Kritik mit Folgen

06. Mai 2014 16:59; Akt: 06.05.2014 17:09 Print

Als dick bezeichnete Meitli werden dick

Mädchen, die in jungen Jahren als fett abgestempelt werden, haben später tatsächlich mit Übergewicht zu kämpfen – unabhängig davon, ob sie früher wirklich dick waren.

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Wer junge Mädchen als dick bezeichnet, riskiert, dass sie tatsächlich dick werden. (Bild: Keystone)

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Eltern wollen für ihre Kinder stets das Beste. Auch wenn sie ihnen raten, auf ihr Gewicht zu achten. Doch mit Aussagen wie «Du bist zu dick» erreichen sie das Gegenteil. Das berichten Forscher der University of California im Fachjournal «Jama Pediatrics», das im Juni erscheinen wird. Denn statt dass der Nachwuchs dauerhaft auf ungesunde Verlockungen verzichtet, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er in späteren Jahren tatsächlich übergewichtig wird.

Für ihre Studie hat das Team um Janet Tomiyama die Daten einer Langzeitstudie des National Institute of Health analysiert, an der seit Ende der 1980er-Jahre über 2000 Mädchen teilgenommen haben. Diese waren zu Beginn der Studie zehn Jahre alt. 58 Prozent von ihnen war schon einmal gesagt worden, sie seien zu dick. Neben dem Alter wurden auch Grösse und Gewicht erfasst, genauso wie das Einkommen und der Bildungsstand der Eltern.

Selbsterfüllende Prophezeiung

Neun Jahre später wurde erneut das Gewicht der Teilnehmerinnen gemessen. Das Ergebnis überraschte die Forscher: «Als ‹fett› bezeichnet zu werden, hat fast zehn Jahre später einen messbaren Effekt. Wir sind fast vom Stuhl gefallen, als wir das entdeckt haben», kommentiert Tomiyama das Resultat in einer Mitteilung der Hochschule. So sei die Wahrscheinlichkeit für Mädchen, die sich in früheren Jahren anhören mussten, sie seien dick, 1,6 Mal höher, tatsächlich Gewicht zuzulegen.

Der beobachtete Zusammenhang zwischen den frühen Hänseleien und dem Mehr an Kilos gelte unabhängig vom ursprünglichen Gewicht oder anderen Einflussfaktoren, heisst es weiter. Die Forscher schliessen daraus, dass sich Mädchen Sprüche wie «Du bist zu fett» immer zu Herzen nehmen – egal, ob sie tatsächlich zu viel auf den Rippen haben oder nicht.

Wer einmal als «die Dicke» abgestempelt worden sei, beginne, entsprechende Verhaltensmuster zu übernehmen, so die Forscher – beispielsweise in Form von Frustfressen. Tomiyama vermutet, dass Kritik das Stresshormon Cortisol erhöht, das dafür bekannt ist, die Gewichtszunahme zu fördern.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger am 06.05.2014 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt mal ehrlich..,

    Das überrascht euch??? Das weiss man doch schon lange! Gehänselte Menschen leben isolierter, kommen weniger raus, haben weniger Freude am Leben. Natürlich erzeugt das Frust! Und nur wer Frust hat, kann Frustessen entwickeln. Ausserdem, nur wenn man glaubt aufs Essen schauen zu müssen, denkt man immer ans Essen. Und man weiss, dass der Körper sich auf Nahrungsaufnahme vorbereitet wenn man an Essen denkt. Es läuft einem dann das Wasser im Mund zusammen, was schliesslich den Hunger ankurbelt.

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  • Anna am 06.05.2014 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann ich bestätigen...

    Ich war als Kind schon grösser und robuster als andere Mädchen aber keinesfalls dick, halt sportlich, sass nie drin, immer draussen am Spielen. Irgendwann begannen gewisse Sprüche über mein Gewicht, vorallem von meiner Mutter und Mitschülern. Ich fühlte mich isoliert und wertlos, was sich ein Pädophiler zunutzen machte. Nach 20 Jahren Kampf gegen meinen Körper kann ich langsam Frieden schliessen und siehe da, das Gewicht geht runter. Wer mich fürs Dicksein blöd anmacht hat eh selber ein Problem.

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  • spargel am 07.05.2014 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    die eltern

    mädchen = kinder? also haben die eltern doch einen wesentlichen einfluss nicht nur in der küche wie sich ein kind sieht/ fühlt

Die neusten Leser-Kommentare

  • I used to be fat am 07.05.2014 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage der Disziplin

    Ich war mal die Dicke. Das ist lange her. Vor ca. 25 Jahren begann ich, meine Ernährung umzustellen und mehr Sport zu treiben. Seitdem bin ich die Dünne (mit Gr. 34/36) und halte mein Gewicht noch mit ü40. Wer bereit ist, seine Essgewohnheiten umzustellen, auf die Kalorien zu achten und Sport zu treiben, hat nichts zu befürchten. Aber wer nachmittags 2 Stück Cremetorte verschlingt und seine schlechten Essgewohnheiten beibehält, wird natürlich dick bleiben und noch dicker werden. Dick oder nicht dick. Das ist die grossse Frage der Disziplin!

  • spargel am 07.05.2014 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    die eltern

    mädchen = kinder? also haben die eltern doch einen wesentlichen einfluss nicht nur in der küche wie sich ein kind sieht/ fühlt

  • molli fan am 07.05.2014 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lasst das doch endlich sein!!

    es gibt halt frauen mit mehr schönen kurven und dan gibts halt frauen mir weniger achönen kurven!! das macht doch nichts

  • Mim am 07.05.2014 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normalgewichtige

    Werden ja heute als fett in der schule gehänselt! Ein mädchen das nucht gehänselt werden will leidet schon fast an magersucht.

  • Fitter am 06.05.2014 23:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merkt euch

    Man kann nicht mehr zunehmen als man isst!!! Wer zu dick ist, sollte seinen Kalorienbedarf reduzieren. Schluss mit den Ausreden!

    • Mr Smith am 06.05.2014 23:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Sport

      Oder Sport treiben das ist immer noch die aller beste Lösung ^^

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