Neu-Delhi

27. November 2014 11:13; Akt: 27.11.2014 11:13 Print

Dreckigste Stadt der Welt ist dreckiger als gedacht

von Katy Daigle, AP - In einer Rikscha sitzend misst ein Forscher die Luftverschmutzung Neu-Delhis. Die Ergebnisse alarmieren. Denn die Belastung ist weit höher als bislang angenommen.

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Eine Rikscha schleicht durch die verstopften Strassen von Indiens Metropole Neu-Delhi. Auf dem Rücksitz: ein Forscher und Geräte zur Messung der Luftverschmutzung. Ein ziemlich mitgenommener Töff fährt vorbei und bläst eine schwarze Rauchwolke aus – eines der Messgeräte schlägt aus.

Joshua Apte hat alarmierende Funde gemacht für jeden, der Zeit auf oder in der Nähe der Strassen der 25-Millionen-Stadt verbringt. Seine Zahlen sind noch weit schlimmer als diejenigen, die die Weltgesundheitsorganisation WHO dazu gebracht haben, Neu-Delhi als die am schlimmsten verschmutzte Stadt der Welt einzustufen.

Acht Mal höher

Das Ergebnis der Messungen von Apte und seinem Forschungsteam von der Universität Berkeley und vom Institut für Technologie sind beängstigend: Die durchschnittliche Verschmutzung war bis zu acht Mal so hoch wie die bisherigen Zahlen.

«Und man muss sich in Erinnerung rufen, dass die Konzentrationen an den Stellen, wo die offiziellen Messgeräte stehen, schon sehr hoch sind», sagt er. Es handle sich nach seiner Aussage um die höchsten Level von Luftverschmutzung, die weltweit in Fahrzeugen gemessen wurden.

Dieser Punkt ist besonders wichtig. Etwa die Hälfte der Menschen leben im Umkreis von 300 Metern um eine grosse Strasse. Die Stadt hat ihre Messgeräte jedoch weit entfernt von primären Verschmutzungsquellen wie Schnellstrassen oder Fabriken platziert – damit nicht eine einzelne Quelle die Zahlen nach oben treibt, sondern ein Durchschnittswert von allen Emittenten ermittelt wird. «Aber dort verbringt kein Mensch viel Zeit», sagt Apte. Im Strassenverkehr seien es zwei oder drei Stunden pro Tag.

Erste Massnahmen

Der indische Premierminister Narendra Modi hat begonnen, die Attraktivität von Dieselfahrzeugen zu reduzieren, die zu den grössten fahrbaren Dreckschleudern im Land zählen. Die Preise wurden erhöht und Subventionen gestrichen. Doch solange Indien nicht die Standards für die Reinheit von Treibstoffen auf internationale Normen erhöht, wird dieser Schritt nach Einschätzung von Experten ohne Wirkung bleiben.

Apte wollte mit seinen Forschungen die grossen Unterschiede zwischen den offiziellen Zahlen und den tatsächlichen Belastungen für die Menschen deutlich machen. Um Daten zu sammeln, liess er sich zweimal täglich während des Berufsverkehrs vom Stadtzentrum in einen Vorort im Südosten fahren. Dabei nutzte er das typische Fortbewegungsmittel vieler Inder: eine offene Rikscha, in der er die schlechte Luft am eigenen Leib spürte: Nach einem Viertel der Fahrten hatte er Husten.

Zeit zu handeln

Umweltberater Ajay Ojha, der in Pune bei Mumbai arbeitet, sagt, es sei noch ein langer Weg, bis die Politiker die Risiken der Luftverschmutzung verstanden hätten und wüssten, was sie dagegen tun müssten. Sie seien sich zudem nicht einig, was die schlimmste Quelle der Luftverschmutzung ist. Neben dem Autoverkehr werden auch Industrie und Kraftwerke, die Müllverbrennung und die vielen kleinen Unternehmen wie Ziegelbrennereien verantwortlich gemacht.

Für Apte ist klar, dass es eine Menge Wege gibt, die Luft sauberer zu machen. Die gute Nachricht sei, dass es viele wirklich leicht umzusetzender Mittel gebe, die man ins Visier nehmen könnte. Er verweist darauf, dass man in den USA und in Europa auch erst angefangen habe, sich für die Sauberkeit ihrer Luft zu interessieren, nachdem die Einkommen gestiegen seien und die Menschen Änderungen gefordert hätten. «Ich bin überzeugt, dass wir in Indien das Gleiche erleben werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman Berger am 27.11.2014 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Reise

    Wo ist jetzt der Weltverbesserer Bastien Girod ? Wenn Sie was bewegen wollen, ab nach Indien oder China. Die Schweiz mit ihrem 0.01% Anteil am von menschenhand verursachten CO2-Austoss ist nicht relevant. Abgelaufene Joghurts, ein anderes brennendes Thema der Grünen, sind wohl doch nicht so extrem schlimm. In dem Sinn, liebe Grüne, ab aufs Öko-Velo und ab nach Indien.

