Erste Tiere freigesetzt

16. November 2012 06:00; Akt: 16.11.2012 12:40 Print

«Gentech-Insekten wären im Obstbau interessant»

von Claudia Hoffmann - Eine britische Firma hat Gentech-Mücken in der freien Natur getestet. Der Ökologe Wolfgang Nentwig von der Uni Bern zu Gefahren und Nutzen gentechnisch veränderter Insekten.

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Vorläufig noch nicht in der Schweiz: Gentech-Insekt. (Bild: Keystone)

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Herr Nentwig, tummeln sich bald Gentech-Insekten in der Schweiz?
Wolfgang Nentwig: Definitiv nicht in nächster Zeit! Die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen ist bei uns streng geregelt. Eine Firma müsste sehr komplexe Auflagen erfüllen und wäre damit wohl jahrelang beschäftigt. Und: Bisher wurde kein einziger Antrag bei den Behörden gestellt.

Gab es bereits anderswo Freisetzungen?
Ja, aber nur sehr wenige. Die britische Firma Oxitec schreibt auf ihrer Website, dass sie gentechnisch veränderte Insekten bereits in Brasilien, Malaysia und auf den Cayman-Inseln freigesetzt hat. Also alles Länder, in denen die gesetzlichen Regelungen sehr schwammig sind. Das ist aus meiner Sicht unseriös, wenn man auf diesem Wege strenge Auflagen in anderen Ländern umgehen will. Oxitec hat unter anderem auf den Cayman-Inseln gentechnisch veränderte Gelbfieber-Mücken in die Umwelt entlassen, um das von dieser Mückenart übertragene Denguefieber zu bekämpfen.

Wie funktioniert das?
Bei den freigesetzten Mücken handelt es sich um sterile Männchen. Diese können sich zwar weiterhin mit normalen Weibchen paaren, aber ihre Nachkommen sind nicht lebensfähig. Dadurch schrumpft die Mücken-Population. Die Methode der sterilen Männchen ist nicht neu und wird auch bei anderen Insektenarten verwendet. Nur wurden die Männchen bisher nicht gentechnisch, sondern chemisch oder durch Bestrahlung sterilisiert. In Spanien beispielsweise werden sterile Fruchtfliegen millionenfach ausgesetzt, um den Schädling in Obstplantagen zu bekämpfen – mit Erfolg.

Welche Vorteile hat die gentechnische Methode gegenüber der konventionellen?
Mit der konventionellen Behandlung erreicht man keine hundertprozentige Sterilität. Das heisst, ein bis fünf Prozent der Männchen können trotzdem noch gesunde Nachkommen zeugen. Mit Gentechnik sollten hingegen sämtliche Männchen steril sein. Ausserdem will man so vermeiden, dass die Tiere durch die chemische Behandlung geschwächt sind und deshalb weniger lang überleben, sich also nicht mehr paaren können. Es gibt aber bisher keine öffentlich zugänglichen Daten, die belegen würden, dass die gentechnische Methode tatsächlich besser funktioniert.

Kritiker befürchten, dass Rückstände von Gentech-Insekten in der Nahrung gesundheitsschädlich sein könnten.
Ich halte das für sehr unwahrscheinlich. Selbst wenn Rückstände da wären, würden diese beim Verdauungsprozess vollständig abgebaut. Dass Gesundheitsprobleme aufgetreten sind, ist mir nicht bekannt.

Welchen Nutzen könnten Gentech-Insekten der Schweiz bringen?
Ein Einsatz in der Landwirtschaft wäre vielleicht interessant, zum Beispiel von sterilen männlichen Fruchtfliegen im Obstbau. Ich bin aber überzeugt, dass es hierzulande auch in Zukunft keine Anträge auf Freisetzungen geben wird. Die Schweiz ist im Gegensatz zur EU ein viel zu kleiner Markt. Gleichzeitig sind die gesetzlichen Hürden so gross, dass sich eine Investition für Firmen nicht lohnt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RG am 16.11.2012 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Mensch

    Toll, spielen wir Menschen mal mit der Natur herum und verändern mal ein paar Insekten, kann ja nichts passieren. Mal ernsthaft, der Mensch sollte endlich mal begreifen, dass wir ebenso Teile der Natur sind, wie die Tiere und wir gar nicht das Recht dazu haben, an ihr herumzupfuschen und endlich mal versuchen mit der Natur, anstelle von über der Natur zu leben.

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  • Stefan Meister am 16.11.2012 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Leichtsinnige Wissenschaftler

    Es ist schon ziemlich besorgniserregend wie leichtsinnig manche wissenschaftler denken. Oxitec ist eine Firma und damit gewinn orientiert. Sie würden sich höchstwahrscheinlich einen Dreck darum scheren wenn jetzt auf einmal mutationen an ihren gen manipulierten Insekten stattfinden, und z.B, eine resistentere Mückenart hervorkommt. Wie die Australier mit ihren "Cain-Toads", hätte dann die ganze Welt eine Mücken und/oder Fruchtfliegen Plage. Daumen Hoch! Und... wenn jetzt nur ein gebiet davon betroffen wäre, Grosbrittanien wäre es ja nicht...

