Ehefrau getötet

18. November 2017 09:17; Akt: 18.11.2017 09:17 Print

Trieb Hirnverletzung Ex-Footballer zum Mord?

Anthony McClanahan ist angeklagt, seine Frau ermordet zu haben. Eine Rolle könnte dabei CTE gespielt habe – eine für Footballer typische Hirnerkrankung.

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«When the Beauty Meets the Beast», schrieb Anthony McClanahan zu diesem Bild von sich und seiner Gattin KC, das er im Juli auf Facebook postete. Was damals wie ein liebevoller Scherz wirkte, hat Anfang November eine neue, dunkle Dimension erhalten. Denn am 2. November soll der ehemalige American-Football-Profi McClanahan seine Gattin mit einem Messer umgebracht haben. So sehen es zumindest die mit dem Fall betrauten Staatsanwälte: Sie haben den Sportler wegen Mordes angeklagt. McClanahan droht eine lebenslange Haftstrafe. Schon früher ist McClanahan polizeilich auffällig geworden: Erst im Oktober hatte er seinen Sohn aus einer früheren Beziehung entführt, bis er am 12. Oktober festgenommen wurde. Doch dank einer Kaution von 150'000 Dollar war er schon kurz darauf wieder auf freiem Fuss. Auch KC gegenüber, mit der er erst seit Januar 2017 verheiratet war, soll er mehrfach gewalttätig geworden sein. Das sagte ihre Schwester Heather Gauf «The Salt Lake Tribune». Das sei auch der Grund, weshalb KC das gemeinsame Haus in Arizona verlassen habe und nach Utah gezogen sei. Im aktuellen Fall könnte McClanahan möglicherweise auf verminderte Zurechnungsfähigkeit plädieren. So lud er am Tag des Mordes ein mittlerweile gelöschtes Video auf Youtube hoch. Darin ... ... führt er seine Probleme auf die Gehirnerschütterungen zurück, die er beim Football erlitten hat. Vielleicht nutzt McClanahan den Sport nur als Ausrede. Aber das muss nicht sein. Tatsächlich zeigt er viele Anzeichen einer sogenannten chronisch-traumatischen Enzephalopathie, kurz CTE. Dabei handelt es sich um eine Hirnfunktionsstörung, die durch eine häufige Erschütterungen des Gehirns ausgelöst wird. Weil im Football Köpfe regelmässig aneinanderkrachen, leiden besonders Football-Spieler an der Krankheit. Aber auch Eishockeyspieler, Fussballer und Boxer können davon betroffen sein. Anthony McClanahan wäre nicht der einzige an CTE Erkrankte. Auch der ehemalige NFL-Spieler berichtet von solchen Hirnveränderungen. In einem <a href="http://www.spiegel.de/sport/sonst/nfl-spieler-patrick-venzke-spricht-ueber-gehirnerschuetterungen-a-1027779.html" target="_blank">«Spiegel»</a>-Interview erzählte er, wie sich sein Verhalten und seine Wahrnehmung verändert hatten. Während sich Venzke dessen bewusst ist und dagegen ankämpft, lassen einige seiner ehemaligen Kollegen die Fäuste sprechen: (zu dem Zeitpunkt Baltimore Ravens) ... ... seine damalige Verlobte Janay Palmer in einem Hotel-Lift ... ... und schlug sie dabei bewusstlos. Von seinem Verein wurde er daraufhin sofort freigestellt. Ausserdem wurde er von der National Football League NFL für unbestimmte Zeit suspendiert. Minnesota-Vikings-Running-Back soll <a href="http://www.20min.ch/sport/weitere/story/14038015" target="_blank">einen seiner Söhne mit einem Stock misshandelt haben</a>. Er erhielt zwei Jahre Gefängnisstrafe auf Bewährung. Weiter wurde er aus dem Kader geworfen. Den Dackelblick nimmt Defensivspieler heute keiner mehr ab. Während seiner Zeit bei den Carolina Panthers wurde er festgenommen, nachdem er eine ehemalige Partnerin beleidigt und bedroht hatte. Auch er wurde vorübergehend suspendiert. Nachdem , Linebacker bei den Pittsburgh Steelers, in der Wohnung seiner Freundin eine Tür eingetreten hatte, wurde er wegen Körperverletzung festgenommen. Die Anklage wurde aber fallen gelassen. Er musste jedoch ein Anti-Aggressions-Training absolvieren. Auch, Wide Receiver bei den New York Jets, hat keine weisse Weste mehr: Er wurde verhaftet, nachdem er seine Freundin angegriffen haben soll. Zur Strafe erhielt er eine 90-tägige Vertragssperre. Ein Spieler, der seine Emotionen ebenfalls nicht ganz im Griff hat: . Dem Linebacker der Indianapolis Colts wurden unter anderem Vergewaltigung und Körperverletzung vorgeworfen. Für die Arizona Cardinals darf seit 2014 nicht mehr antreten. Der Running Back soll sowohl seine Frau als auch den gemeinsamen, damals 18-Monate alten Sohn angegriffen haben. Insgesamt stand er wegen schwerer Körperverletzung und acht weiterer Vergehen vor Gericht. Doch nicht alle von möglichen Hirnveränderungen Betroffenen zeigen sich aggressiv gegenüber anderen. Einige richten diese gegen sich selbst. So wie , der als Verteidiger zwei Mal die Superbowl gewonnen hat. Er schoss sich 2011 ins Herz. Zuvor hatte er ein SMS verschickt, in dem er die Ärzte bat, seinen Kopf auf CTE zu untersuchen. Sie taten es und wurden fündig. Auch , einer der grössten NFL-Spieler seiner Zeit, starb 2012 im Alter von 43 Jahren durch seine eigene Hand. Wie bei Duerson wurde nach seinem Tod CTE festgestellt. Auch Leben verlief nach dem Ende seiner NFL-Karriere tragisch: Er versuchte sich als Verkäufer, doch gesundheitliche Probleme (Sprachstörungen, Gehör- und Gedächtnisverlust, Kopf- und Handzittern) verunmöglichten es ihm. Mit 50 Jahren starb er an einem Herzinfarkt. Auch bei ihm wurde CTE festgestellt. Wie die Mediziner CTE überhaupt entdeckt haben, erzählt der Film «Concussion – Erschütternde Wahrheit» (2015). Auch der Fall Webster kommt vor. Abhilfe schaffen könnte in Zukunft ein neuartiger Nackenschutz, Pate für den u-förmigen Kragen standen Spechte, denen die durch ihr Klopfen verursachten Stösse nichts ausmachen. Dass das möglich ist, verdanken sie unter anderem der Tatsache ... ... dass ihr Gehirn von mehr Hirnflüssigkeit umgeben ist, als das beim Menschen der Fall ist. Während sein Gehirn bei einem Aufprall gegen die Schädeldecke schlägt, hat dasjenige der Vögel weniger Bewegungsspielraum. Dieser Effekt soll beim Menschen mithilfe des Nackenschutzes erzielt werden – durch Kompression der Halsvenen. Dadurch sollen die Schädigungen des Gehirns verhindert werden, die im Verdacht stehen, Footballer auch abseits des Platzes aggressiver zu machen und ihr Suizidrisiko zu erhöhen.

