Unter Druck

26. November 2013 15:32; Akt: 26.11.2013 16:29 Print

175'000 Schweizer dopen am Arbeitsplatz

Vier Prozent der Schweizer Arbeitnehmer haben sich schon einmal im Job mit Medikamenten oder Drogen gedopt – das zeigt eine neue Studie. Besonders stark betroffen sind die Jungen.

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In der Schweiz hat nur ein kleiner Teil der Bevölkerung Erfahrungen mit Doping am Arbeits- oder Studienplatz. Allerdings wird bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie Menschen in Ausbildung ein erhöhter Konsum leistungsfördernder Substanzen festgestellt.

Umfrage
Haben Sie sich schon einmal am Arbeitsplatz gedopt?
24 %
49 %
24 %
3 %
Insgesamt 1723 Teilnehmer

Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) hat mit Hilfe des Internet-Panels des Link-Instituts erstmals eine repräsentative Umfrage zu Doping am Arbeits- und Studienplatz durchgeführt. Insgesamt haben 10'171 Erwerbstätige und Menschen in Ausbildung im Alter von 15 bis 74 Jahren den Online-Fragebogen vollständig ausgefüllt.

Vier Prozent der Teilnehmer an der Umfrage haben mindestens einmal verschreibungspflichtige Medikamente oder Drogen zum Zweck der kognitiven Leistungssteigerung oder Stimmungsaufhellung eingenommen, wie die Suva am Dienstag bekannt gab. Die Einnahme erfolgte dabei, ohne dass dafür ein medizinischer Grund vorlag. Bei rund 4'400'000 Erwerbstätigen in der Schweiz sind das 176'000 Menschen.

Mit zwölf Prozent wurde am häufigsten das Medikament Ritalin zur Leistungssteigerung beziehungsweise zur Stimmungsaufhellung missbraucht, gefolgt von den verschreibungspflichtigen Medikamenten Cipralex, Temesta, Stilnox, Xanax, Seresta und Valium.

Hohes Arbeitstempo, hoher Termindruck

Auffällig ist gemäss der Umfrage, dass Menschen in Ausbildung fast doppelt so häufig dopen wie Erwerbstätige. Erwerbstätige Menschen mit Berufen im Gesundheits- und Sozialwesen würden ebenfalls häufiger über Doping am Arbeitsplatz berichten als Angehörige anderer Berufsbranchen.

Die Gruppe mit Doping-Erfahrung berichte häufiger von Stressfaktoren am Arbeitsplatz beziehungsweise in der Ausbildung. Es waren dies Faktoren wie hohes Arbeitstempo, hoher Termindruck, unklare Anweisungen, unnötige Pausen, mangelnde Kontrolle oder Konkurrenzdruck.

Nach Einschätzung der Suva hat gemäss der Umfrage nur ein kleiner Teil der Schweizer Bevölkerung Erfahrungen mit Doping am Arbeits- oder Studienplatz. Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie bei Menschen, die sich in Ausbildung befänden, sei aber ein erhöhter Konsum von Doping am Arbeitsplatz beziehungsweise im Studium zu beobachten.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie bei Schweizer Studierenden dreier Deutschschweizer Universitäten hatte gezeigt, dass knapp 14 Prozent der Studierenden bereits versucht haben, ihre Gehirnleistung im Studium mit verschreibungspflichtigen Medikamenten oder anderen psychoaktiven Substanzen zu verbessern.

Kein dringenden Massnahmen nötig

«Aus heutiger Sicht bin ich der Meinung, dass Doping am Arbeitsplatz und in der Bildung in der Schweiz kein gravierendes Problem ist, das dringender Massnahmen bedarf», wird Michael Schaub, Direktor des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung, in der Mitteilung zitiert. Es handle sich jedoch um ein Phänomen, das in regelmässigen Abständen untersucht werden sollte, um eine allfällige Zunahme zu identifizieren.

Die Risikogruppen seien jetzt identifiziert. Aus Sicht der Arbeitsmedizin äussert die Suva der Meinung, dass der richtige Umgang mit Herausforderungen sowie die Reduktion von Stress am Arbeitsplatz und in der Bildung die richtigen Ansatzpunkte seien, damit gar nicht zu Medikamenten zur Leistungssteigerung gegriffen werden müsse, sagte Claudia Pletscher, Chefärztin Arbeitsmedizin bei der Suva, laut Mitteilung zu den Studienergebnissen.

