Resistente Erreger

15. November 2016 21:53; Akt: 15.11.2016 21:53 Print

Warum Sie Flughafen-WCs besser meiden sollten

Superkeime breiten sich stark aus. Dazu tragen all jene bei, die auf Flughäfen die Toiletten aufsuchen, bevor sie eine Flugreise antreten.

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Blase leer, Keim aufgelesen: Diese Gefahr besteht auf Flughafen-Toiletten wirklich. Das geht aus einer Studie von deutschen Forschern hervor, ... ... in der sie Abstriche der inneren Türgriffe von 400 Toilettenkabinen auf 136 Flughäfen in 59 Ländern genommen und analysiert haben. Anschliessende Genanalysen der Proben zeigten, dass die WC-Türfallen mit einer Vielzahl von Krankheitserregern besiedelt waren. Besonders häufig - in jeder zwanzigsten Probe (5,5 Prozent) - fanden die Forscher Staphylococcus aureus vor, ein Bakterium, das in seiner resistenten Form MRSA ein gefürchteter Spitalkeim ist. Am zweit häufigsten war Stenotrophomonas maltophilia (2 Prozent), ein Keim der eigentlich selten ist, aber schwer behandelbare Infekte auslösen kann. An dritter Stelle folgte Acinetobacter baumannii (1,3 Prozent), ein ebenfalls gefürchteter Spitalkeim, der gegen viele Antibiotika Resistenzen gebildet hat. Die Funde bestätigen die Annahme, dass Flugpassagiere solche Superkeime von Fernreisen in ihr Heimatland mitbringen können. Auf den Toiletten des Flughafens Paris-Charles-de-Gaulle entdeckten die Mikrobiologen einen MRSA-Keim, der höchst unwahrscheinlich für diese Region ist. (Im Bild: Herrentoiletten auf dem Flughafen Charles de Gaulle) Denn hauptsächlich kommt er in Indien vor», so die Forscher. Das lasse nur einen Schluss zu: «Er muss vom Menschen dorthin gebracht worden sein.» (Im Bild: WC auf dem Flughafen Delhi) Natürlich müsse sich auf Flughäfen künftig niemand den Toilettengang verklemmen, beruhigen die Forscher. Wichtig sei nur, dass die Menschen auch dort die grundlegenden Hygienemassnahmen ergreifen. «Das gründliche Händewaschen nach der Toilettenbenutzung ist ein Muss.» Zudem sollte der Hautkontakt mit Oberflächen auf öffentlichen Toiletten allgemein so gering wie möglich gehalten werden, empfehlen die Forscher. Auch Händedesinfektionsmittel statt Seifen zu verwenden, sei - anders als als im häuslichen Umfeld - mehr als sinnvoll.

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Wer vor dem Abflug schnell noch mal zur Toilette geht, riskiert, zum unfreiwilligen Bakterien-Kurier zu werden. Denn das stille Örtchen ist ein wahres Drehkreuz für Erreger aller Art, wie deutsche Forscher im Fachjournal «Clinical Microbiology and Infection» berichten.

Umfrage
Hand aufs Herz: Waschen Sie sich nach jeden Toilettenbesuch die Hände?
82 %
13 %
2 %
3 %
Insgesamt 7531 Teilnehmer

Das Team um Frieder Schaumburg und Karsten Becker vom Universitätsklinikum Münster hat zwischen Dezember 2012 und November 2015 Abstriche der inneren Türgriffe von 400 Toilettenkabinen auf 136 Flughäfen in 59 Ländern genommen und analysiert – «dem letztem Kontakt, den die Besucher nach dem Toilettengang haben, bevor sie sich die Hände waschen», erklärt Schaumburg in einer Mitteilung.

Resistente Keime auf Flughafen-WCs

Die Mikrobiologen wurden schnell fündig: Genanalysen der Proben zeigten, dass die WC-Türfallen mit einer Vielzahl von Krankheitserregern besiedelt waren (siehe Box).

Besonders häufig – in jeder zwanzigsten Probe (5,5 Prozent) – fanden Schaumburg und seine Kollegen Staphylococcus aureus vor, ein Bakterium, das in seiner resistenten Form MRSA ein gefürchteter Spitalkeim ist, der auch schon dem australischen Schwimmstar Ian Thorpe übel zusetzte.

