1500 Millionen Kubikmeter weniger

30. Oktober 2017 14:01; Akt: 30.10.2017 17:21 Print

Schweizer Gletscher verlieren drastisch an Eis

In nur einem Jahr ist das Eisvolumen der Schweizer Gletscher um rund drei Prozent zurückgegangen. Dies hat verschiedene Ursachen.

Der Rhonegletscher im Vergleich vom 23. September 2010 und 23. Juni 2017. (Bild: Simon Oberli, Gletschervergleiche.ch)

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Die Schweizer Gletscher haben zwischen Oktober 2016 und September 2017 insgesamt 1500 Millionen Kubikmetern Eis verloren. Das entspricht rund drei Prozent ihres Eisvolumens – ein extremer Rückgang, warnen Experten.

Mit dem Schmelzwasser könnte jeder Schweizer Haushalt ein 25 Meter Schwimmbecken füllen, teilte die Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze der Akademie der Naturwissenschaften am Montag mit. Der Eisverlust war demnach sogar grösser als im Hitzesommer 2015.

2017 gehört damit – etwa gleichauf mit 2011 und etwas hinter 2003 - zu den drei Jahren mit der grössten Gletscherschmelze der bis zu rund 100 Jahre umfassenden Messreihen. Die Angaben beruhen auf der Massenbilanz von 20 Schweizer Gletschern, also der Bilanz aus Zuwachs durch Schnee und Verlust durch Schmelze.

Zu wenig Schnee

Grund für die rekordverdächtige Gletscherschmelze war unter anderem der kurze und schneearme Winter, so die Mitteilung: Der Dezember 2016 gehörte zu den trockensten und schneeärmsten seit Messbeginn und auch die Folgemonate blieben bis auf den März unter dem Niederschlagsdurchschnitt.

Ungünstig für die Gletscher waren zudem die Hitzewellen im Juni und August. Bereits die zweite Maihälfte sei sehr trocken und warm gewesen, gefolgt vom zweitheissesten Juni seit Messbeginn, hiess es. Dadurch schmolz der Schnee rasch und liess die Gletscher ohne schützende Schneedecke zurück. Der warme Juli und der heisse August liessen dann das ungeschützte Eis schmelzen.

Immerhin brachte der September kühlere Temperaturen als sonst und einige Neuschneetage im Gebirge. Ohne diese wären die Gletscherverluste wohl noch höher ausgefallen.

Verluste betreffen alle Regionen

Die Untersuchung zeigte deutlich überdurchschnittliche Eisverluste in allen Regionen der Schweiz. Wegen der fortlaufenden Schmelze zerfallen vielerorts Gletscherzungen. Besonders betroffen sind die Gletscher zwischen dem westlichen Berner Oberland und dem Wallis, genauer gesagt der Glacier de Tsanfleuron, der Glacier de la Plaine Morte und der Griesgletscher.

Dort nahm die mittlere Eisdecke um zwei bis drei Meter ab, bei den meisten anderen um ein bis zwei Meter. Am wenigsten büssten die Gletscher im Gotthardgebiet ein, mit nur gut einem Meter Dickenverlust.

(chi/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tania am 30.10.2017 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Bevölkerungsexplosion

    Was ist mit der masslosen Bevölkerungsexplosion.1910 1,5 Milliarden,heute 8 Milliarden?

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  • Mutzli am 30.10.2017 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Tempo

    Seinerzeit dauerte es von einer Eiszeit zur Anderen 400'000 Jahre. Wenn man nun bedenkt, dass noch vor gerade mal 10'000 Jahren der Rhonegletscher bis Solothurn reichte!? Ja, das gab es schon immer, aber nicht mit dieser Geschwindigkeit!

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  • Markuss 1855 am 30.10.2017 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Der Zug ist abgefahren

    Vor 20 Jahren hätte die Menschheit ev. noch etwas machen können. Dazu hätten aber unsere Politiker "Weltweit" die entsprechenden Gesetzte machen müssen. Die Probleme waren damals schon bekannt. Das wurde aber nicht gemacht sondern explizit verhindert. Der Grund ist einfach. Die Gier nach Geld. Die Natur braucht den Menschen nicht, wir aber die Natur. Hauptverantwortlich für diese zerstörung ist der Mensch. Überall, jeden Tag ein bisschen mehr. Irgendwenn ist schluss. Ich denke mal so in 100-150 Jahren ist es den soweit. Die Natur wird das regeln. Sicher nicht zu unserem Vorteil.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike Zac am 31.10.2017 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegwerfgesellschaft

    wir produzieren Waren, damit sie absichtlich in wenigen Jahren kaputt gehen. Das ist Wahnsinn.

  • Peter S am 31.10.2017 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenklich

    Jeder, der sich mit dem Thema befasst, weis das es um die Geschwindigkeit der Veränderung geht. Man kann davon halten was man will. Fakt ist, die Schweiz wird sich massiv verändern. Wenn wir nichts tun einfach mehr in kürzerer Zeit. Muhende Kuhherden auf gelbem Gras. Steigende Lebensmittelpreise. Weniger Schweizer Lebensmittel. Andere Wälder. Weniger Wohlstand. Ich möchte, dass meine Gross-Kinder so ähnlich wie möglich in der Schweiz aufwachsen, wie ich es tat. Wem nützt die schöne Schweiz, wenn sie nicht mehr schön ist?

  • Betroffener Des Klimawandels am 31.10.2017 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle in einem Boot

    Spätestens wenn sich das Seeufer an gewissen Goldküsten genügend gesenkt hat, werden dann auch gewisse Sozialschichten erwachen, welche derzeit immernoch viel Geld in die Lobby der Klimaleugner investieren. Macht nur weiter so, damit fahrt Ihr die Lebensgrundlage nicht nur in der Schweiz total an die Wand. Ohne Wasser, keine Lebensgrundlage. Ohne Lebensgrundlage, kein Frieden.

  • PS;L am 31.10.2017 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Augen auf!

    Besser noch mal für 35 CHF nach Mallorca und zurück jetten übers Wochenende - Dann aber auf Öko und Hippie machen - och oder trinken wir alle Sojamilch die mit Schweröl-Schiffen hierher transportiert wird - super Sache!

  • Rupi am 31.10.2017 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewohner

    Wir sollten dankbar sein, dass Mutter Erde uns immernoch auf ihr wohnen lässt. Es ist schon faszinierend, wie der Mensch technisch & geistig weiter fortschreitet.. doch diese Quantensprünge gehen im gleichen Mass zu Lasten der Erde. Wo das hinführen wird, möchte ich mir nicht vorstellen.