Gravitation schuld?

27. März 2017 10:42; Akt: 27.03.2017 11:39 Print

Hier fliegt ein Schwarzes Loch aus der Galaxie

Grosse Geschehnisse im All: Ein Schwarzes Loch rast mit Millionen Kilometern pro Stunde in die Weiten des Weltraums.

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Ein gigantischer Gravitationswellen-Tsunami hat ein supermassereiches Schwarzes Loch aus dem Herz seiner Heimatgalaxie geschleudert. Das schliessen Astronomen aus Beobachtungen mit dem Hubble-Weltraumteleskop.

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Das Schwarze Loch mit einer Masse von mehr als einer Milliarde Sonnen schiesst demnach mit einer Geschwindigkeit von 7,6 Millionen Kilometern pro Stunde aus seiner Heimatgalaxie heraus.

Unerwartete Stelle

Die Forscher um Marco Chiaberge vom Space Telescope Science Institute in Baltimore hatten mit Hubble eine rund acht Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxie untersucht. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht knapp zehn Billionen Kilometern.

Die Galaxie gehört zu einem Galaxienhaufen – und die Astronomen hatten nach Anzeichen für verschmelzende Sternsysteme gesucht. Zu ihrer Überraschung beobachteten sie dabei einen sogenannten Quasar in den Aussenbezirken der untersuchten Galaxie.

Quasare sind normalerweise die Kerne aktiver Galaxien. Sie werden von einem zentralen Schwarzen Loch angetrieben. Die Schwarzen Löcher selbst lassen sich nicht beobachten, aber die Quasare strahlen meist heller als eine ganze Galaxie. «Schwarze Löcher hausen im Zentrum von Galaxien, daher ist es ungewöhnlich, einen Quasar nicht im Zentrum zu beobachten», so Chiaberge.

All-Vagabund

Die Forscher errechneten, dass dieser Quasar sich mit seinem supermassiven Schwarzen Loch rund 35'000 Lichtjahre vom Zentrum seiner Galaxie entfernt hat. Das ist weiter als die Distanz der Sonne zum Zentrum der Milchstrasse.

Die Geschwindigkeit des Quasars mit der Katalognummer 3C 186 legt nahe, dass er seine Galaxie in etwa 20 Millionen Jahren verlassen und dann durchs Weltall vagabundieren wird. Um einem derart massereichen Schwarzen Loch diese Geschwindigkeit zu verleihen, ist die Energie von 100 Millionen gleichzeitig explodierender Supernovae nötig, wie die Astronomen erläutern.

Die Forscher haben das ungewöhnliche System mit zahlreichen Teleskopen untersucht. «Als wir die Beobachtungen von Hubble, dem Chandra-Röntgenobservatorium und dem Sloan Digital Sky Survey kombinierten, deutete alles auf dasselbe Szenario hin», so Chiaberge.

Folge des Fusionstanzes

Die Forscher gehen davon aus, dass die Heimatgalaxie des ungewöhnlichen Schwarzen Lochs tatsächlich mit einer Nachbargalaxie verschmolzen ist. Dabei sind auch ihre beiden supermassereichen Schwarzen Löcher im Zentrum verschmolzen.

Das geschieht jedoch nicht auf einen Schlag. Stattdessen umkreisen sich die Schwarzen Löcher immer enger und schneller und strahlen dabei spiralförmige Gravitationswellen ab – ähnlich wie ein rotierender Rasensprenger Wasser verteilt. Wenn die beiden Schwarzen Löcher nicht dieselbe Masse und dieselbe Eigenrotationsrate besitzen, können die Gravitationswellen in eine Richtung stärker gebündelt sein.


So stellen sie die Forscher den Ablauf vor. (Bild: NASA/ESA/A. Feild, STScI)

Sobald die Schwarzen Löcher schliesslich verschmelzen, stoppen sie die Produktion von Gravitationswellen. Der Rückstoss schleudert das verschmolzene Schwarze Loch dann in die gegenüberliegende Richtung der zuvor gebündelten Gravitationswellen.

Genau das ist nach Annahme der Astronomen mit dem gigantischen Schwarzen Loch im Herzen von 3C 186 passiert. Die einzig andere Erklärung sei, dass sich der Quasar in Wahrheit irgendwo weit hinter der beobachteten Galaxie in einer anderen Galaxie befinde. Von so einer Hintergrundgalaxie sei in den Beobachtungen in zahlreichen Wellenlängenbereichen jedoch keine Spur zu finden.


Hubble detektiert supermassives Schwarzes Loch. (Video: Youtube/Nasa Goddard)

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jemand am 27.03.2017 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    War's eine naive Frage?

