Ernüchternde Studie

01. Oktober 2013 13:57; Akt: 01.10.2013 14:22 Print

Staaten verlieren den Krieg gegen Drogen

Milliarden fliessen weltweit in die Bekämpfung von Produktion und Handel von Drogen. Trotzdem werden die Betäubungsmittel immer reiner und billiger.

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Der globale Krieg gegen die Produktion und den Handel von Drogen steht einer Studie zufolge vor dem Scheitern. Laut einer am Montag in der Fachzeitschrift «BMJ Open» veröffentlichten Studie ist nicht nur das Angebot von Heroin, Kokain und Cannabis in den USA und der EU weiter ungebrochen. Zusätzlich sind die Preise gefallen und die Qualität hat sich verbessert.

Die Forscher untersuchten für die Studie Daten von sieben staatlichen Programmen, die über mehr als ein Jahrzehnt die Entwicklung auf dem internationalen Drogenmarkt verfolgten. Drei der Programme überwachten den internationalen Drogenhandel, drei konzentrierten sich auf den US-Markt und eines auf die Lage in Australien.

Demnach fiel in den USA zwischen 1990 und 2007 der Endverkaufspreis für Heroin, Kokain und Cannabis unter Berücksichtigung der Inflation um 81, 80 beziehungsweise 86 Prozent. Zugleich stieg der durchschnittliche Reinheitsgrad der Drogen um 60, 11 beziehungsweise 161 Prozent. In 18 Ländern Europas fiel zwischen 2000 und 2009 der Preis für Kokain um 51 Prozent und für Heroin um 74 Prozent.

Ineffektive Gesetze und Kontrollen

Auch in Australien gingen die Drogenpreise zwischen 2000 und 2010 teils stark zurück: Kokain verbilligte sich um 14 Prozent, die Preise von Heroin und Cannabis fielen um jeweils 49 Prozent.

«In dieser Zeit stieg die Beschlagnahmung von Drogen auf wichtigen heimischen Märkten allgemein an», schrieben die Forscher unter Leitung von Evan Wood aus Vancouver in Kanada. Dennoch seien mit wenigen Ausnahmen die Preise für illegale Drogen seit 1990 gefallen, während sich ihre Qualität verbessert habe.

«Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Ausweitung der Bemühungen zur Kontrolle des globalen illegalen Drogenmarkts durch Durchsetzung der Gesetze am Scheitern sind», hiess es in der Studie. Sie dürfte Befürwortern eines Richtungswechsels in der Drogenpolitik Auftrieb geben.

Legalisierungsbestrebungen

Insbesondere in den Ländern in Zentral- und Südamerika, die besonders unter dem Kampf gegen die Drogen leiden, gibt es Überlegungen, Drogen teilweise zu entkriminalisieren und ihren Verkauf unter staatliche Aufsicht zu stellen. So soll der Drogenkriminalität den Boden entzogen werden.

Im August hat das Abgeordnetenhaus in Uruguay beschlossen, Marihuana zu legalisieren und den Verkauf in Apotheken zuzulassen. Stimmt bis Ende Jahr auch der Senat zu, wäre der kleine Staat in Südamerika das erste Land, in dem Produktion, Verkauf und Konsum von Marihuana legal sind und in dem der Staat selbst den Verkauf übernimmt.

Die Gründe, die Uruguays Staatspräsident José Mujica für seine Initiative nennt, entsprechen den Erkenntnissen der Studie: «Hundert Jahre Kampf gegen die Drogen haben das Problem nicht gelöst, also muss man pragmatischer sein».

(jcg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tommy am 01.10.2013 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Höchste Zeit für Legalisierung

    Ganz abgesehen davon, dass Drogenkonsum niemandem schadet, ausser dem Konsumenten (also nicht anders als bei Alkohol, Tabak, ungesundem Essen oder gefährlichen Sportarten) funktioniert auch das Verbot nicht! Und nicht nur das, es schadet der Gesellschaft und dem Staat sogar in grossem Masse! Indem es zu Krieg führt (Mexiko, Kolumbien etc.), zu höheren Gesundheitskosten (keine Qualitätskontrolle, kein Jugendschutz), zu hohen Repressionsausgaben (Polizei, Gefängnisse) und der Staat einfach auf Milliarden an Steuereinnahmen verzichtet! Und es beschneidet die Freiheit von ungefährlichen Bürgern!

  • Hans Cheng am 01.10.2013 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    A drug against war

    Krieg gegen Drogen??? Ich wünsche mir eine Droge gegen Krieg!!!

  • Ismael Abdel Rehim am 01.10.2013 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Legalisieren, regulieren und Steuern

    generieren. Als George Bush Sen. damals den Drogen den Krieg ansagte, lachten sich die Drogen Bosse ins Fäustchen. Den ungleich als bei anderen Produkten sinkt die Nachfrage nach Drogen kaum, wenn sie teurer werden (zumindest kurzfristig). Wenn dann das Gramm Koks plötzlich 500.- kostet und nicht mehr 30.- hat entsteht somit 470.- Marge. Diese Marge (oder wohl etwas weniger) könnte an den Staat gehen und in die Prävention fliessen. Aber es braucht halt mehr als nur Stroh zwischen den Ohren um wirtschaftliche Zusammenhänge zu sehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tommy am 01.10.2013 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Höchste Zeit für Legalisierung

    Ganz abgesehen davon, dass Drogenkonsum niemandem schadet, ausser dem Konsumenten (also nicht anders als bei Alkohol, Tabak, ungesundem Essen oder gefährlichen Sportarten) funktioniert auch das Verbot nicht! Und nicht nur das, es schadet der Gesellschaft und dem Staat sogar in grossem Masse! Indem es zu Krieg führt (Mexiko, Kolumbien etc.), zu höheren Gesundheitskosten (keine Qualitätskontrolle, kein Jugendschutz), zu hohen Repressionsausgaben (Polizei, Gefängnisse) und der Staat einfach auf Milliarden an Steuereinnahmen verzichtet! Und es beschneidet die Freiheit von ungefährlichen Bürgern!

  • Hans Cheng am 01.10.2013 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    A drug against war

    Krieg gegen Drogen??? Ich wünsche mir eine Droge gegen Krieg!!!

  • David am 01.10.2013 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Drogenbarone ?

    Die höchsten Drogenbarone sind die Staatsanwälte selber und oben in der Politik und Wirtschaftsbosse.

  • Ismael Abdel Rehim am 01.10.2013 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Legalisieren, regulieren und Steuern

    generieren. Als George Bush Sen. damals den Drogen den Krieg ansagte, lachten sich die Drogen Bosse ins Fäustchen. Den ungleich als bei anderen Produkten sinkt die Nachfrage nach Drogen kaum, wenn sie teurer werden (zumindest kurzfristig). Wenn dann das Gramm Koks plötzlich 500.- kostet und nicht mehr 30.- hat entsteht somit 470.- Marge. Diese Marge (oder wohl etwas weniger) könnte an den Staat gehen und in die Prävention fliessen. Aber es braucht halt mehr als nur Stroh zwischen den Ohren um wirtschaftliche Zusammenhänge zu sehen.

  • Legalize it am 01.10.2013 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Legalisieren

    Vielleicht ein blöder Vergleich, aber vor ein paar hundert Jahren war das Zeugs ja auch nicht illegal. Bin nicht für Legalisierungen, aber ich denke, das ist der beste Weg und hilft der Wirtschaft immens. Afghanistan wäre plötzlich reich...