigt die Aufnahmen, die es unter die besten zwanzig geschafft haben.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mätti am 30.10.2014 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    scho krass

    unglaublich wie komplex und wunderschön diese dinge sind! für mich ein wunder, obwohl man es (vielleicht?) erklären kann.

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  • Angie Galli am 30.10.2014 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin hingerissen

    von der Schönheit vom Microkosmos und vom Macrokosmos. Alles ist einzigartig und voller Liebe gemacht von unserem Schöpfer. Tragen wir Sorge zu diesem Geschenk. Die Natur wird's uns danken.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Angie Galli am 30.10.2014 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin hingerissen

    von der Schönheit vom Microkosmos und vom Macrokosmos. Alles ist einzigartig und voller Liebe gemacht von unserem Schöpfer. Tragen wir Sorge zu diesem Geschenk. Die Natur wird's uns danken.

    • Sahara am 30.10.2014 17:14 Report Diesen Beitrag melden

      streich bitte den zweiten Satz

      Bis auf den zweiten Satz geb ich ihnen Recht. Aber ein Schöpfer`? nö nicht wirklich. Märchenstunde?

    • Markus Meier am 31.10.2014 09:38 Report Diesen Beitrag melden

      Den Schöpfer gibt es!

      Die Frage ist nur, gibt es Gott oder so! Bei der Elektronik ist der Schöpfer der Mensch. Bei den Tieren, Lebewesen oder Pflanzen, ist der Schöpfer die Evolution oder einfacher ausgedrückt, die Natur! Wie das Leben bei uns entstanden ist? Eine Laune der Natur und der kosmischen Umstände!! Denn wenn es "Gott" gibt, wer hat dann Gott erschaffen? (Erdenkt [Erschaffen]wurde Gott definitiv durch den Menschen, um für seine Fragen [Unwissenheit] eine Antwort [Erklärung] zu haben!) Auch ohne "Gott" ist das Leben ein Wunder und daher schützenswert!!! (Pflanze oder Tier! [Mensch = Tier])

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  • mätti am 30.10.2014 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    scho krass

    unglaublich wie komplex und wunderschön diese dinge sind! für mich ein wunder, obwohl man es (vielleicht?) erklären kann.

    • JanE am 30.10.2014 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      Farben sind nicht echt

      die Fotos sind zwar echt aber bei den Farben wurde "etwas" nachgeholfen.

    • Egalo am 30.10.2014 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @janE

      Schon möglich, trotzdem sehr schöne Aufnahmen.

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