  • Petros Krähenbühl am 16.11.2012 07:09 Report Diesen Beitrag melden

    Keine "Angst",die kommen von selbst!!!

    Ist ja alles ganz gut und schön - aber was sind die länger fristigen Folgen? Unser Planet ist ein Uhrwerk,wo jedes Rädchen seine Aufgabe hat.Dies hingegen interessiert kaum jemanden,solange es MIR gut geht und die Wirtschaft läuft. Nb: Ob sich diese mutierten Viecher wohl an irgendwelche "Grenzen" halten werden?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roberto am 18.11.2012 05:36 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Gefahr!

    Gentech-Insekten sind eine sehr grosse Gefahr. Stellt Euch vor, nach der Entwicklung von Gentech-Mücken kommen Menschen, die aus jeder Mücke gleich einen Elefanten machen - nicht auszudenken. Elefanten, die mit dem Rüssel stechen können und dabei Menschen tödlich verletzen.

  • Beobachter am 18.11.2012 04:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einflugverbot für EU-Insekten?

    Bei uns sind die gesetzlichen Hürden zu hoch, als dass veränderte Insekten eingeführt werden könnten, wer kontrolliert dann all die Insekten, die täglich als Pendler über die EU-Aussengrenze in unser Land fliegt. He, aufwachen!

  • g.bauer am 17.11.2012 04:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    monsanto lässt grüssen...

    Ökosystem, zum kapern Ahoy! ist doch pfusch und buisness diese offenen feldversuche. garantiert mir jemand dass das nicht ausser kontrolle gerät...

  • RG am 16.11.2012 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Mensch

    Toll, spielen wir Menschen mal mit der Natur herum und verändern mal ein paar Insekten, kann ja nichts passieren. Mal ernsthaft, der Mensch sollte endlich mal begreifen, dass wir ebenso Teile der Natur sind, wie die Tiere und wir gar nicht das Recht dazu haben, an ihr herumzupfuschen und endlich mal versuchen mit der Natur, anstelle von über der Natur zu leben.

    • Tino am 20.11.2012 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kaputte Welt

      Ganz genau!!! Wir Menschen müssen IMMER alles Kaputt machen!

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  • Balerina am 16.11.2012 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Überhaupt nicht gesundheitsschädlich

    Nahrung aus genetisch Veränderten Lebewesen ist nicht gesundheitsschädlich ! Denn in jedem Lebewesen (Pflanzen, Tiere, Pilze) hat es ja DNA. Ausserdem gibt es so oder so in jedem Lebewesen, auch im Menschen, natürliche Mutationen. Ob man die Mutationen durch Gentechnik macht oder ob sie natürlich entstanden sind macht keinen Unterschied !!!

    • Hanfred am 16.11.2012 21:56 Report Diesen Beitrag melden

      Balet oder GVO?

      Es macht aber einen (gewaltigen!) unterschied, ob man artfremdes Genmaterial via "agrobacterium tumefaciens" einschleusst! Ich habe kein Problem mit konv. Zucht via Auskreuzung in Kombination mit Gentechnik. Vor allem ist es unnötig, siehe FAO und co. Es dient v.a. dem "schnellen Geld", da GMO Saatgut jährlich mit (steigendem!) Pestizied- und Düngemittelverbrauch! Genexpression kann hier sinnvoller, und v.a. ist diese reversiebel (ohne Zutun innert 7 Gen. wieder ursprünglich). Wurde von CIBA in 80ern entdeckt...

    • Papa Papillon am 16.11.2012 22:03 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht gesundheitsschädlich? Vielleicht

      Ist das wirklich so einfach? Was hier als "natürliche Mutation" verniedlicht wird, ist ein genetischer. Defekt, eine Verkrüppelung, mit unterschiedlichen Ursachen: Inzucht, Parasiten und die Umweltverschmutzung, die sprichwörtlich unter die Haut geht. Niemand kann garantieren, dass genetisch veränderte Lebewesen langfristig keinen Schaden anrichten.

    • Prima am 17.11.2012 07:19 Report Diesen Beitrag melden

      Dance

      Es ist wohl nicht dasselbe, wenn sich Genmaterial durch natürliche Befruchtung vermischt oder ob im Labor hergestellt wird. Ob die ganze Genmanipulation wirklich so harmlos ist, wie heute gerne behauptet, wird die Zukunft zeigen. Ach ja, vor rund 100 Jahren galt Asbest auch noch als harmlos...

    • Gustaw am 18.11.2012 07:48 Report Diesen Beitrag melden

      Faktor Zeit

      Wie kann man nur so etwas behaupten? Das Labor macht Dinge möglich, welche in der Natur so gar nicht möglich wären. Das ist schon ein Unterschied. Die möglichen Risiken dieser Technik sind heute erst im Ansatz bekannt. Ob Genmanipulation schädliche Wirkung mit sich bringt, oder nicht, kann zum heutigen Zeitpunkt noch gar nicht gesagt werden.

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