Ruthenium-106

10. Oktober 2017 08:48; Akt: 10.10.2017 08:48 Print

Woher stammt die Radioaktivität im Tessin?

Vor kurzem wurde in der Schweiz sowie in Deutschland, Italien und Österreich Ruthenium-106 nachgewiesen. Experten vermuten die Quelle in Russland.

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Seit rund einer Woche werden an verschiedenen Messstationen in Europa erhöhte Werte des radioaktiven Stoffes Ruthenium-106 gemessen. Unter anderem bei Cadenazzo im Tessin, aber auch in Italien, Österreich, Deutschland, Tschechien, Polen und Frankreich. Der höchste Wert – 42 Millibecquerel pro Kubikmeter – wurde in Wien gemessen, wie die niederländische Strahlenschutzbehörde mitteilt.

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Aufgrund der Zeitpunkte, zu denen die Substanz detektiert wurde, gehen die Experten des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz (BFS) davon aus, dass sie ursprünglich in der letzten Septemberwoche in Osteuropa freigesetzt wurde, vermutlich im Südural. Wo genau und unter welchen Umständen dies geschah, ist allerdings nach wie vor unklar. Die radioaktive Substanz kommt nicht natürlich vor.

Mögliche Quellen

Fest steht laut dem BFS nur, dass die erhöhten Werte nicht auf einen Unfall in einem Atomkraftwerk zurückzuführen sind, weil dann mehrere verschiedene Stoffe freigesetzt worden wären. Es wurde aber ausschliesslich Ruthenium-106 gemessen.

Der Stoff wird unter anderem als Strahlenquelle für die Krebstherapie eingesetzt, insbesondere bei der Behandlung von Augentumoren. Anwendung findet sie auch, wenn auch deutlich seltener, in sogenannten Radionuklidbatterien, die Raumsonden und Satelliten mit Strom versorgen. Zudem kann Ruhtenium-106 bei der Aufbereitug von Brennelementen aus Kernkraftwerken auftreten.

Keine Gefahr für die Schweizer

Immerhin melden die Behörden Entwarnung: Seitdem im Tessin im Zeitraum vom 2. bis 3. Oktober der Höchstwert von 1900 Microbecquerel pro Kubikmeter gemessen wurde, sinkt die Konzentration von Ruthenium-106 in der Schweizer Luft wieder.

Weiter heisst es in einer Mitteilung der Abteilung Strahlenschutz des Bundesamts für Gesundheit, dass die 1900 Microbecquerel pro Kubikmeter einem Wert entsprechen, der 330-mal kleiner ist, als der erlaubte Grenzwert. Daher bestand und besteht für die Gesundheit der Bevölkerung kein Risiko. An den anderen Messorten in der Schweiz, auf der Alpennordseite gelegen, konnten für den gleichen Zeitraum keine Spuren von Ruthenium-106 nachgewiesen werden.

Im Südural befindet sich die Kerntechnische Anlage Majak, wo seit 1987 Kernbrennstoffe wiederaufbereitet werden:
Der GAU, von dem die Welt erst viel später erfuhr

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tsar am 10.10.2017 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lange Leitung

    Krass wie viel später man darüber informiert wird...

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  • Beni am 10.10.2017 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleiche Leier

    Könnte vielleicht jemand bei den Russen nachfragen, was sie da wieder in die Luft geblasen haben? Vielleicht interessiert es ja ein Volksvertreter, welcher sich wirklich sorgt? Aber es ist immer das selbe, keine Gefahr für die Gesundheit.. Ja es ist alles gut. Ironie aus.

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  • Thomas H. am 10.10.2017 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr interessant

    Den für den Menschen gut verträglichen Grenzwert 330-fach unterschritten und dafür gibt's einen Artikel?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Neutrino am 10.10.2017 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    Strahlentherapiegerät eingeschmolzen?

    Könnte gut sein dass ein Gerät zur Strahlentherapie mitsamt dem radioaktiven Kern als Metallschrott in einem Stahlwerk eingeschmolzen wurde und so die Freisetzung erfolgte... Wäre nicht das erste Mal das etwas in die Richtung passiert..

    • Elekrton am 11.10.2017 08:59 Report Diesen Beitrag melden

      Was für ein Gerät?

      Bei welchem Therapiegerät wird Ruthenium eingesetzt? Das bischen Isotopmaterial das für Augentherapie verwendet wird reicht kaum um die Strahlung so weit weg messbar zu erhöhen. Ausserdem wehen die Winde fast immer von Westen nach Osten.

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  • Gauda am 10.10.2017 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Atomphysiker

    Wieso hinterfagen hier einige Russland als Quelle? Meteorologen können anhand der Luftströmung sehr genau berechnen, woher das Ruthenium-106 stammt. Die ehem. Sowjetunion versuchte damals den Unfall in Tschernobyl zu vertuschen, eine Messstation in Norwegen deckte die Vertuschung allerdings auf, Tatsache! Mich würde eher interessieren wesshalb der Stoff freigesetzt wurde. Vorsätzlich? Unfall? Hoffe es wird herausgefunden und die verantwortlichen zur rechenschaft gezogen. Angenommen es ist ein Unfall, wie kann nur so leichtsinnig mit dieser Materie herumspielen?

  • ja ja am 10.10.2017 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unbedenklich?

    im frühjahr gabs krankheitsfälle, welche auf die "unbedenklichen" werte zurückzuführen waren. hier fehlt eine korrekte und transparente aufklärung sowie ein statement!

  • Dimitri Ragusanoff am 10.10.2017 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Putin in Love

    Immer wenn der Westen nichts weiß war es Russland.

    • Mr. Phil am 11.10.2017 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dimitri Ragusanoff

      Es geht hier nicht darum Russland schlecht zu machen, sondern die Strahlungsquelle zu finden. Meteorologen können berechnen woher eine solche Wolke kommt. Und wahrscheinlich hat Russland auch ein Eigeninteresse die Fehlerquelle zu lokalisieren.

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  • KometvonHelvetien am 10.10.2017 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig.

    Schon kommen die Russland Fans angestürmt und drehen fast am Rad wieso denn Russland diesmal geblamed wird und nicht der böse böse Amerikaner....