Eisberg-Abbruch

12. Juli 2017 20:25; Akt: 12.07.2017 20:25 Print

Kommt jetzt der Tsunami aus der Antarktis?

von Fee Riebeling - Nun ist passiert, was viele befürchtet haben: Ein gigantischer Eisberg hat sich vom Larsen-C-Schelfeis gelöst.

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Der Abbruch eines Eisbergs vom Larsen-C-Schelfeis hat sich schon lange angekündigt. 2014 entdeckten Mitarbeiter des Midas-Forschungsprojekts erstmals einen Riss im Schelfeis. (Im Bild: eine Aufnahme der Bruchlinie der Nasa vom 10. November 2016) Hier eine Detailaufnahme des Risses im Larsen-C-Schelfeis vom November 2016. Seit seiner Entdeckung überwachten die Forscher die Entwicklung des Spalts. Dabei stellten sie fest, dass sich der Spalt in den vergangenen Jahren immer weiter vorgearbeitet hat, wobei die Entwicklungsschritte im letzten Jahr deutlich grösser geworden sind. Zum endgültigen Bruch kam es schliesslich zwischen dem 10. und 13. Juli 2017. Dabei entstand einer der fünf grössten je beobachteten Eisberge. Er ist 175 Kilometer lang und bis zu 50 Kilometer breit. Mit seinen rund 5800 Quadratkilometern Fläche etwa so gross wie der Kanton Bern. Die genauen Hintergründe sind unklar. Grundsätzlich ist das Kalben – so wird das Abbrechen von Eisbergen aus dem Schelfeis genannt – nichts Besonderes. Es passiert regelmässig. Allerdings bricht selten ein solch grosses Stück ab. (Im Bild: der Perito-Moreno-Gletscher kalbt in den Lago Argentino) Zudem wächst Schelfeis normalerweise von hinten nach. Das ist beim Larsen-C-Schelf aber nicht passiert. Stattdessen hat sich seine Kante zurückgezogen – und das so weit wie nie noch zuvor. Ob das nachgeholt wird, ist fraglich. Für die Bildung grosser neuer Eismassen ist es in der Antarktis längst zu warm geworden. (Im Bild: Riss im Larsen-C-Schelfeis am 7. Februar 2017) Einen markanten Anstieg des Meeresspiegels erwarten Forscher wie Andreas Bauder, Glaziologe an der ETH Zürich, nicht: «Schelfeis schwimmt ohnehin auf dem Meer, wenn es zerbricht oder schmilzt, ändert das den Wasserstand nicht.» (Im Bild: Szene aus dem Film «Deep Impact», 1998) Allerdings führe der Verlust des Schelfeises dazu, dass die Gletscher direkt ins Meer münden und dadurch viel schneller abfliessen als vorher und Eismassen aus dem Landesinneren ins Meer fliessen. Sollte das eintreffen, könnte der weltweite Meeresspiegel bis zu etwa zehn Zentimeter ansteigen. Reissen so grosse Teile wie im aktuellen Fall ab, kann das zur Gefahr für das gesamte Schelfeis werden, wie das Beispiel des in den letzten Jahren deutlich geschrumpften Larsen-Schelfeises zeigt. Das nördlich gelegene Larsen-A-Schelfeis löste sich im Januar 1995 ab. Das Larsen-B-Schelfeis verlor im Jahr 2002 innerhalb von sechs Wochen mehr als 3200 Quadratkilometer Eis.

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Am Rand der Antarktischen Halbinsel ist laut Glaziologen des Forschungsprojekts Midas einer der fünf grössten je beobachteten Eisberge vom Larsen-C-Schelfeis vollständig abgebrochen. Damit hat die bisher fast 50'000 Quadratkilometer grosse Eisplatte auf einen Schlag mehr als ein Zehntel ihrer Fläche verloren.

Was ist genau passiert?
Der Eisberg, der sich nun gelöst hat und voraussichtlich den Namen A68 bekommen soll, ist etwa 175 Kilometer lang und an seiner breitesten Stelle 50 Kilometer breit und ist mit seinen rund 5800 Quadratkilometern Fläche etwa so gross wie der Kanton Bern.

Dass es dazu kommen würde, hat sich bereits 2014 abgezeichnet. Damals entdeckten Midas-Mitarbeiter erstmals einen Riss im Schelfeis (siehe Box) und überwachten seither dessen Entwicklung. Dabei stellten sie fest, dass sich der Spalt in den vergangenen Jahren immer weiter vorgearbeitet hat, wobei die Entwicklungsschritte im letzten Jahr deutlich grösser geworden sind, wie Daniela Jansen vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) sagt.


Was hat nun zur vollständigen Ablösung geführt?
Die genauen Hintergründe sind unklar. Grundsätzlich ist das Kalben – so wird das Abbrechen von Eisbergen aus dem Schelfeis genannt – nichts Besonderes. Es passiert regelmässig. Allerdings bricht selten ein solch grosses Stück ab.

Zudem wächst Schelfeis normalerweise von hinten nach. Das ist beim Larsen-C-Schelf aber nicht passiert, so Jansen. Stattdessen hat sich seine Kante zurückgezogen – und das so weit wie noch nie zuvor. Ob das nachgeholt wird, ist fraglich. Für die Bildung grosser neuer Eismassen ist es rund um die Halbinsel längst viel zu warm geworden.

In der Antarktis herrscht derzeit Winter. Welche Rolle spielt das?
Laut Andreas Bauder von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) an der ETH Zürich gar keine. Schliesslich habe sich der Abbruch des Eisbergs schon lange angekündigt: «Daher betrachte ich das Ganze eher als Konsequenz dieser Entwicklung. Es hätte genauso gut im antarktischen Sommer passieren können.»