«Soft-Doping» verbreitet

Sogenannte «Soft-Dopingsubstanzen» wie Koffein, Energy-Drinks und Vitamin- und Stärkungspräparate werden häufiger zur kognitiven Leistungssteigerung oder Stimmungsaufhellung in Arbeits- beziehungsweise Bildungskontext verwendet, wie die Suva weiter berichtet.

Insgesamt hätten fast zwei Drittel der Befragten von mindestens einer Einnahme von «Soft-Dopingsubstanzen» mit dem Motiv der kognitiven Leistungssteigerung, der Reduktion von Nervosität, Stimmungsaufhellung am Arbeitsplatz oder Entspannung nach Stress bei der Arbeit beziehungsweise in der Ausbildung berichtet.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bebby am 26.11.2013 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das ist

    nachvollziehbar! ich persönlich nehme beim arbeiten keine drogen doch um am abend runterzukommen rauche ich 1 bis2 joints dann kann ich besser schlafen und denke nicht permanent an die arbeit. und ich bin nur elektriker aber für mein kleines einkommen muss ich viel über mich ergehen lassen und das fast jeden tag. für die teppichetage sind wir nur roboter die man wie in einem videospiel anklickt und sie arbeiten lässt. der respekt vor dem menschen ist verloren gegangen

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  • Ich bin Schuld am 26.11.2013 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wer macht es denn nicht?

    In der CH machen das 100% und da mache ich jede Wette. Wie viele kommen Krank zur Arbeit "vollgepumt" mit Medis nur Arbeit. Wie oft musste ich mich deshalb schon Ärgern und danach war ich krank. Doch bei der Arbeitssituation gibt es ja nur eines, immer mehr Leisten und noch mehr. Wer zusammen bricht ist selber schuld! Selbstmord, Pech gehabt und selber Schuld, ich weiss.

  • Banksters am 26.11.2013 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Doping

    besonders betroffen sind alte spekulanten, die sich wochenlang wach koksen & einen ganzen planeten in "finanzkrisen" stürzen... danach aber ihre stellen behalten können, ohne jegliche konsequenzen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • hakan am 27.11.2013 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine wunder

    wenn unser Regierung schon nicht versteht wohin das ganze neue Regelungen führen soll, wen wundert's? das man heute Doping nimmt etwa Regierung?

  • Arbeits Tier am 27.11.2013 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld vs Gesundheit

    Jaja Arbeitet euch alle zu tode! Todunglücklich aber 10000 und mehr im Monat verdienen! Super Leistung! Aber kein Wunder in unserer Gesellschaft. Ich hoffe für alle die Drogen bei der Arbeit konsumieren müssen, das ihr irgendwann merkt, das man Gesundheit nicht mit Geld kaufen kann. Ich hatte selber einen Job bei dem ich sehr gut verdient habe, als aber meine Gesundheit und Psyche angefangen hat darunter zu leiden musste ich für mich merken, das Geld nicht alles ist. Heute verdiene ich die hälfte, bin aber glücklich und gesund. Muss jeder für sich entscheiden was ihm wichtiger ist.

  • Dani am 27.11.2013 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenrechnen

    Wenn man exzessiven Koffeinkonsum, Alkohol, kiffen (ja, oft gesehen), Koks usw. dazurechnet sähe die Statistik anders aus!! Hab schon Leute gesehen, die ohne Joint keine Prüfungen/Präsentationen mehr überstehen. Was man über Koks hört und sieht, davon mal ganz zu schweigen...

  • Frau Müller am 27.11.2013 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ich halte den Arbeitsalltag und den Druck ohne Cipralex nicht mehr aus. Ein Ausfall bedeutet Jobverlust und noch mehr Druck, wieder eine Stelle zu finden. Geistig bin ich ein Wrack.

  • Zeit statt Geld! am 27.11.2013 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es stattdessen ..

    einfach mit etwas mehr Gemütlichkeit und weniger materiellen Ansprüchen? Wer dem Stress nicht gewachsen ist, der ist im falschen Job! Es genug "leichtere" Job, aber dabei verdient man halt nicht so viel Geld. Man muss halt entscheiden: Viel Geld ODER Gesundheit! Man bedenke die Kosten wegen Burnout, Depressionen, IV, Rehas. Aber wer unbedingt mit 50 einen Herzinfarkt bekommen will..tja!