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Blutüberströmt und auf allen vieren kriechend: So fand die Polizei den ehemaligen American-Football-Profi Anthony McClanahan am 2. November 2017 im Gang eines Hauses in Park City, Utah, vor. Seine Frau KC, «sein Baby» und er seien «von zwei oder drei Männern angegriffen worden», erklärte er daraufhin laut «The Salt Lake Tribune».

Kurz darauf entdeckten die Ermittler seine Ehefrau mit durchtrennter Kehle sowie Hinweise darauf, dass sich Keri Colleen «KC» McClanahan bis zum Schluss heftig gewehrt haben muss. Hinweise auf die vom Ex-Profi erwähnten Angreifer fanden sie dagegen keine. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war es McClanahan, der seine Frau tötete, und hat Anklage erhoben. Dem Sportler droht im schlimmsten Fall eine lebenslange Haftstrafe.

«Tackle-Football ist der Teufel»

Doch womöglich kommt es nicht so weit, denn McClanahan, der in der Vergangenheit durch gewalttätige Ausraster aufgefallen war, lud just am Tag des Mordes ein mittlerweile gelöschtes 14-minütiges Video auf Youtube hoch. Darin führt er seine Probleme auf die Dutzenden Gehirnerschütterungen zurück, die er während seiner aktiven Zeit erlitten hat.

