Mayastadt Tikal

16. Juli 2012 23:08; Akt: 16.07.2012 23:09 Print

Gewaltiger Maya-Staudamm entdeckt

Die Maya schufen mit einfachsten Werkzeugen ein erstaunlich effektives Wassersystem. Bei Ausgrabungen in Guatemala wurde jetzt das grösste hydraulische Bauwerk des gesamten Mayagebiets entdeckt.

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Maya-Ruinen in Tikal, Guatemala (Bild: PD)

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Archäologen sind bei neuen Ausgrabungen in der Mayastadt Tikal im heutigen Guatemala auf einen riesigen mehrschichtigen Damm mit Schleusen gestossen. Der neu entdeckte Damm repräsentiere das grösste bekannte hydraulische Bauwerk des gesamten Mayagebiets, berichten die Forscher im Fachmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS).

In Tikal, einer der bedeutendsten Städte der klassischen Maya-Periode (3. bis 9. Jahrhundert), filterten die Maya schon vor 1700 Jahren das Trinkwasser für rund 80 000 Menschen und reinigten es in einer Art Kläranlage. Zahlreiche Reservoire, Kanäle und eine neu entdeckte Schaltstation sorgten dafür, dass das kostbare Nass nach Regenfällen optimal auf die Speicher verteilt und später wieder abgezapft werden konnte.

«Das hydraulische System der Maya war so clever konstruiert, dass es mehr als tausend Jahre lang die Bedürfnisse der wachsenden Bevölkerung dieser Region deckte», schreiben Vernon Scarborough von der University of Cincinnati und seine Kollegen. Erst das ausgeklügelte System von Speichern, Leitungen und Dämmen ermöglichte es den Maya, das gesamte Jahr über mit dem Regenwasser aus der Regenzeit auszukommen.

Dreischichtiger Damm mit Schleusentoren

Der neu entdeckte Palast-Damm wurde während der klassischen Maya-Periode etwa ab dem Jahr 250 nach Christus errichtet, wie die Archäologen berichten. Er ist 80 Meter lang und zehn Meter hoch und umfasst ein Volumen von mehr als 14 000 Kubikmetern Material.

Laut den Wissenschaftlern diente der Damm dazu, das Wasser aufzufangen, das von den vielen gepflasterten Steinflächen in der Innenstadt von Tikal abfloss. Der Damm bildete das untere Ende eines gewaltigen Reservoirs, das fast 75 000 Kubikmeter Wasser fasste – so viel wie 25 olympische Schwimmbecken.

Um ihr Trinkwasser zu reinigen, bauten die Maya an den Ausflüssen mehrerer Reservoire Absetzbecken für Schwebstoffe und Sandfilter ein, wie die Forscher feststellten. Um auch organische Verunreinigungen aus dem Wasser zu entfernen, könnten sie es zudem mit Maisgriess vermischt und fermentieren lassen haben. Dadurch zersetzten unschädliche Bakterien die organischen Reststoffe.

Nachhaltiger als heutige Landnutzung

Wie die Forscher berichten, nutzten die Maya einfachste Werkzeuge, um die Landschaft in ihrer Umgebung für ihre Zwecke völlig umzugestalten. «Zur klassischen Mayaperiode lebten bis zu fünf Millionen Menschen im südlichen Tiefland Guatemalas – rund zehnmal mehr als heute im gleichen Gebiet», sagen die Forscher.

Das System der Maya habe aber die vorhandenen Ressourcen weitaus weniger stark ausgebeutet als die heute vorherrschende Brandrodung, Weidewirtschaft und Landwirtschaft. Die Forscher glauben, dass dank der Einblicke in die Maya-Konstruktionen das Wassermanagement in tropischen Ländern nachhaltiger gestaltet werden könnte.

(sda)