Kontroverses Symbol

23. Juni 2015 22:46; Akt: 23.06.2015 22:46 Print

Das Kreuz mit der Südstaaten-Flagge

von Jean-Claude Gerber - Die alte Konföderierten-Flagge ist in den US-Südstaaten weiterhin allgegenwärtig. Doch dieses Stück Stoff ist heftig umstritten.

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Die konföderierte Kriegsflagge, das Symbol des weissen amerikanischen Südens, weht auf dem Gelände des Parlamentsgebäudes von South Carolina. Die Gouverneurin des Bundestaates möchte sie entfernen lassen, was per Gesetz aber verboten ist. Die Kriegsflagge ist heute noch Bestandteil der Staatsflagge von Mississippi. Aus der Flagge von Georgia ist die Kriegsflagge seit 2003 endgültig verschwunden. Das neue Design (Bild) lehnt sich allerdings stark ... ... an die erste Nationalflagge der Konföderation von 1861 an. Die Flagge von Alabama gleicht der Infanterieflagge des Staates aus dem Bürgerkrieg. Die vier blauen Sterne der Flagge von Arkansas repräsentieren die Staaten zu denen Arkansas gehörte: Frankreich, Spanien, USA - und die Konföderation. Die Flagge Floridas gleicht der Alabamas und soll ebenfalls an die Konföderation erinnern. Die heutige Flagge North Carolinas gleicht jener, die sich der Staat nach der Sezession gab. Das zweite Datum darauf war früher der 20. Mai 1861 - der Tag als North Carolina aus den USA austrat. Auch die Flagge von Tennessee trägt die Elemente der Konföderiertenflagge in sich. Inklusive des vertikalen Streifens, der auch auf der letzten konföderierten Nationalflagge von 1865 (in rot) vorhanden war. ... die Kriegsflagge weht - neben einer Bürgerkriegs-Gedenkstätte - auch in der Hauptstadt Alabamas auf dem Gelände des Capitols. In neun Südstaaten kann man sich sein Nummernschild mit dem Logo der Gedenk-Organisation Sons of Confederate Veterans verzieren lassen - inklusive Kriegsflagge. Die Kriegsflagge erlebte in Zeiten der von Washington verfügten Aufhebung der Rassentrennung im Süden in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine Wiedergeburt als rassistisches Symbol. Viele Südstaatler stehen bis heute für die umstrittene Fahne ein. Hierzulande wird die Fahne eher mit einem US-inspirierten Lebensstil als mit Politik in Verbindung gebracht. Im Bild: Das Country-Festival im Zürcher Albisgüetli.

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Nach dem Kirchenmassaker von Charleston will die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, die Konföderierten-Flagge vom Areal des Kapitols ihres Bundesstaats entfernen lassen. Doch dafür braucht sie das Einverständnis des Parlaments von South Carolina. Und dort gibt es genau wie in der Bevölkerung viele, die sich nicht von der Flagge trennen wollen. Das sind die wichtigsten Antworten zur Fahne des US-Südens.

Welches sind die Ursprünge der Flagge?

Die heute als Konföderierten-Flagge bekannte Fahne hat ihre Ursprünge im 19. Jahrhundert. Ab 1860 spalteten sich elf südliche Staaten nach der Wahl Abraham Lincolns zum US-Präsidenten von den USA ab und nannten sich die Confederate States of America (CSA). Im darauffolgenden US-Bürgerkrieg nutzte die Armee der Südstaaten unter General Robert E. Lee die Flagge in einer quadratischen Version als Kriegsflagge. Mit ihren 13 Sternen – einer für jeden Staat, den die Konföderation beanspruchte – war sie nie Nationalflagge, gilt heute aber als Symbol der CSA.

Wo weht die Konföderierten-Flagge noch heute offiziell?

Die Kriegsflagge ist bis heute Bestandteil der Staatsflagge von Mississippi. Erst 2001 wurde das Design von 1894 in einer Volksabstimmung bestätigt. Nach der Bluttat von Charleston erhalten aber auch dort Befürworter einer neuen Flagge Aufwind. Von 1956 bis 2001 machte die Kriegsflagge den grössten Teil der Flagge von Georgia aus. Nach einer Übergangslösung ist sie seit 2003 nicht mehr Teil der Flagge, die sich jetzt allerdings stark an die erste Nationalflagge der CSA, die «Stars and Bars», anlehnt. Daneben haben fünf weitere Südstaaten Flaggen, die von konföderierter Symbolik geprägt sind (siehe Bildstrecke).

Während die Kriegsflagge in keinem Staat mehr zuoberst auf dem jeweiligen Parlamentsgebäude (Kapitol) weht, ist sie nach wie vor in deren Nähe anzutreffen. Neben South Carolina zum Beispiel auch in Alabama oder in Texas. In South Carolina ist es gar per Gesetz verboten, die Konföderierten-Flagge einzuholen: Nach dem Kirchenmassaker durfte sie nicht auf Halbmast gesetzt werden. In Florida war es übrigens Gouverneur Jeb Bush, der 2001 die Flagge vom Kapitol entfernen liess.

Weshalb hält der Süden an diesem Symbol fest?

Das am meisten vorgebrachte Argument der Befürworter ist das Gedenken an ihre Vorfahren, die im US-Bürgerkrieg ihr Leben liessen. Daneben ist die Flagge aber auch ein Symbol der Eigenständigkeit des Südens. Mit ihr drücken die Südstaatler ihre Skepsis gegenüber den Yankees aus dem bis heute wirtschaftlich und politisch dominanten Norden aus. Für das Festhalten ist auch eine gehörige Portion Trotz verantwortlich. Man will sich von den Yankees und schon gar nicht von der Regierung in Washington vorschreiben lassen, was man zu tun und zu lassen hat.

