Wellcome Image Awards

15. März 2017 20:47; Akt: 15.03.2017 20:47 Print

20 Beispiele, wie schön Wissenschaft sein kann

Jedes Jahr kürt der Wellcome Trust die besten Wissenschaftsbilder aus dem Gesundheitswesen und der Biomedizin. Die Gewinner können sich sehen lassen.

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So farbenfroh wie hier sieht man Zwergtintenfische (Euprymna scolopes) nur selten. Denn die Tiere sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber im Sand. Zudem sind sie winzig. Dieses Exemplar hier ist nur rund 35 Millimeter gross. Trotzdem ist sein Tintenbeutel gut sichtbar. Wird auf Twitter ein Hashtag rege genutzt, beginnt im Hintergrund das grosse Rechnen, wie diese Aufnahme zeigt. Für sie wurden die Daten zu #BreastCancer visualisiert. Die Nutzer sind als Punkte dargestellt, ihre Beziehungen zueinander zeigen die Linien. Die Struktur oben zeigt, dass zwei Accounts besonder häufig erwähnt wurden. Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Arten von Substanzen. Die graue ist für die Verarbeitung von Informationen verantwortlich. Die weisse enthält hauptsächlich Nervenzellfortsätze und sorgt dafür, dass Infos auch zwischen entfernen Bereichen im Gehirn übertragen werden. Ein solcher Weg ist hier dargestellt. Dieses Bild stammt aus der Serie «Stickman – Die vielen Gesichter von Morbus Crohn». Es zeigt ein Alter Ego des Künstlers, selbst Crohn-Patient, und soll die Zerbrechlichkeit der Erkrankten – vor allem nach einem Schub – verdeutlichen. Wetten, dass Sie eine Katze so noch nie gesehen haben? Das Bild zeigt ein Stück Katzenhaut, samt Haaren, Schnurrhaaren (beides gelb) und Blutversorgung (schwarz). Die Probe stammt aus dem viktorianischen Zeitalter, als den Blutgefässen noch der Farbstoff Karmin injiziert wurde, um Kapillaren sichtbar zu machen. Ganz anderer Natur ist diese Aufnahme von zwei Buben im ländlichen Nicaragua. Beide haben ihre Cousins – Arbeiter auf Zuckerrohrfeldern – an eine chronische Nierenkrankheit verloren, deren Ursache noch nicht geklärt ist. Weil er sich schnell vermehrt und wichtige Organe mit dem Menschen gemeinsam hat, ist der Zebrafisch bei Forschern begehrt. Dieses Bild zeigt das Auge eines solchen. Genetiker haben ihm ein fluoriszierendes Gen eingebracht, das bei Aktivierung der Linse rot leuchtet. Die Wirbelsäule ermöglicht uns, zu stehen und uns zu bewegen. Zudem schützt es das Rückenmark, das sich – genauso wie das Gehirn – aus dem sogenannten Neuralrohr bildet. Wie sich ein solches bei einer Maus entwickelt, zeigt diese dreiteilige Aufnahme. Um herauszufinden, was sich im Kopf einer Taube abspielt, wurde dem hier abgebildeten Tier ein neuartiges Kontrastmittel injiziert, das die unter dem Gefieder sitzenden Blutgefässe sichtbar macht. Das komplexe Netzwerk ist für Tauben extrem wichtig, denn es hilft, die Wärme zu regulieren. «Unite for Sight» ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die zum Ziel hat, die weltweite Augengesundheit zu verbessern. Erreicht werden sollen auch jene Menschen, die sich medizinische Eingriffe nicht leisten können. Dieses Bild aus einem indischen Spital zeigt, dass die Hilfe tatsächlich ankommt Tierschützer dürfte dieses Bild freuen: Es zeigt, wie neuronale Stammzellen (magenta) auf einem synthetischen Gel wachsen. Grün dargestellt sind die spriessenden Nervenzellen. Indem sie Organe auf Plastikchips wachsen lassen, hoffen die Forscher, Medikamente künftig ohne Tierversuche testen zu können. Fällt das Lesen schwer, helfen Brillen und Linsen. Hier zu sehen ist ein Iris-Clip, auch bekannt als künstliche Intraokularlinse (IOL). Sie besteht aus Silikon oder Acryl und wird – beispielsweise bei Kurzsichtigkeit – mit zwei Haken direkt auf dem Auge befestigt. So wie es der werdenden Mutter geht, geht es auch dem Nachwuchs. Das drückt dieses Bild aus. Es zeigt Unterschiede in der Entwicklung der Plazenta von Mäusen, die aus der Manipulation des Immunsystems der Mutter hervorgehen kann. So wollen Forscher Komplikationen während der Schwangerschaft besser verstehen und schlussendlich verhindern können. Gestatten: das Auge eines kerngesunden Minischweins respektive ein 3-D-Modell davon, das wiederum auf einer Aufnahme aus dem Computertomographen basiert. Die Delle auf der rechten Seite ist die Pupille. Auch die Blutgefäße, die der Versorgung des Auges dienen, sind gut erkennbar. Rita Levi-Montalcini erhielt 1986 für ihre Entdeckung des Nervenwachstumsfaktors den Nobelpreis für Physiologie und Medizin. Doch der Weg dorthin war steinig: Während Mussolini und Hitler an der Macht waren, musste sie mehrfach fliehen und konnte nur im Verborgenen forschen. Ein weiteres Gemälde stammt aus Schottland, genauer: aus dem Chrysalis-Projekt. In diesem kommen Forscherinnen zusammen, um über Probleme zu reden und sich gegenseitig zu inspirieren. Eines dieser Gespräche hat die Künstlerin Sophie McKay-Knight hier visualisiert. Dieses Bild einer Maus-Netzhaut wurde aus über 400 Einzelbildern zusammengesetzt. Es zeigt die Blutgefässe (blau) und die sogenannten Astrozyten (rot und grün). Bei Letzteren handelt es sich um Spezialzellen des Nervensystems, die beispielsweise Reparaturprozesse des Gehirns und des Rückenmarks nach Verletzungen in Gang bringen. Sieht so die Zukunft der Krebstherapie aus? Möglicherweise, sagen die für dieses Bild verantwortlichen Forscher. Es dokumentiert den erfolgreichen Versuch, sogenannte MicroRNA mithilfe von Hydrogel in Krebszellen zu transportieren: Bei Tests mit Mäusen gingen Brustkrebs-Tumoren innerhalb von zwei Wochen um 90 Prozent zurück. Kunstkenner sehen es sofort: Diese nicht ganz ernst gemeinten Zeichnungen wurden eindeutig von dem niederländischen Maler Hieronymus Bosch inspiriert. Die Idee dahinter: Sie sollen die mitunter von Irrglauben gekennzeichnete Geschichte der Medizin in Erinnerung rufen. Last but not least: die ungewöhnliche Darstellung eines afrikanischen Graupapageis. Wie auch der Taube (Bild 9) wurde dem hier abgebildeten Vogel das neuartige Kontrastmittel «BriteVu» gespritzt, das in diesem Fall nicht nur die Blutgefässe, sondern auch Organe sichtbar macht.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Für Laien kommen wissenschaftliche Aufnahmen oft einem Buch mit sieben Siegeln gleich: Darauf etwas zu erkennen, ist für ungeschulte Augen meist unmöglich. Dass dem nicht so sein muss, zeigen die Preisträger der «Wellcome Image Awards», die alljährlich vom britischen Wellcome Trust (siehe Box) gekürt werden.

