Umstrittenes Pestizid

25. Oktober 2017 13:10; Akt: 29.10.2017 08:41 Print

Fünfmal mehr Glyphosat in menschlichem Urin

Das Pflanzenschutzmittel ist höchst umstritten. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Nun zeigt eine US-Studie, wie allgegenwärtig der Stoff ist.

Bildstrecke im Grossformat »
Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat geraten über die damit behandelten Lebensmittel auch in den menschlichen Körper – und zwar immer mehr, wie US-Forscher herausfanden. Die Wissenschaftler hatten dafür die Urinproben von 100 US-Amerikanern aus den Zeiträumen 1993 bis 1996 und 2014 bis 2016 miteinander verglichen. Dabei zeigte sich, dass der Anteil von Glyphosat und eines seiner Stoffwechselprodukte deutlich – teilweise über 500 Prozent – zugelegt hat. Welche Produkte aus dem Bereich Obst und Gemüse besonders belastet sind, zeigt Auf den folgenden Bildern erfahren Sie, welche Frucht- und Gemüsesorten laut Studie am stärksten belastet sind. Schlusslicht des Rankings bildet Mais auf Platz 51. Das heisst: Von allen untersuchten Sorten war hier die Pestizid-Belastung am geringsten. Etwas schlechter schliesst die Avocado ab. Sie setzten die Forscher auf Platz 50. Auf Platz 49 taucht die Ananas auf, ... ... auf Platz 48 landete eine Vielzahl Kohlsorten. Auch Zwiebeln sollten nicht bedenkenlos konsumiert werden. Sie schafften es wegen ihrer Belastung auf Platz 47. Auch Erbsen sollten besser regional gekauft werden. Denn als Tiefkühlware schafften sie es nur auf Platz 46. Doch es geht noch schlechter: In der Studie belegen Papayas den 45. Platz, ... ... Spargeln den 44. und ... ... Mangos den 43. Platz 42 geht an Auberginen. Als noch schlechter werteten die Experten die Pestizidbelastung von Kiwis ein. Das bescherte ihnen den 40. Platz. Melonen der Art Cantalouple landeten mit ihrer Pestizidbelastung auf Platz 39, ... ... Blumenkohle auf dem 38. und ... ... Grapefruits auf dem 37. Platz. Platz 36 beansprucht der noch etwas stärker belastete Broccoli für sich, ... ... Süsskartoffeln den 35. Pilze platzierten die Forscher auf dem 34. Rang. Für Wassermelonen gab es Platz 33, ... ... für Frühlingszwiebeln Platz 32. Bananen belegen in der Liste den 31., ... ... Zuckererbsen aus den USA den 30. und ... ... importierte grüne Bohnen den 29. Platz. Sommerkürbisse, zu denen auch Zucchetti zählen, belegen Rang 28, ... ... Orangen Rang 27 und ... ... Winterkürbisse den 26. Platz. Rüebli ordneten die Experten auf Platz 25 ein. Noch schlechter steht es um die Pestizidbelastung von Himbeeren. Sie befinden sich auf Platz 24. Mandarinen belegen Platz 23, ... ... Pflaumen landeten auf Platz 22. Anders als die aus anderen Ländern importierten grünen Bohnen (Platz 29) sortierten die Experten das aus den USA stammende Pendant auf Platz 21 ein. Auch bei Heidelbeeren hängt die Pestizidbelastung von der Herkunft der Beeren ab: Die aus dem Ausland stammenden belegen Platz 20. Werden Kohlblätter einzeln verkauft, rangieren sie auf Rang 19. Peperoncini landeten in der Erhebung auf dem 18. Platz. Die aus den USA stammenden Heidelbeeren schafften es auf Platz 17. Damit enthalten sie mehr Pestizide als importierte Blaubeeren (Platz 20). Während Zuckererbsen aus den USA in der Studie auf Platz 30 rangieren, befinden sich importierte Knackerbsen auf Platz 16. In ihnen fanden die amerikanischen Forscher demnach etwas mehr Pestizide. Kopfsalate belegen Platz 15, ... ... Cherrytomaten Platz 14 und ... ... Salatgurken Platz 13. Kartoffeln landeten in der Untersuchung auf Rang 12. Damit eröffnen sie das Feld der am stärksten belasteten Lebensmittel, von den Forschern auch «Dirty Dozen» («Dreckiges Dutzend») genannt. Ebenfalls alles andere als frei von Pestiziden sind Peperoni. Damit sicherten sie sich Rang 11. Auf Platz 10 sind Tomaten zu finden, ... ... auf Platz 9 Sellerie. Noch höher war die Belastung bei Trauben (Platz 8) und ... ... Kirschen (Platz 7). Noch schlimmer steht es um Birnen. Sie belegen Platz 6. Pfirsiche zählen bereits zu den Top 5 der am stärksten belasteten Früchte- und Gemüsesorten: Platz 5. Auch Äpfel sollten sorgsam ausgewählt werden. Sie schafften es im Ranking auf Platz 4. Ähnlich sieht es bei Nektarinen aus. Sie landeten auf Platz 3. Platz 2 gab es für Spinat. Am meisten Pestizidrückstände identifizierten die Experten bei Erdbeeren. Von den über 35'000 untersuchten waren 70 Prozent belastet.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Problem bei Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat ist: Sie wirken nicht nur gegen Schädlinge und Krankheiten – ihre eigentlichen Ziele –, sondern geraten auch mit anderen Organismen in Kontakt, belasten Böden und Gewässer und finden sich schliesslich auch in unseren Lebensmitteln wieder (siehe Box 2).

