Künstliche Intelligenz

17. Juni 2017 09:27; Akt: 17.06.2017 09:30 Print

Der Chatbot kann dich aus der Depression holen

von F. Riebeling - Depressiven hilft es, über ihre Probleme zu sprechen. Doch nicht immer ist jemand zur Stelle. Abhilfe verspricht ein Computerprogramm.

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Depressionen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden: Sie steigern das Risiko, an bestimmten Krebsarten zu sterben. Bei Frauen leidet die Fruchtbarkeit darunter. Zudem tendieren Betroffene zu riskantem Alkoholkonsum. Im schlimmsten Fall können die trüben Gedanken zum Suizid führen.

Umfrage
Leiden Sie unter Depressionen?
24 %
26 %
23 %
20 %
7 %
Insgesamt 2255 Teilnehmer

Den Betroffenen hilft es, darüber zu sprechen – im Idealfall mit einem Psychologen. Doch der ist nicht immer verfügbar. Ausserdem geht eine Therapie mit der Zeit ins Geld. Das führt dazu, dass die Leidenden sich oftmals selbst überlassen sind – zumindest bisher.

Bot betreibt kognitive Verhaltenstherapie

In Zukunft könnte ein mit Künstlicher Intelligenz ausgestatteter Chatbot diese Therapielücke schliessen: Entwickelt wurde Woebot von Alison Darcey, einer klinischen Psychologin der Stanford University School of Medicine.

Er berät, stellt Fragen und hilft bei Problemen. Dabei nutzt er die gleiche Herangehensweise, wie dies Psychologen bei einer kognitiven Verhaltenstherapie tun.

«Die Testdaten haben uns umgehauen»

Dass der Austausch mit dem Computerprogramm wirklich etwas bringt, hat Darcey im Rahmen einer Studie nachgewiesen. Dafür rekrutierte sie 70 Studenten, die nach eigenen Angaben an Depressionen und Angstzuständen litten. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine chattete zwei Wochen lang mit Woebot, die andere erhielt ein E-Book über Depressionen.

Nach zwei Wochen wurde abgefragt, wie es im «Journal of Medical Internet Research Mental Health» heisst. Dabei berichteten die Probanden mit Depressionen, dass sie nicht nur so gut wie täglich mit dem Chatbot kommunizierten, sondern auch, dass sie sich deutlich besser fühlten. «Die Testdaten haben uns umgehauen», so Darcy gegenüber dem «Business Insider».

Gegenwart im Fokus

Der Forscherin zufolge ist der positive Effekt unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass sich Woebot auf Dinge konzentriert, die gerade passieren, und nicht auf Dinge, die in der Kindheit geschehen sind.

Zudem kann der Bot negative Sätze und Verhaltensmuster entschlüsseln und aufklären. Einen jammernden Menschen würde der Roboter beispielsweise darauf hinweisen, dass er gerade ein negatives Selbstgespräch führt, was einer Verzerrung der Realität entspricht.

Aktuell spricht Woebot nur Englisch. Doch schon bald soll er auch weitere Sprachen lernen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • red am 17.06.2017 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    traurig das ein Roborter diese Funktion übernimmt. Würden wir Menschen miteinader reden ,Zeit nehmen.. bräuchte es keinen Roborter. und es gäbe viel weniger Suizide.

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  • terra am 17.06.2017 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an alöe negativen hier

    alle schreiben hier negativ weshalb? Wart ihr schon jemals Depressiv? Wisst ihr wie schwer es ist darüber zu reden? Da kann ein Bot sehr gut helfen den Anfang zu machen. Verschliesst euch lieber nicht vor solchen Dingen ohne zu überlegen. Mir hätte das bestimmt geholfen und wäre über so ein Angebot mehr als glücklich gewesen.

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  • Marisa am 17.06.2017 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre auch was für mich

    bin nicht unglücklich über meine Single dasein, mit meinem Ex Partner konnte ich auch nie darüber reden was mich bedrückte. Aber ab und zu mit "jemandem reden" wenn mich im Beruf wieder eine/r foppte wäre da schon hilfreich. Auch für meinen Vater, er verlor seine Partnerin (meine Mutter verstarb schon lange) und ist seitdem Aggressiv Depressiv. Selbst der Arzt will Ihn nicht mehr sehen, weil er in der Praxis immer tobte und alle Angst haben. Zu mir war er eh immer schäbig, kann mich nicht um Ihn kümmern. Zu mir war er immer aggressiv. So etwas könnte helfen? Sein Leben gefällt ihm nicht mehr..

Die neusten Leser-Kommentare

  • B-) am 18.06.2017 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommunikation ohne Social Media oder Apps

    Es wäre schön wenn man sich mit Menschen unterhalten könnte, ohne das diese immer das Gefühl haben man wolle etwas schlechtes tun. Nein!!!! Nur unterhalten. Aber das ist schon zuviel. Dabei haben wir dies schon als Baby gemacht und niemand hat uns verstanden, antwort trotzdem erhalten. Glücklich waren wir trotzdem.

  • Getestet am 18.06.2017 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nichts

    Es ist nicht wirklich ein ChatBot, sondern eher eine PowerPoint Präsentation mit voreingestellten Antwortmöglichkeiten. Das Programm ist ein Witz! Die Antworten werden nicht wirklich erfasst... Der "ChatBot" zieht stur sein Programm durch, das ist nicht wirklich interaktiv. Da mag ich den "Brain" echt lieber, der hat wenigstens Humor und bringt mich zum lachen :-)

  • Wendy Darling am 18.06.2017 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Mir würde es sicher helfen. Es gibt Dinge die kann man einfach keinem Menschen anvertrauen und doch möchte man es so gerne loswerden.

  • Acidboy am 18.06.2017 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bruh?

    «Die Testdaten haben uns umgehauen». überrascht mich nicht wenn die eine hälfte mit einer KI redet während die anderen ein buch lesen. hätten sie statt zeit mit lesen zu verbringen, mit anderen Menschen gesprochen, ergäbe die studie doch mehr sinn?

  • S.A. am 18.06.2017 01:03 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das seine

    Vielleicht hilft ja ein Büsi viel besser... Mich würde es jedenfalls deprimieren, müsste ich mit einem Chatbot reden.