Uralte Methode

10. April 2012 21:59; Akt: 11.04.2012 03:05 Print

So kann der Regenwald gerettet werden

Südamerikanische Bauern bauten ihr Getreide vor 800 Jahren auf künstlichen Hügeln an, wie Forscher kürzlich herausfanden. Das schont Boden und Gewässer – und könnte den Amazonas retten.

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In den letzten Jahrzehnten sind in Brasilien bereits rund 20 Prozent der Regenwaldfläche für immer vernichtet worden. (Quelle:WWF)

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Abholzung und Brandrodung lassen den Amazonas-Regenwald immer stärker schwinden. Die grünen Lungen unseres Planeten, die fürs Weltklima eine wichtige Rolle spielen, müssen Platz machen für industrielle Landwirtschaft und Viehzucht. Dabei gäbe es eine nachhaltige Alternative. Diese kommt aus der tiefen Vergangenheit: Von den Bauern, die das Land vor 800 Jahren kultivierten.

Die Ureinwohner der Savanne am Rande des Amazonas kannten Anbaumethoden, die den Boden schonten und das Farmland fruchtbarer machten. Sie bauten künstliche Hügel, die sie mit einfachen Holzwerkzeugen aufschütteten. Auf diesen erhöhten Feldern konnte das Wasser besser abfliessen, der Boden wurde besser mit Sauerstoff versorgt und konnte die Feuchtigkeit behalten: Ideale Voraussetzungen für ein Gebiet, das sowohl Dürre und Überschwemmungen ausgesetzt ist. Die erhöhten Felder waren zudem fruchtbarer, da immer wieder neue Moorerde aus überfluteten Becken aufgeschüttet wurde.

Landwirtschaft bevor die Europäer kamen

Ein internationales Team um Mitchell Power vom Garett Herbarium im Naturhistorischen Museum in Utah veröffentlichte im Fachmagazin «PNAS» eine Studie zur uralten Anbaumethode mit welcher der tropische Wald auch heute noch nachhaltig genutzt werden und erhalten bleiben könnte. Die Forscher zeigten erstmals auf, wie das Land der Savanne auf dem Gebiet von Französisch Guayana genutzt wurde, bevor 1492 die ersten Europäer ankamen.

Lange wurde angenommen, dass indigene Völker Feuer legten, um die Fläche für ihre Felder klar zu machen. Die Studie widerspricht dieser Theorie. Die Bauern vor 800 Jahren fackelten die Landschaft nicht ab, sondern bearbeiteten sie mit ihrer Aufschütt-Methode, wodurch die Bodennährstoffe erhalten blieben. Mit der Ankunft der Europäer nahm die Anzahl der Brandrodungen drastisch zu. Nachdem rund 95 Prozent der indigenen Bevölkerung Krankheiten der Siedler zum Opfer gefallen waren, wurden keine erhöhten Felder mehr gebaut.

Fruchtbarer Boden für arme Landbevölkerung

Wie die Forscher schreiben, könnte eine Wiederaufnahme dieser Anbaumethode eine Alternative zum Niederbrennen der tropischen Wälder sein. Zwar ist sie aufwändiger, jedoch könnten dadurch verlassene wie auch neue Ökosysteme in der Savanne zurückerobert werden, die durch die Abholzung entstanden sind. Diese erhöhten Anbaugebiete würden so wieder fruchtbaren Boden bieten und der armen, ländlichen Bevölkerung Nahrung garantieren, so der Hauptautor der Studie, José Iriarte von der University of Exeter.

(fvo)