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Gut gebrüllt
10. März 2010 11:01; Akt: 11.03.2010 16:09 Print
Was der Orang-Utan sagt, wenn er brüllt
Forscher der Universität Zürich haben das dröhnende Brüllen von Orang-Utan-Männchen entschlüsselt. Je nach Situation klingt es anders. Den Unterschied kennen auch die Weibchen.
Ein Team um Carel van Schaik vom Anthropologischen Institut der Uni Zürich beobachtete die drei Orang-Utan-Männchen Niko, Kentung und Fugit im Naturreservat Tuanan auf Borneo. Die Forscher analysierten einen besonderen Ruf, den nur geschlechtsreife Männchen ausstossen, die bereits die typischen Backenwülste besitzen.
Der Orang-Utan kann lockend oder angstmachend brüllen. (Bild: Keystone/EPA/ATTILA BALAZS)
«Der Ruf beginnt meist mit einem lauten Grummeln, darauf folgt eine ganze Serie dröhnender Brülllaute», sagte Brigitte Spielmann, die Erstautorin der im Fachmagazin «Ethology» publizierten Studie, auf Anfrage. Das bis zu vier Minuten lang dauernde Gebrüll ist selbst im dichten Dschungel mehr als einen Kilometer weit zu hören.
Lockruf oder Imponiergebrüll
Die Orang-Utans stossen den weit hallenden Ruf bei verschiedenen Gelegenheiten aus: Oft riefen die Männchen ohne erkennbaren Grund. Diese Rufe dienten wohl dazu, Weibchen anzulocken, sagte Spillmann. Manchmal lassen sich Orang-Utans aber auch durch einen äusseren Auslöser zu einem solchen Brüllen hinreissen.
«Sie brüllten zum Beispiel, wenn ein anderes Männchen in der Nähe rief, oder wenn ein Baum umstürzte», sagte Spillmann. Manchmal stossen männliche Orang-Utans auch tote Bäume um und auf dieses Imponiergehabe folgte oft ebenfalls einer der Rufe. Diese Rufe dienen eher dazu, allfällige Rivalen auf Distanz zu halten.
Die Forscher verglichen den Aufbau der Rufe ohne äusseren Anlass mit den von einem äusseren Auslöser provozierten. Es zeigte sich, dass das Imponier- oder Warngebrüll sich von den Werberufen durch eine schnellere Frequenz und kürzere Brülllaute unterscheidet. Zudem werden die Brülllaute und das Grummeln öfter wiederholt.
Weibchen erkennen Unterschied
Weibliche Orang-Utans erkennen diese Unterschiede, wie die Forscher feststellten. Weibchen mit Jungen bewegten sich weg, wenn sie einen Lockruf hörten, sexuell aktive Weibchen hingegen näherten sich dem Ruf eher. Auf die Imponier- und Warnrufe der Männchen dagegen reagierten die Weibchen kaum. Das deute darauf hin, dass diese Rufe nicht an die Weibchen gerichtet seien und diese deshalb nicht interessierten, sagte Spillmann.
Interessanterweise fand eine frühere Studie, dass auf der Insel Sumatra sowohl sexuell aktive weibliche Orang-Utans als auch solche mit Jungen von den männlichen Rufen angelockt wurden. Dies habe wohl mit dem unterschiedlichen Sozialverhalten der dortigen Orang-Utans zu tun, vermutet Spillmann.
Auf Sumatra gibt es nämlich in jeder Orang-Utan-Gruppe ein klar dominantes Männchen. Die Weibchen suchen dessen Nähe und werden von ihm beschützt. Auf Borneo hingegen gibt es keine solchen Beschützer. «Die Folge davon ist, dass die Weibchen häufig von Männchen sexuell belästigt werden», sagte die Forscherin.
(sda)