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  • Stop Globalisation! am 27.11.2014 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Globalisierung

    das ist der Preis der Billig-Produktion! Überlegt es Euch, wenn Ihr von einer Firma etwas kauft, welche die Abwicklung / Produktion / Call Center im Osten / Asien hat! Langfristig werden diese Metropolen den Preis bezahlen! Und wir dann entsprechend auch...

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  • Anonym am 27.11.2014 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Der einzige weg gegen umweltverschmutzung, ist der, gegen die Menschheit...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • March Simpson am 27.11.2014 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es geht auch anders

    712,4 km2 / 5'312'400 Einwohner kein Chaos und super Lebensqualität - Singapore

  • ManOfMars am 27.11.2014 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angstmacherei

    An alle Leichtgläubigen, die glauben, die Schweiz wird bald so aussehen, wie Neu Dehli: Das ist pure Angstmacherei und Ausnutzung von Naivität!! Neu Dehli hat eine Bevölkerungsdichte von knapp 6000 Menschen/km^2. Die Schweiz eine Dichte von knapp 200 Menschen/km^2. Die Fläche der Schweiz beträgt 42'000 Km^2! Das heisst pro Jahr wird die Bevölkerungsdichte um etwas mehr als 2 Personen/km^2 steigen - auf Grund von Einwanderung! Das heisst, dass nach knapp 50 Jahren die Schweiz bei 300 Menschen/km^2 angelangt ist!! Weitergerechnet heisst das, dass es ca. 2'000-2'500 Jahre braucht, bis bei uns derartige Zustände herrschen würden!! Nutzt bitte den gesunden Menschenverstand - ich glaube, dass den jeder von euch hat :-) - und lasst euch nicht von dieser Angstmache beeinflussen. Oder in anderem Zahlen ausgedrückt heisst das auch, dass mehr als 200'000'000 Menschen in der Schweiz leben müssten, bis es ähnlich aussähe, wie in Neu Dehli. Also Bitte!!

    • Constantine am 27.11.2014 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wachstum

      Wahren sie schon in Indien? bei einer Stadtrundfahrt durch Mumbai trug ich ein Weißes Hemd, das danach nie mehr Weiß wurde, und wir machen uns sorgen wegen Passivrauchen. Ich würde jedem Wachstums gläubigen mal eine Reise empfehlen. Den wen die Ressourcen noch knapper werden wir uns aber gleichzeitig das recht nehmen die Erde mit Menschen zu über fluten haben wir auch bei uns bald sogar noch schlimmere Zustände. Die Menschen in Indien haben gelernt wie mit der Situation umzugehen ist und es klappt mit nur halb soviel Gesetzen besser als anderswoh. Uns hingegen wird es eines Tages kalt erwischen.

    • Dani B. am 27.11.2014 16:55 Report Diesen Beitrag melden

      Mir fehlt der Verstand oft

      Ich war nie da, aber ich denke Neu Delhi ist eine Stadt, so mit Gebäuden und Strassen dazwischen. In der Schweiz gibt es Seen, Naturpärke, Acker- & Weideland, Ewiges Eis usw auf 42 000qkm. Mensch pro fläche lässt sich so nicht vergleichen.

    • ManOfMars am 27.11.2014 17:45 Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      @Constantine: Sie sagen, wenn wir uns das Recht nehmen, die Erde mit Menschen zu überfluten... Nun ja, wenn wir die Ecopop annehmen, wird die Erde genau gleich weiterhin überflutet mit Menschen - man versucht bloss ein Problem unter den Teppich zu wischen! Denn das Wachstum wird bleiben - Zuwanderung hin oder her! Und am Ende bringt es uns nichts, wenn wir die Einzigen sind, die ein bisschen mehr Grünfläch da und dort haben - die Erde wird auch so am Ende sein. Denn denken sie daran, es ist alles miteinander zusammenhängend und vernetzt!

    • ManOfMars am 27.11.2014 17:47 Report Diesen Beitrag melden

      Noch was

      Und noch was (Irgendwie ist mir der Platz ausgegangen und ich konnte nicht weiterschreiben): Meine Meinung ist, dass wir unsere Energie in bessere Lösungen investieren sollten, als in die Umsetzung einer Initiative, die bloss vom Schein lebt und uns ziemlich viele schlechte Konsequenzen bringt!!