Grenzen gibt es dabei so gut wie keine: Fotografien, Illustrationen, hochauflösende Mikroskop-Aufnahmen, medizinische Scans, Zeichnungen – alles ist erlaubt. Es muss nur nachvollziehbar und schön sein.

Wie gut das den diesjährigen Teilnehmern gelungen ist, sehen Sie in der obigen Bildstrecke.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • marko 32 am 15.03.2017 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaft

    Wirklich schön !

  • Puppi am 15.03.2017 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Göttlich!

    Wissenschaft ist in ihrer reinsten Form göttlich. Wie sollte sie da nicht schön sein!

  • Skywalker99 am 15.03.2017 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Science rules

    Die Schönheit der Wissenschaft (auch) manifestiert in Fotos. Danke.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kitten am 16.03.2017 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schön, aber...

    So viele Aufnahmen sind auf Kosten eines Lebewesens gemacht worden. Etwas traurig, dass denkende, fühlende Tiere noch herhalten müssen für unseren Wissensdurst. Hoffentlich sind wir bald ohne Tierexperimente am forschen.

    • Cat am 16.03.2017 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kitten

      Für solche Bilder kann man auch ein natürlich verstorbenes Tier nehmen. Siehe Körperwelten: Da waren auch schon alle vorher tot.

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  • Pack Man am 16.03.2017 00:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschmacksache

    Forschung und Wissenschaft ist wichtig und gut.Wenn dann noch so tolle Bilder dabei rauskommen,sehr gut,zumindest für mich persöhnlich.Mal ganz davon abgesehen habe ich schon blödere Bilder hier in der Fotoschickmalabteilung gesehen!;)

  • Roberto Sibonetti am 15.03.2017 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Geld zum Fenster rausgeschmissen

    Für die Wissenschaft wird zu viel Geld zum Fenster rausgeschmissen. Ich möchte ja nicht wissen, wie viel Geld für diese netten Bildchen geflossen ist.

    • Dr.Kern am 16.03.2017 00:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roberto Sibonetti

      Zum Glück sind nicht alle wie sie. Sonst gebe es den Fauststein wohl noch nicht.

    • Chris am 16.03.2017 12:49 Report Diesen Beitrag melden

      Dr. Kern - leg die rosa Brille weg!

      Dafür gibt es Atomwaffen, Chemie und strahlende Abfälle, die die Meere verseuchen, Kriege allenthalben, Überbevölkerung, Machtmissbrauch, 1., 2. und dritte Welt - gratuliere Dr. Kern, der Mensch hat sich wirklich bewährt.

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  • Puppi am 15.03.2017 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Göttlich!

    Wissenschaft ist in ihrer reinsten Form göttlich. Wie sollte sie da nicht schön sein!

  • Skywalker99 am 15.03.2017 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Science rules

    Die Schönheit der Wissenschaft (auch) manifestiert in Fotos. Danke.