Umfrage
Sollte Glyphosat verboten werden?

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man auch im menschlichen Körper und seinen Ausscheidungsprodukten Glyphosat nachweisen kann. Bereits 2016 berichtete die Heinrich-Böll-Stiftung, 75 Prozent der Deutschen seien deutlich mit Glyphosat belastet.

Nun zeigt eine Studie im «Journal of the American Medical Association»: Die Belastung nimmt in Ländern wie den USA, in denen das Mittel flächendeckend eingesetzt wird, weiter zu.

Daten sprechen deutliche Sprache

Das Team um Paul J. Mills von der University of California in San Diego hatte für die Arbeit die Urinproben von 100 US-Amerikanern aus den Zeiträumen 1993 bis 1996 und 2014 bis 2016 miteinander verglichen.

Dabei zeigte sich, dass der Anteil von Glyphosat und eines seiner Stoffwechselprodukte deutlich zugelegt hat. Die Belastung sei im Untersuchungszeitraum um rund 500 Prozent gestiegen, so die Forscher. Zwar befänden sich die Werte im Mikrogrammbereich, aber die steigende Dosis sei trotzdem bedenklich.

Vor allem, da immer noch unklar ist, was Glyphosat im menschlichen Körper anstellt. Tierstudien haben aber den Verdacht erregt, das Mittel könnte erbgutschädigend sein. Seit 2015 wird es von der WHO-Behörde International Agency for Research on Cancer als «wahrscheinlich krebserregend für den Menschen» geführt.

Unentschlossene Politik

Vor diesem Hintergrund wird dieser Tage von den EU-Mitgliedsstaaten über eine Zulassungsverlängerung diskutiert. Ursprünglich hatte die EU-Kommission geplant, die Zulassung des Mittels um weitere zehn Jahre zu verlängern. Doch am Dienstag ist sie davon abgerückt: Neu strebt die Behörde eine Verlängerung von lediglich fünf bis sieben Jahren an.

Wie das Ganze ausgeht, steht noch in den Sternen. Die EU gab am Mittwoch bekannt, die Entscheidung über die Zukunft des Glyphosat noch einmal verschoben zu haben. Konkret teilte die EU-Kommission mit, dass im zuständigen Fachausschuss «keine Abstimmung» zu der Frage stattgefunden habe. Die Behörde kündigte an, in Kürze einen Termin für ein weiteres Treffen bekannt zu geben.

Entschlossener zeigen sich da die Franzosen: Die Regierung hat Ende September angekündigt, den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat im Alleingang für die kommenden fünf Jahre komplett zu verbieten.

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Raphi93 am 25.10.2017 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheindemokratie

    Solange die Pharmalobbysten im Parlament sitzen, wird sich nichts ändern...

  • Frage am 25.10.2017 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiss jemand Rat?

    Wieso vergiften uns unsere Politiker? Was können wir dagegen tun?

    einklappen einklappen
  • BRUMMLI am 25.10.2017 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesünder

    Und dann wird man immer noch belächelt und als etwas seltsam angeschaut wenn man auf Selbstversorger macht. Also mein Gemüse hat weder Glyphosat noch sonnst irgendwelche Chemie drinn. Und es schmeckt trotzdem wunderbar

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • 807687 am 30.10.2017 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    In Bio-Produkten ist G: verboten

    ...und so kann man den Produzenten die rote Karte zeigen, indem man saisonal regional bio, am besten Demeter einkauft. Unsere Regierung ist ja nicht fähig und willens, G. zu verbieten, obwohl es auch einen guten Anteil am Insektensterben hat. Alles, was für die breite Masse verbessert werden muss, muss daher von der Basis her kommen. Die Macht des Konsumenten ist fast grenzenlos - so er sie denn nutzt.

  • Banki am 30.10.2017 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Sarkastisch

    Logisch. Irgendwie müssen wir ja frührer sterben. Ansonsten kommen die Banker nicht an das Pensionskassengeld

  • DD am 27.10.2017 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Absolute Sauerei

    Für was haben wir eigentlich soviel kontrollorgane, wenn die ihre Arbeit nicht recht machen? Brauchts echt noch Kontrollöre die unsere Kontrollöre kontrollieren? Was anderes als die Schutzwerte anzupassen haben die wohl nicht auf lager... also wer ist nun verantwortlich für diesen riesen skandal? Ich hab keine lust vergiftetes Essen zu mir zu nehmen!!! Da muss gehandelt werden, und zwar schon gestern und nicht erst morgen!

