Eindrucksvolles Symbolbild

18. September 2015 19:42; Akt: 19.09.2015 19:35 Print

Die wahre Geschichte des ausgemergelten Eisbären

von Fee Riebeling - Das Foto eines abgemagerten Eisbären ging um die Welt. Kerstin Langenberger hat es aufgenommen. In 20 Minuten erzählt sie, was es damit auf sich hat.

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Wenn hierzulande die Temperaturen steigen, zieht es Naturfotografin Kerstin Langenberger in die Kälte. Seit vier Jahren verbringt sie die Sommer am Nordpolarmeer – um Fotos zu machen, aber auch um als Guide auf Expeditionsschiffen Touristen die Schönheit der arktischen Natur näher zu bringen. Aber an einem Tag im Juli ging dieser Plan nicht auf, wie das von ihr geschossene und weltweit geteilte Eisbären-Foto zeigt.

Frau Langenberger, was ist passiert?
Der 29. Juli war ein nebliger Tag. Doch als wir die Hinlopenstrasse zwischen Nordostland und Spitzbergen passierten, lichteten sich die grauen Schwaden – und weit vor uns tauchte ein Eisbär auf. Er bot einen schrecklichen Anblick, an dem wir alle – Besatzung, Touristen und ich – zu knacken hatten. Er war völlig ausgemergelt. Es war uns allen klar, dass er nicht mehr lange zu leben hatte.

Zurück an Land posteten Sie ein Foto von dem Bär auf Facebook und machten den Klimawandel für seinen Zustand verantwortlich. Eisbär-Forscher Ian Stirling hält das für einen voreiligen Schluss: Das Tier könnte auch einfach alt sein.
Für seine Haltung habe ich Verständnis. Schliesslich müssen Wissenschaftler alles beweisen. Und ich kann ja wirklich nicht mit Sicherheit sagen, dass die Erderwärmung die Ursache ist. Aber ich halte es für sehr wahrscheinlich.

Warum?
Seit vier Jahren sehe ich jeden Sommer etwa 60 bis 80 Eisbären. Und jedes Jahr sehe ich mehr von ihnen in einem schlechten Zustand. Das ist auffällig. Das bestätigen mir auch die Eisbären-Experten, mit denen ich in Kontakt stehe. Ausserdem weist das Exemplar auf meinem Foto keine für Eisbären typischen Alterserscheinungen wie Narben am Kopf oder schütteres Fell auf.

Könnte die von Ihnen beschriebene Häufung an kränklichen Eisbären nicht Zufall sein?
Das denke ich nicht. Ich beobachte viele Veränderungen, die auf den Klimawandel zurückgehen. So sehe ich mit eigenen Augen, wie die Gletscher von einem Jahr zum nächsten immer kleiner werden. Ausserdem verändern sich die Tierpopulationen.

Was heisst das?
Die in der Arktis heimischen und auf die Kälte spezialisierten Tiere werden immer weniger. Dafür werden andere, wie beispielsweise die Papageitaucher, immer mehr. Die sind eigentlich in wärmeren Gefilden zuhause, fühlen sich aber aufgrund der ansteigenden Temperaturen des Nordpolarmeers auch dort wohl. Und sie sind nicht die einzigen: In diesem Jahr habe ich vor Spitzbergen auffällig viele Mal Feuerquallen gesehen. Die waren bisher keine arktische Spezies und sind neu eingewandert. Und sie leben in Konkurrenz zu den Eisbären.

Inwiefern?
Die Eisbären ernähren sich von Robben. Die wiederum fressen Fische, die sich ihrerseits von tierischem Plankton ernähren. Und genau das fressen jetzt auch die Quallen. Damit können sie also indirekt den Fischen, Robben und damit auch den Eisbären das Essen wegnehmen. Ausserdem wird Sommer für Sommer das Packeis kleiner, auf dem die Eisbären jagen, weshalb sie nun vermehrt an Land festsitzen, wo es für sie nichts zu fressen gibt. Deshalb werden sie immer dünner und verhungern vermehrt. Für mich ist der Eisbär auf dem Foto jedenfalls ein eindrucksvolles Symbol für den Klimawandel.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Watermelon am 18.09.2015 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ökosystem

    Enorm spannend über die zusammenhänge in der Natur zu lesen! Wie hochentwickelt und vollkommen diese doch ist! Und wir Menschen haben immer das Gefühl wir seien die Könige der Welt..