Am zweithäufigsten war Stenotrophomonas maltophilia (2 Prozent), ein Keim der eigentlich selten ist, aber schwer behandelbare Infekte auslösen kann. An dritter Stelle folgte Acinetobacter baumannii (1,3 Prozent), ein ebenfalls gefürchteter Spitalkeim, der gegen viele Antibiotika Resistenzen gebildet hat.

Weitgereiste Erreger

Die Funde bestätigen laut den Forschern die Annahme, dass Flugpassagiere solche Superkeime von Fernreisen in ihr Heimatland mitbringen können.

«Einer der gefundenen MRSA-Erreger, festgestellt in einer Probe aus Paris, war höchst ungewöhnlich für diese Region. Hauptsächlich kommt er in Indien vor», so Becker. Das liesse nur einen Schluss zu: «Er muss vom Menschen dorthin gebracht worden sein.»

Händewaschen und Hintern hoch

Natürlich müsse sich auf Flughäfen künftig niemand den Toilettengang klemmen, beruhigen die Forscher. Wichtig sei nur, dass die Menschen auch dort die grundlegenden Hygienemassnahmen ergreifen. «Das gründliche Händewaschen nach der Toilettenbenutzung ist ein Muss», sagt Becker.

Doch das ist noch nicht alles: «Auf öffentlichen Toiletten sollte der Hautkontakt mit Oberflächen so gering wie möglich gehalten werde», so der Forscher. Auch Händedesinfektionsmittel statt Seifen zu verwenden, sei – anders als im häuslichen Umfeld – mehr als sinnvoll.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JaBa am 15.11.2016 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung?

    Es wäre bereits von grossem Vorteil, wenn man, nach dem Händewaschen keine weiteren Türfallen berühren müsste. Sprich: entweder etwas verwinkelt bauen, sodass keine Einsicht von aussen mehr möglich ist oder automatische Türen bzw. Pendeltüren welche man mit dem Fuss aufschieben könnte. Meistens gehen diese Türen jedoch nach innen auf, was, in meinen Augen, schon lange ein riesiger archtektonischer Fehler ist.

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  • Reff am 15.11.2016 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Innovation

    Bei Pissoirs ist die Spühlung mit dem Fuss bedienbar. Wäre es mit der WC-Türe auch so, könnte man vermeiden, dass jeder (nicht Händewäscher inkl.) die Türklinke anfassen muss.

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  • Pipi Schnell am 15.11.2016 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dauerpinkler

    Ja wenns nur die Flughafen-WCs sind, haben wir ja nochmals Glück gehabt..

Die neusten Leser-Kommentare

  • keine Zeit am 16.11.2016 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    wenn ich

    schiffen muss ist mir das egal. Bäume hat es sowieso nicht in der Nähe. Das erstaunliche am ganzen, ich lebe noch.

  • Crigs am 16.11.2016 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HYGIENE RETTET LEBEN

    Die französische Hotel-Kette "Formula 1" hat Toiletten, die nach jeder Benutzung automatisch gereinigt und desinfiziert werden. Nirgends ist Holz zu sehen. Es gibt keine Stellen, die nicht gereinigt werden. Die Toiletten sind höchst funktional und einladend für die Körperpflege. MacDonalds führte als erstes Unternehmen "Wickeltische für die Kleinsten" ein und setzte Hygiene-Standards weltweit. Wir sind alle Trittbrettfahrer von MacDonald, denn uns beeindruckt die Sauberkeit und der Preis !

  • President Camacho am 16.11.2016 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Üble Sache

    Als ich am Flughafen Zürich arbeitete, war ich echt froh darum, dass es eigene Toiletten für das Personal gab. Allgemein hasse ich öffentliche Toiletten weil die einen zu dumm sind diese sauber zu halten. Ausserdem sehe ich oft wie Leute nach dem grossen Geschäft sich die Hände nicht waschen... einfach eklig !!!

  • Mom2boys am 16.11.2016 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Vorher und nachher

    Wenn ich öffentliche Toiletten benutzen muss, wasche ich mir vor und nachher die Hände und öffne die Tür mit dem Tuch, mit welchem ich die Hände getrocknet habe.

  • Firtz am 16.11.2016 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist doch...

    ...sowieso nur eine Frage der Zeit, bis ein Superkäfer die halbe Menschheit dahinrafft. Wir als Spezies haben die Erde viel zu dicht besiedelt und sind deswegen krass anfällig. Das ist wie bei einer Monoplantage, wo ein einziger Pilz reicht um ganze Felder auszurotten. Also spielt es gar keine Rolle, weil das Bakterium oder der Virus so oder so früher oder später kommt.