Wieso ist die Flagge so umstritten?

Ihre Gegner sehen die Flagge als das Symbol für den Rassismus in den USA und setzen sie mit dem Hakenkreuz gleich. Das hat damit zu tun, dass die Konföderierten Staaten allesamt Sklavenhalterstaaten waren. Ebenso wichtig ist allerdings die Tatsache, dass die Konföderierten-Flagge, die nach dem Bürgerkrieg lange Zeit keine Rolle mehr spielte, zuerst vom rassistischen Ku-Klux-Klan adoptiert wurde und dann just zur Zeit der US-Bürgerrechtsbewegung in den 1950er- und 1960er-Jahren im Süden eine Wiedergeburt erlebte. Damit sollten die sich emanzipierenden Afroamerikaner eingeschüchtert werden. Dazu kommt, dass die Gegner die Flagge als Symbol der nach wie vor vorhandenen separatistischen Tendenzen in den Südstaaten und damit als Gefahr für die Einheit der USA wahrnehmen.

Wie erklärt sich die weltweite Beliebtheit der Flagge?

Die Konföderierten-Flagge trifft man nicht nur im Süden, sondern auf der ganzen Welt an. Auch hierzulande ist sie zu sehen. In den seltensten Fällen wird sie allerdings als rassistisches Symbol eingesetzt. Meist ist sie Ausdruck für einen bestimmten Lebensstil. Sie wird mit dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Rock’n’Roll- und Country-Musik in Verbindung gebracht. Dabei steht sie nicht so sehr für die Kultur des Südens als vielmehr für die US-Kultur allgemein, wie sie bei uns wahrgenommen wird. Doch auch die in den Südstaaten verbreitete Ablehnung eines starken Zentralstaats kann hierzulande eine Motivation für das Hissen der Flagge sein. Statt Washington sind dann einfach Bern oder gar Brüssel Ziel des stummen Protests.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter W. aus M. am 24.06.2015 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Symbol

    Die Flagge ist ein Symbol, der Träger/Hisser gibt ihr jedoch die Erklärung. Ob sie nun für Rassismus oder Rebellion steht ist nur von der Einstellung des Betrachters abhängig. Es gibt viele Symbole die aufgrund eines Ereignisse verteufelt wurden, so zum Beispiel das Hakenkreuz. In Indien und auch anderswo wird es ganz anders wahrgenommen als bei uns. Jedem das seine, nicht jeder der die CSA-Flagge führt ist ein Rassist oder "Sklavenbefürworter" - weniger Polemik wäre wohl angebracht.

  • Robert E. Lee am 24.06.2015 00:02 Report Diesen Beitrag melden

    na ja...

    Die Ähnlichkeiten auf den verschiedenen Flaggen sind ja schon ziemlich weit hergeholt. Und ja, die Staaten südlich von Mason-Dixon waren halt damals Teil der Konföderierten. Übrigens hat der Norden den Sezessionskrieg nicht geführt, um die Sklaverei abzuschaffen. Das war bloss ein positiver Nebeneffekt.

  • Astrid Schneider am 24.06.2015 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Fahne

    Ich habe so eine Flagge auf meinem Autodach bin Ami Fan und fahre einen Amerikaner na und ! mich stört es nicht

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Amerika Liebhaber am 24.06.2015 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Verlierer

    Grundsätzlich mal bin ich gegen Sklaverei ! Ich mag aber die Flagge, ich mag die Einstellung nicht gleich immer mit allem einverstanden zu sein. Dadurch bin ich wohl auch ein bisschen ein Redneckgirl... Aber zurück zum wichtigen Teil: Als ich das mitbekam mit den Fahnen,das hissen, nicht hissen, wegnehmen oder am Masten lasse, da dachte ich nur uiui, wenn das nur nicht der Beginn eines weiteren Krieges ist ! Das war mein erster Gedanke, und er macht mich traurig, denn bei einem Krieg gibt's keine Gewinner ...

  • Süditaliener am 24.06.2015 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Flagge bleibt am Fenster

    Meine Konföderiertenflagge hängt am Fenster und bleibt auch dort. Sie ist für die meisten Menschen ein Symbol für Rebellentum und für den Süden. Nicht nur in den USA sondern auf der ganzen Welt, so wie es auch im letzten Abschnitt dieses Artikels steht. VIVA IL SUD

    • Revoluzzer am 24.06.2015 18:47 Report Diesen Beitrag melden

      Meine Flagge bleibt auch

      Und daneben das Bildnis von Ernesto "Che" Guevara. Viva la Revolucion!

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  • Texas Boy am 24.06.2015 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rebel Flag

    Also ich finde die Flagge wunderschön.

  • Bernhard Sandmann am 24.06.2015 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    USA tief gespalten

    Ich sehe das so, die USA stehen näher an einem zweiten Bürgerkrieg als man vermutet, das ganze Land, ist tief gespalten und langsam wird es immer sichtbarer.

  • G.R.I.T.S. am 24.06.2015 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Rebel-Flag

    Dann muss man auch alle Che Guevara Symbole verbieten, da diese auch für Rebellion stehen!

    • Süditaliener am 24.06.2015 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      Rebellen wird es immer geben

      Ganz genau. Bei mir hängt sie am Fenster und im gleichen Raum gibt es ein Che Poster. :-)

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