    Beim Lesen hier erinnere ich mich an die 1. Sek. Ich fragte in der Schule, ob es sein könnte, dass die Erde aus ihrer "Position" weggeschleudert werden könnte. Dann würden wir alle sterben. Die ganze Klasse lachte mich lautstark aus. Die Lehrerin aber verteidigte mich. Trotzdem spotteten sie lange über mich. - Ich habe Astrophysik studiert und keinen meiner damaligen Mitschüler je wiedergesehen.

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  • R. K. am 27.03.2017 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind Nichts.

    Und Schwupps ist das schwarze Loch bei der Erde oder schon nur eine klitzekleine Nähe würde die Erde bzw. das Leben auf der Erde vernichten.

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  • Ainstain am 27.03.2017 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mathe

    10 Billionen Kilometer = 1 Lichtjahr 10'000'000'000'000 km dann das Ganze nochmals mit 8'000'000'000 multiplizieren

Die neusten Leser-Kommentare

  • Miro am 28.03.2017 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Suche Antworten

    Mich faszinieren solche sachen wahnsinig. Was da alles duchs Weltall fliegt? Das Weltall muss ja auch unendlich gross sein, kann ich mir gar nicht vorstellen! Ein Schwarzes Loch saugt ja auch Planeten usw. ein, mich nimmt es wunder wo diese hingehen, verschwinden die einfach oder explodieren sie? Kann mir das einer Erklären? Lg Miro

    • Ich am 28.03.2017 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Miro

      Materie, die von einem schwarzen Loch vereinnahmt wird, wird schon lange bevor sie den Ereignishorizont erreicht hat, durch die enorme Gravitation 'zerrissen'. Meist umkreisen die Überreste das schwarze Loch in immer engeren Bahnen, heizen sich stark auf und werden zu Plasma. Durch die starke Rotation der Akkretionsscheibe, entsteht ein Magnetfeld, durch das wiederum ein Jet entsteht, durch den ein geringer Teil der Materie stark beschleunigt wird und sich von dem schwarzen Loch entfernt. Dies wird als Quasar bezeichnet und ist meistens heller als eine ganze Galaxie. Die restliche Materie umkreist das Loch weiter in enger werdenden Bahnen, bis es den Ereignishorizont passiert hat und vermutlich letztendlich zu einem Teil des schwarzen Loches wird. Wir können nur vermuten was ab da geschieht, da die Physik ab dem Ereignishorizont nicht mehr anwendbar ist und die physikalischen Gesetzte nicht mehr gelten.

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  • Calipeat am 28.03.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht wie immer nur um die Grosse:

    Ablenkung. Wir sind nicht ein nichts was durchs grosse Weltall fliegt, wir sind alles!

  • Klara am 28.03.2017 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Das kenne ich auch

    Ein schwarzes Loch hab ich warscheinlich auch in meiner Handtasche. Darin verschwindet auch alles und kommt nicht wieder raus.

  • Boris am 28.03.2017 06:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Theorie.

    Niemand kann ein schwarzes Loch sehen, nur messen. Wenn wir mit Teleskopen Millionen Jahren in der Zeit zurück schauen kann es auch sein das das Licht das auf das Teleskop trifft sich verändert hat auf seiner fast endlos langen Reise, wer sagt denn ob das was wir sehen sich auch so zugetragen hat ? Es wäre nicht das erste Mal das unseren Wissenschaftler ihre Sinne einen gehörigen Streich spielen. Eigentlich gibt es keinen einzigen wirklichen Beweis das schwarze Löcher überhaupt existieren, nur Hinweise, Berrechnungen und Vermutungen, aber keinen Beweis. Es könnte auch ganz anders sein.

    • J.L. Piccard am 28.03.2017 11:11 Report Diesen Beitrag melden

      alles bleibt anders...

      Nur weil für uns die Zeit vergeht, wenn das Licht reist, heisst das noch lange nicht, dass dies auch für die Photonen gilt, welche ja mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind (siehe Relativitätstheorie). Die Frage ob für Photonen überhaupt Zeit vergeht ist nach wie vor offen. - Desweiteren ist "sehen" auch nur eine Art "messen". Das Auge misst die Frequenz und Intensität eines Spektrums des Lichts und das Hirn deutet diese Daten. - Teleskope und Rechner sind halt einfach bessere Augen und zweckdienlicher.

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  • Nervensäge am 28.03.2017 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt gibt es

    Eine neue Galaxie oder hat der Atomtechniker die Kernspaltung eingeleitet?