Was wird nun passieren?
Auch das ist noch offen. Die Wissenschaftler befürchten aber, dass sich durch den Verlust der Eiskante das Schelfeis destabilisieren könnte: «Die gesamte Eisplatte steht unter Spannung. Bricht an einer Schlüsselstelle ein Stückchen ab, können sich auch in anderen Teilen Risse ausbreiten, ähnlich wie bei einer Sicherheitsglasscheibe», erklärt Jansen. Dies könnte letztlich zum kompletten Zusammenbruch des Schelfeises führen.

Wie es mit dem abgebrochenen Eisberg weitergeht, ist ebenso offen. Er dürfte vorerst mit der Meeresströmung rund um die Antarktis Richtung Osten driften, schreibt Sueddeutsche.de: «Sollte er intakt bleiben, kann es Jahre dauern, bis er ganz geschmolzen ist, weil er wie ein Eiswürfel in seinem eigenen, kühlen Schmelzwasser schwimmt.» Breche er aber in mehrere Teile, könnte er sich deutlich schneller auflösen.

Wegen seiner länglichen Form sei es sehr wahrscheinlich, dass der Eisberg auseinanderbreche, sagte Polarforscher Konrad Steffen von der Forschungsanstalt WSL und der ETH Zürich gegenüber der Schweizer Nachrichtenagentur SDA. Dennoch könne er in Einzelteilen zwei bis vier Jahre überdauern, bis er vollständig geschmolzen sei.

Wird der Meeresspiegel ansteigen?
ETH-Experte Andreas Bauder befürchtet keine unmittelbare Folgen: «Schelfeis schwimmt ohnehin auf dem Meer, wenn es zerbricht oder schmilzt, ändert das den Wasserstand nicht.» Allerdings führe der Verlust des Schelfeises dazu, dass die Gletscher direkt ins Meer münden und dadurch viel schneller abfliessen als vorher und Eismassen aus dem Landesinneren ins Meer fliessen. Sollte das eintreffen, könnte der weltweite Meeresspiegel bis zu etwa zehn Zentimeter ansteigen.

Zum Vergleich: Sollte die ganze Antarktis eines Tages abschmelzen, würde das den Meeresspiegel um etwa 80 Meter ansteigen lassen. Würde nur Grönland verschwinden, wären es rund sechs Meter.


Vor dem Abbruch hatte der Riss unvorstellbare Ausmasse. (Video: British Antarctic Survey)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Df am 12.07.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reisserisch

    Was für ein reisserischer Titel !? Nachdem das Eis schon immer im Wasser lag und in ca. 3 Jahren schmelzen wird ist keine Welle zu erwarten. Medien....

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  • Cel Lo am 12.07.2017 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mist aber auch

    So ein n Mist mit zunami. Das Eis war bereits schwimmend im Wasser. Das Problem ist, was jetzt kommt. Bricht mehr Schelfeis ab? Was dann? Wächst das schelfeis nach? Dies sind die Fragen, wenn es einen zunami gegeben hätte, dann hätten wir in qualifizierteren presseportalen davon gelesen.

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  • Dani am 12.07.2017 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    von wegen Klimaerwärmung

    Klimaerwärmung - ach was! Das war Scrat, der seine Eichel ins Eis rammen wollte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc am 13.07.2017 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Informieren

    Der eisberg(schelfeis) ist direkt am kontinent abgebrochen(wegen der klimaerwärmung) und das eis was jetzt direkt vom Kontinent in Meer schmilz(wegen der klimaerwärmung) lässt den wasserspiegel bald steigen.

  • Elotor am 13.07.2017 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wie jetzt

    Dort unten ist jetzt Winter... Ist die Platte nun abgebrochen oder nicht ? Treibt sie nun lose oder nicht ? Mega interessant keiner weiss was und alle vermuten anhand von Bildern - da ist der Tsunami wirklich nicht mehr weit...

  • A.Wurz am 13.07.2017 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    wenn "Schelfeis" schmilzt, sollte dann

    der Meeresspiegel nicht grundsätzlich sinken? Man nehme ein Glass, fülle es mit Wasser und Eis, anschliessend markieren sie die Wasserlinie, nachdem alles Eis geschmolzen ist, sollte doch der Wasserlinie tiefer liegen. Eis hat mehr Volumen als Wasser, haben wir je einmal in der Schule gelernt..das Experiment mit der Metallkugel die mit Wasser gefüllt wird und anschliessend bis zur nächsten Stunde im Tiefkühler gelagert...

    • Florikus Hurakus am 13.07.2017 19:46 Report Diesen Beitrag melden

      Theorie studiert

      Deswegen schaut ja ein Teil oberhalb der Wasseroberfläche raus.

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  • Klimaskeptiker am 13.07.2017 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Die Klimahysteriker danken es!

    Jetzt geht die Welt endgültig unter! Jetzt ist alles bewiesen! Wir haben nur noch wenige Jahre zu leben - spendet sofort euer Geld dem Klimarat! Passt auf in der Adria - jetzt wird das Wasser kalt! Und die Luft am Äquator wird sich ebenfalls massiv abkühlen. Wir brauchen sofort mehr Forschungsgelder, mehr Forschungsplätze, mehr Konferenzen, mehr Weltreisen. Und schlussendlich kommt es wie es kommen muss - auf jeden Fall nicht so wie von den subventionierten Hysterikern vorhergesagt wird. Die Vorhersgen waren noch nie auch nur annähernd korrekt.

  • Roman am 13.07.2017 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wer weis das schon

    Der ganz Planet ist ein dynamisches Lebewesen. Wer denkt es bleibe immer gleich, liegt falsch denn es bewegt sich permanet. Mir haben diese Diskusionen zu viel hätte wäre wollte könnte täte und müsste.