Mythos widerlegt

21. April 2017 15:04; Akt: 21.04.2017 15:04 Print

Salziges Essen macht gar nicht durstig

Nach stark gesalzenem Essen muss man mehr trinken, heisst es. Doch eine Studie zeigt: Das Gegenteil ist der Fall.

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Auf Pommes frites, Nüssli und Laugenbrezel folgt der Griff zum Glas. Der Körper produziert nach salzigen Speisen mehr Urin, um das überschüssige Natriumchlorid wieder auszuschwemmen – weil dafür Flüssigkeit vonnöten ist, signalisiert der Durst. So die gängige Meinung.

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Diese ist jedoch falsch, wie eine im «Journal of Clinical Investigation» publizierte Studie zeigt. Unser Wasserhaushalt funktioniert ganz anders.

Identische Speisepläne

Das internationale Team um Jens M. Titze vom Vanderbilt University Medical Center hat die Annahme, dass Salz durstig macht, im Rahmen einer simulierten Marsmission überprüft – in zwei voneinander unabhängigen Experimenten: eines dauerte 105, das andere 205 Tage.

Bei beiden Experimenten hatten alle Teilnehmer identische Speisepläne. Diese veränderten sich jedoch: Im Laufe der Wochen variierte das Forschungsteam stufenweise den Salzgehalt des Essens. Gleichzeitig protokollierten sie Ernährung und Flüssigkeitshaushalt.

Erst mehr, dann weniger Durst

Dabei zeigte sich, dass mehr Salz im Essen nur sehr kurzfristig Durst macht. Langfristig steigt zwar die Salzkonzentration im Urin, nicht aber die ausgeschiedene Flüssigkeitsmenge, denn die Probanden tranken nach salzhaltigen Speisen auf lange Sicht weniger. Dies offenbar, weil das Salz in den Nieren einen Wasserspar-Mechanismus auslöst, wie es in einer Mitteilung heisst: Während das Wasser in die Niere und in den Körper zurücktransportiert wird, bleibt das Salz im Urin.

Tests mit Mäusen belegten anschliessend, dass der Harnstoff die Substanz ist, die das Wasser zurück in den Körper treibt. Dieser sammelte sich in den Nieren der Nager an und wirkte dort der wasserbindenden Kraft von Natrium und Chlorid entgegen.

Mehr Hunger

Dieser Prozess kostet jedoch viel Energie. Deshalb wunderte es die Forscher nicht, dass die Mäuse, die salziges Futter bekommen hatten, deutlich hungriger waren als ihre salzarm gefütterten Artgenossen. Auch die menschlichen Studienteilnehmer klagten nach hohen Salz-Dosen über Hunger.

Die neuen Erkenntnisse lassen die Rolle des Harnstoffs in neuem Licht erscheinen, schreiben die Forscher: Anders als bislang angenommen, handelt es sich bei ihm nicht um ein reines Abfallprodukt, sondern er erfüllt auch einen Zweck.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Miranda am 21.04.2017 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Fazit: Stimmt doch

    Also ist es doch belegt: Salziges macht durstig. Vielleicht nur kurzfristig, aber dennoch. Jeder, der schon mal versalzenes Essen gegessen hat, weiss wovon ich spreche. In der nächsten Stunde hat man sogar dann noch Durst, wenn der Magen bereits voller Flüssigkeit ist. Der Titel und die Artikel Einleitung sind irreführend.

  • Typhoeus am 21.04.2017 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blitzmerkerstudie

    Komisch, ohne Essen kann ein Mensch noch recht lange leben, ohne Wasser jedoch nicht. Seit Menschengedenken macht Salzgenuss durstig. Daran verdient die Gastronomie am meisten, und das wird wohl weiterhin so bleiben, schlaue Studien hin oder her.

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  • Beobachter am 21.04.2017 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Interessante Studie

    Heisst also, dass Salz hungrig macht und man demnach mehr bzw. zuviel ist und evtl. so zunimmt. Also zu viel Salz ist nicht nur ungesund und wassereinlagernd sondern auch noch ein möglicher Dickmacher.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bauer am 22.04.2017 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alter hut

    Aber das ist doch ein alter hut!!! Darum bekommen masttiere salz zum futtern, damit sie mehr gewicht zulegen.

  • ChriguBern am 22.04.2017 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Sogar Kaffee wird etwas gesalzt

    Noch eine traurige Tatsache: Immer mehr Kaffee-Röster fügen den zu röstenden Bohnen etwas Salz zu. Billig, natürlich, entzieht zu wenig getrockneten Bohnen Restfeuchtigkeit, passt den Geschmack dem veränderten Konsumverhalten an. Perfid: Wird es vor dem Rösten beigefügt, schmeckt man es weniger heraus als wenn man fertigen Kaffee salzt.

  • ChriguBern am 22.04.2017 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Eindrücklicher Praxis-Test mit Salz

    Meine Pfadfinder waren jeweils durch den natürlichen Geschmacksverstärker Salz beeindruckt: Wir machten Schlangenbrot: Die eine Hälfte mit, die andere ohne Salz. Trotz identischer Zutaten wirkte das andere Brot fad und geschmacklos, wurde erst gegessen wenn das salzhaltige Brot weg war. Heute zeigt kaum jemand den Jugendlichen solche Tricks der Nahrungsmittel-Industrie.

  • Boris am 22.04.2017 06:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ganz logisch

    Für die Produktion von Urin braucht der Körper aber Wasser und das Essen das man isst wenn man hungrig ist enthaltet auch Wasser. Zudem wenn ich salziges Essen esse kriege ich eindeutig Durst, Studie hin oder her.

  • selar salt am 21.04.2017 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Gut zum abnehmen

    Also kann man damit auch abnehmen. Benötigt Energie, wenn man diese nicht isst wird der Körpervorrat abgebaut.