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  • Irene am 18.09.2015 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Armer Kerl. Die Eisbären leiden stark: unter der Meeresverschmutzung, Klimawandel und weil sie geschwächt sind, dann wohl auch unter verschiedenen Krankheiten.

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  • szene am 18.09.2015 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    top

    wenn man solche bilder sieht trifft das einem viel mehr als wenn man nur darüber reden würde

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tanzlehrer am 22.09.2015 04:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt jetzt....

    Den Eisbären geht die Nahrung aus, die Arktis schmilzt, es ist furchtbar ich weiss, schon vor 50 Jahren hat man gewusst das die Eisbären bald aussterben werden, ich denke das wird auch passieren, früher oder später, weil das Eis schmilzt und sein Lebensraum kleiner wird. Nätürlich ist an allem der Klimawandel schuld. Und am Klimawandel sind wir Menschen schuld, und wer jetzt was wollen wir dagegen tun, wirklich ? Egal was es wird nichts nützen, solange in den Ballungszentren die Kohlekraftweke und Industrien weiter produzieren können wir Schweizer alles machen und es wird trotzdem wärmer.....

  • Frank Gerber am 21.09.2015 06:13 Report Diesen Beitrag melden

    Freie Energie vs. teure Energie

    Wäre CO2 wirklich für den Klimawandel verantwortlich und würde unsere "Elite" sich tatsächlich darum scheren: warum würden dann wohl sämtliche Patente zur freien Energie (z.B. Thorus-, Raum- oder Magnet-Energie) unterdrückt und deren Erfinder reihenweise verschwinden?

    • DäCapo am 21.09.2015 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Frank Gerber

      Weil die neuen Technologien vielleicht nicht mehr ganz so profitabel wären?

    • Rolf Gysling am 21.09.2015 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Frank Gerber

      Jetzt sind wir aber in der Ufo und Chemtrails Ecke gelandet. Wenn das so einfach und billig wäre hätte irgendjemand diese Perpetuummobiles längst gebaut und verkauft. Diese Verschwörungstheorie hält sich jetzt dann schon fast 100 Jahre.

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  • Aladin Burger am 21.09.2015 05:05 Report Diesen Beitrag melden

    Aufklärung

    Einmal mehr, und man kann es nicht genug oft erwähnen: Die Ursache aller Probleme ist der Mensch. Wer heute noch ein Kind auf die Welt stellt, muss ein schlechtes Gewissen haben. Gegenüber dem Kind wie auch dem Rest der Welt. Hier sind die Frauen und ihr Trieb nach dem Kinderkriegen gefragt. Auch der Verzicht auf Kinder ist ein Punkt der Emanzipation, den die Frauen befolgen sollen.

  • RMR am 20.09.2015 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quo vadis Erde?

    Da sehen wir die Auswirkungen unserer egoistischen Gesellschaft. Wenn wir weiterhin an dieser umweltfeindlichen Politik festhalten, wird es bald auch die Menschheit treffen. Wir müssen endlich weitsichtiger werden. Im Oktober haben wir die Wahl für eine Wende. Andere europäische Länder sind in der Umweltpolitik bereits bedeutend weiter!

    • Markus Rhinow am 20.09.2015 22:32 Report Diesen Beitrag melden

      Quo vadis Erde?

      Endlich jemand aus diesem Forum, der mir aus dem Herzen spricht, und es genauso sieht wie ich. Daher sollten wir im Oktober vor allen Dingen die Grünen wählen.

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  • Louis am 20.09.2015 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel

    Der böse Klimawandel ! Und ich hätte so gerne beim Sonntagsspaziergang ein Mammut gesehen. Aber der Mensch macht alles kaputt.