Darin gesteht er, dass er Angst vor dem Schlafen habe, denn «dann tut mein Kopf weh und ich fühle, wie ich einen anderen Quarterback angreifen möchte. Tackle-Football ist der Teufel.»

Ausrede oder traurige Wahrheit?

Vielleicht nutzt McClanahan den Sport nur als Ausrede. Aber das muss nicht sein. Tatsächlich zeigt der Ex-Footballer viele Anzeichen einer sogenannten chronisch-traumatischen Enzephalopathie, kurz CTE.

Dabei handelt es sich um eine Hirnfunktionsstörung, die durch eine häufige mechanische Beeinflussung des Gehirns – durch Schläge oder Stösse – ausgelöst wird. Weil im Football Köpfe regelmässig aneinanderkrachen, leiden besonders Football-Spieler an der Krankheit. Aber auch Eishockeyspieler, Fussballer und Boxer können davon betroffen sein.

Die Symptome sind unter anderem Koordinationsstörungen, Zittern und Depressionen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Weiter haben die Betroffenen oft Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle, der Entscheidungsfindung, der Hemmung von Aggressionen, emotionaler Labilität und Wutanfällen. Die Liste derjenigen, die auch abseits des Platzes Gewalt anwenden, ist erschreckend lang (siehe Bildstrecke).

Das Problem: Bisher lässt sich eine CTE nur postmortal diagnostizieren.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tobias Nidl am 18.11.2017 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selbst wenn

    sollte das nicht strafmildernd sein, psychopath bleibt psychopath.

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  • Sebastian am 18.11.2017 09:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz oder Gar nicht

    Also wenn ihr die Leute schon verpixeln musst, dann bitte richtig. Man kann z.B. das Gesicht des Buben noch fast perfekt erkennen, lediglich die "Auflösung" ist schlechter geworden.

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  • roll2go am 18.11.2017 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenzüberschreitung

    Wenn Football spielen einem zum Mörder machen kann, dann ist es ein mörderischer, zumindest todbringender Sport. Heute wird - um des Geldes und der Bewunderung willen - fast jede Sportarten völlig masslos betrieben. Das zeigt auch der kürzliche tödliche Skiunfall wieder. Und dann wollen sie - wenn sie einen Unfall denn überleben - auch noch bedauert oder eben bewundert werden, wie sie jetzt mit den Folgen (im Rollstuhl usw) leben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nikinio am 18.11.2017 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit

    Es geht aber darum Viele vor wenigen zu schützen! Und nicht wenige den Vielen vorzuziehen. Wenn jemand im Kopf so kaputt ist, dass er Menschen tötet, dann darf der nicht frei rumlaufen. Punkt! Die Sicherheit der Mehrheit steht über dem wohlbefinden des einzelnen! Die Schweiz macht das leider seit jeher genau umgekehrt. Mörder kommen nach ein paar Jährchen raus.

  • Marc'oh'polo am 18.11.2017 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine Zeit leben wir?

    Ist gut. Falls ich mal wegen Morges angeklagt werden sollte, mache ich einfach einen auf Psychophat, Junkie oder Alki. Dann kommt man ohne Verurteilung davon.

  • ohne gewähr am 18.11.2017 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    habe schon gehört

    dass viele nach dem Rücktritt mit dem Leben nicht mehr klar kommen. Weil sie sich keine Perspektiven überlegt haben. Zudem fällt das anhimmeln der Fans weg. Dann sollen sie in ein depressvies Loch fallen. Habs einfach gelesen..

  • Dä Jesus am 18.11.2017 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer das selbe Spiel

    Ich finde es immer wieder lustig. XY begeht einen Mord wird verurteilt und gut. Ein Promi begeht einen Mord, wird verurteilt und die ganze Welt, ja aber der hat....... der kann eigentlich gar nichts dafür und und und. Mord ist Mord und basta.

  • Anonym am 18.11.2017 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sturzfolgen?

    Ich kenne einen Ex-Military-Reiter und vermute, dass er diese Hirnverletzungen auch hat. Schade kann man dies erst post mortem feststellen und somit evtl auch nicht behandeln.