    • 807687 am 30.10.2017 17:44 Report Diesen Beitrag melden

      Kennst Du den Spruch...

      Wo viele kleine Leute viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern. Wir können von oben nichts erwarten, die Regierung wurde längst an die Konzerne und Banken verkauft. Also muss es von der Basis kommen. Du hast die Macht, nur noch Bio-Lebensmittel zu kaufen, denn in denen hat es kein Glyphosat. Wenn das alle tun würden, wäre bald Schluss mit Chemie auf unseren Feldern.

    einklappen einklappen
  • Katinka am 27.10.2017 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist schlimmer

    Schaut Euch den Film " roundup-der Prozess" an auf arte-TV und googeln. Es sind auch andere Dokus zum Thema im Netz. Es nicht das Krebsrisiko sondern andere Wirkungen von glyphosat die es absolut verwerflich machen!

    • Bill am 27.10.2017 12:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Katinka

      Welche Wirkungen z.B.? In Dokus werden vielfach einseitige und verzerrte Bilder der Realität gezeichnet. Gute Dokus zeichnen sich dadurch aus, dass Sie quellverweise auf wissenschaftliche Primärliteratur enthalten. Ich für meinen Teil überspringe lieber das Mittelsmedium "Doku" (welches all zu oft als Propagandawerkzeug missbraucht wird), lese aber liebend gern die zugrundeliegende Primärliteratur, sofern vorhanden.

    • Katinka am 29.10.2017 00:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Bill

      Haben Sie den Film gesehen und gut hingeschaut? Glyphosat ist ein Kolloidbildner, heisst, es bindet Mengen- und Spurenelemente an sich und hält sie im Boden fest. Die Pflanzen die auf einem "abgespritzten" Boden wachsen, können die Nährstoffe nicht aufnehmen und somit stehen diese auch im Futter nicht zur Verfügung. Siehe auch den Dänischen Schweinezüchter gegen Ende des Filmes. Glyph. ist auch als Antibiotikum eingesetzt worden oder wird noch: wie war das jetzt noch einmal mit übermässigem Einsatz von Antibiotika? Schon in der Nahrung von Milch-und Fleischlieferanten vorhanden, Grossartig?

    • Bill am 29.10.2017 09:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Katinka

      Habe ich nicht. Wie gesagt, ich überspringe lieber die ideologisch vorbelasteten Dokus und stürze mich auf wissenschaftliche Studien. Ihre Behauptung bezgl. Bindung von Spurenelementen wäre nämlich so ein Punkt, den ich sicher nicht einfach blind glauben würde, nur weil es in einer Doku erzählt wird. Und siehe da: Die wissenschaftliche Fachliteratur spricht eine andere Sprache. Man lese "Glyphosate Effects on Plant Mineral Nutrition, Crop Rhizosphere Microbiota, and Plant Disease in Glyphosate-Resistant Crops", abschnitt "Effects of Glyphosate on Mineral Content of Soils".

    • Katinka am 29.10.2017 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      ARTE-TV

      Ok, ich habe meine Aufgaben gemacht und den Abschnitt gelesen. Die Verfasser der Studie sind alle im Agro-Business tätig (und sprechen übrigens auch im bösen Film) und werden sich kaum ins eigene Fleisch schneiden. Tatsache ist, dass Glyph. ursprünglich als Chelatbildner patentiert wurde ( falsches Wort oben). Studien können übrigens auch als Propaganda missbraucht werden. Ende

    • Bill am 29.10.2017 15:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Katinka - Ad Hominem

      Selbst wenn die Verfasser im Agro-Business tätig wären (wofür ich keine Anhaltspunkte finden konnte) sagt das alleine ja noch nichts über die Stichhaltigkeit der Resultate aus. Wenn die Studie methodologische Fehler hat könnte man diese aufzeigen, unabhängig davon wer sie durchgeführt oder finanziert hat. Da Sie das nicht tun und stattdessen die Verfasser direkt angreiffen nehme ich an, dass es an den Resultaten nichts auszusetzen gibt? Ja, Studien kann man auch als Propagandawerkzeug missbrauchen. Dafür muss man aber ganz andere Hürden überwinden als bei einem Filmchen.

    einklappen einklappen
  • aufhören mit heucheln am 26.10.2017 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Es ist Realität, wir verschmutzen unser Wasser mit fragwürdigen Stoffen. wir alle tun das.. müssen das tun, auf die eine oder andere Weise..Mikroplastik verschiedener Art, hormonaktive Substanzen (z.b. PET)..etc etc.. Wir fliegen mit Flugzeugen um die Welt, diese Rückstände sind wenig gesundheitsfördernd und überhaupt nicht erforscht (Böden? Kleinlebewesen) Wir brauchen Medikamente im Übermass, wie diese bei Fische und Vögel wirken? Die hormonelle Verhütung wird weltweit runtergespült etc.. Herstellung der Geräte, Strom Kleider schwer belastet. Willkommen in der Realität. So ist es, Punkt.