    • ManOfMars am 27.11.2014 17:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Dani B.

      @Dani B. Ist mir klar, dass nicht alle 42'ooo km^2 verbaut werden können, und dass dementsprechend früher dieser Zustand erreicht wird - ich wollte die Rechnung nur einfach halten! Vielleicht sind es bloss 25'000 km^2, die man verbauen kann - wer weiss. Aber meine Botschaft bleibt die Gleiche! Bis wir tatsächlich so fest überbaut sind, wie die Initiative suggeriert, wird extrem viel Zeit noch vergehen. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass das nicht in 20-50 Jahren sein wird, wie es die Befürworter sagen. Bis dahin kann so viel passieren! (Für weitere Auführungen leider zu wenig Platz)

    • Constantine am 27.11.2014 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Man of Mars

      Naja den Mars habt ihr schon zerstört und sonst haben sie ja leicht reden sie können ja wider zurück. Nein im ernst es geht hier lediglich um einen ersten Schritt ihn eine andere Richtung ich meine alleine schon das man sogar kritisch über Wachstum spricht ist für mich schon ein kleiner Erfolg. Die Idee ist als Vorbild zu fungieren und den Prozess der Nachhaltigkeit aus dem Status - Heisse Luft - vorwärts zu treiben, den es gibt positive Leute die finden es ist noch nicht zu spät aber wir sind zu viele, im Gegensatz zu ihrem negativen sowieso Desaster. Außerdem- lese Tipp- Agenda 21, da wird man nicht mal mitreden können.

    • ManOfMars am 27.11.2014 18:40 Report Diesen Beitrag melden

      Naja ;-)

      @Constantine: Naja, ich denke, die Diskussion zu starten war richtig! Ich spreche von keinem Desaster. Ich sehe das schon etwas gelassener ;-) Aber ich finde, man sollte sich nun wirklich auf einen besseren Lösungsansatz konzentrieren. Denn mit all den negativen Folgen von Ecopop, geht zu viel Zeit/Energie flöten, da wir uns zuerst darum kümmern müssen ;-) Naja, im Endeffekt hat sowieso jeder seine Meinung, ist ja recht so. War bloss ein Versuch, meine euch etwas näher zu bringen, wobei ich natürlich noch mehr darüber denke als das, was ich hier genannt habe.

    • Dani B. am 27.11.2014 21:50 Report Diesen Beitrag melden

      @ManOfMars

      Sie reden von einer Initiative. Achso. In der Schweiz haben wir eine Fertilität von 1.52. Wir brauchen Zuwanderung. Willkommen!

    • Tommy am 28.11.2014 04:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Constatine

      1) Sie haben wohl nicht verstanden was ManofMars gemeint hat: Nämlich dass es bei uns in den nächsten Jahren keine annähernd vergleichbare Bevölkerungsdichte geben wird, selbst wenn wir Immigration noch fördern würden nicht. 2) Wenn tatsächlich ihr Hemd sich verfärbt hat auf der Standrundfahrt, dann hat das jedenfalls nichts mit Feinstaub zu tun. Ich studiere seit 3 Monaten in Peking was auch eine der dreckigsten Städte ist, und sowas wie verfärbte Kleider hab ich noch nie gesehen oder gehört.

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  • daniel javet am 27.11.2014 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weltverbesserer

    ohne diese "weltverbesserer" wäre heute ie luft bei uns in der Schweiz und in europa sehr viel schlechter. Sie sind es, die die massnahmen dafür trotz vieler Widerstände, unter anderem der wirtschaft und nicht sehr weit denkende Menschen, erreicht haben

  • malu am 27.11.2014 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ecopop JA

    Aber motzen gegen Ecopop. Solche Zustände wollen wir hier einfach nicht

    • Spiderman am 27.11.2014 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      Es ist schlicht komplett naiv, zu glauben, dass es bei uns (bald) so aussehen wird. Das ist reine Panikmache! Und falls es so weit kommen soll, kommt es auch ohne Ecopop so weit!! Dauert dann einfach ein paar Jahre mehr.

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  • Nicki am 27.11.2014 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben es selber in der Hand

    und können steuern in welche Richtung wir wollen. Neu Delhi, Neu York, oder Neu Chatel? ;)

    • malu am 27.11.2014 13:30 Report Diesen Beitrag melden

      Neu Delhi, Neu Y.....

      Alles klar, nächsten Sonntag Ecopop JA

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