Evolutionärer Vorteil

17. Mai 2016 21:43; Akt: 17.05.2016 21:43 Print

Schwule Tiere machen Sinn

Homosexualität ist im Tierreich weit verbreitet. Schwedische Forscher meinen den Grund dafür erkannt zu haben.

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Gleichgeschlechtliches Verhalten bei Tieren ist nahezu allgegenwärtig. Schwedische Forscher meinen, die Ursache gefunden zu haben. (Im Bild: Männliche und weibliche Samenkäfer bei der Paarung) In ihrer Studie zeigten sie, dass bei Käfern die Schwestern und Tanten indirekt von der Liebe unter Männern profitieren: Sie pflanzten sich in deren Anwesenheit stärker fort, als wenn sie bloss von heterosexuellen Männchen umgeben waren. Zwar bezieht sich die schwedische Studie nur auf Callosobruchus-Käfer, die Forscher glauben aber, dass die Ergebnisse verallgemeinerbar sein könnten. So könnten sie auch für dieses schwule Geierpaar im deutschen Tierpark Nordhorn gelten. Auch bei den ist Homosexualität weit verbreitet. In freier Wildbahn gehören sowohl schwule als auch lesbische Tiere beinahe schon zur Tagesordnung. Ähnliches berichten Forscher von den . Bei ihnen sind etwa fünf Prozent der Tiere homosexuell. (Im Bild: männliche Stockenten beim Liebesspiel) Auch stehen mitunter auf ihre Geschlechtsgenossen. Nicht selten übernehmen die Liebenden dann gemeinsam die Führung des Rudels, was sich durchaus positiv auf das Überleben der Gruppe auswirkt. Denn zwei starke Tiere an der Spitze sind besser als eines. (Im Bild: Zwei Löwen in Botswana, fotografiert von Nicole Cambré) Bei 500 Tierarten haben Forscher Formen gleichgeschlechtlicher Sexualität dokumentiert. Einer davon war Aristoteles. Vor rund 2300 Jahren hielt der Philosoph fest, dass in einer Gruppe in Afrika Männchen mit Männchen und Weibchen mit Weibchen verkehrten - «eine von vielen anderen Abscheulichkeiten dieses ekelhaften Tiers». Wenn sich männliche mehr als nur ein bisschen liebhaben, binden sie das Atemloch auf dem Rücken ins Liebesspiel ein. Dieses wird dann mit dem Penis penetriert. Auch die sind in Liebesdingen ziemlich aufgestellt. Sind die Weibchen unter sich, reiben sie gerne ihre Geschlechtsteile aneinander und bringen sich so mitunter sogar zum sexuellen Höhepunkt. Doch damit nicht genug: Deutlich seltener zwar, aber dennoch regelmässig, verwöhnen sich die Bonobos auch mit Küssen, Fellatio oder eben Genitalmassagen. Etwas weniger spektakulär fällt die Angelegenheit bei aus. Männchen mit einer Mutation im Gen fühlen sich aufgrund veränderter Signalübertragungen im Hirn von ihren männlichen Artgenossen angezogen - und machen diesen den Hof. Auch stehen zu ihren Gefühlen für das eigene Geschlecht. So besteigen sich die Weibchen auch gegenseitig, wobei sie «lustvoll rülpsende Laute von sich geben», wie Forscher notierten. Auch kennen Homosexualität. Doch bei ihnen hat die Neigung weniger mit Genetik zu tun, als mit der Unfähigkeit, Männchen und Weibchen unterscheiden zu können. Sie umklammern einfach mal alle Artgenossen. Doch sobald sich die Männchen durch ihr Quaken outen, lassen die männlichen Begatter von ihnen ab. Dass auch schwul sein können, weiss man im Bremerhavener Zoo ganz genau. Dort standen zeitweilig sechs der 20 Humboldt-Pinguine auf gleichgeschlechtliche Partner. In Ermangelung echter Eier brüteten sie sogar auf Steinattrappen.

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Wo die Liebe hinfällt – das gilt auch für tierische Liebschaften. So paaren sich nicht nur Männchen mit Weibchen nach Lust und Laune, sondern auch die Geschlechter untereinander. Und das bei ziemlich vielen Tierarten (siehe Bildstrecke). Lange rätselten Forscher, warum das so ist. Denn aus evolutionärer Sicht macht das auf den ersten Blick wenig Sinn, schliesslich vermehren sich die betreffenden Tiere nicht.

Wissenschaftler der schwedischen Universität Uppsala haben nun genauer hingesehen und herausgefunden, dass – zumindest bei Käfern der Gattung Callosobruchus – die Weibchen von der Liebe unter Männer profitieren.

Schwule Käfer gezüchtet

Für die im Fachjournal «BMC Evolutionary Biology» vorgestellten Studie, züchtete das Team um David Berger gezielt Käferlinien, bei denen sich die Männchen besonders häufig anderen Männchen nähern. Beobachtungen zeigten, dass die Zahl der gleichgeschlechtlichen Kontakte im Laufe von drei Generationen immer weiter zunahm.

Wie erwartet, zeugten die genetisch veränderten Männchen weniger Nachwuchs als ihre heterosexuellen Artgenossen. Überraschend war hingegen der Effekt bei den mit ihnen zusammenlebenden weiblichen Tieren: Sie wiesen eine höhere Mobilität und eine höhere Fortpflanzungsrate auf. «Die haben mehr Eier gelegt und mehr Nachwuchs gehabt, als andere Weibchen», führt Berger im «Deutschlandfunk» aus. Sie profitierten demnach indirekt von der Homosexualität ihrer männlichen Mitkäfer.

Gene sind schuld

Berger und seine Kollegen vermuten, dass die Ursache in den Genen liegt. Das gleiche Zusammenspiel verschiedener Gene, das beim dem einen Geschlecht die Neigung zu Homosexualität fördert, erhöht beim anderen den Forpflanzungserfolg.

Laut den Forschern könnte die Veranlagung zur Homosexualität deshalb von der Evolution nie ausgesiebt worden sein, weil sie untrennbar mit anderen Vorteilen verknüpft ist. Zwar bezieht sich ihre Studie nur auf Callosobruchus-Käfer, Berger glaubt aber, dass die Ergebnisse verallgemeinbar sein könnten.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Samuel am 17.05.2016 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eas sich liebt, das liebt sich

    Lasst die doch :) Viel Glück ihr zwei ;)

  • RoyBS am 18.05.2016 02:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Ich habe generell nie Verstanden was man gegen Homosexuelle haben kann... Ich sehe das ganz Simpel: ein Konkurrent weniger! Selbst wenn es in der Evolution "nicht normal" wäre, zählt in erster Linie das recht auf Glücklich sein. Wenn keiner zuschaden kommt was kümmerts mich?

  • P.Eter am 17.05.2016 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Käfer

    Wohl eher bisexuelle Käfer, sonst hätten sie ja keine Kinder gemacht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Übermensch am 18.05.2016 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hohoho

    Das Phenomen kann man auch auf die Menschen übertragen: Wenn nur noch Tucken rumrennen und keine Kerle mehr, muss die Frau selber aktiv werden ;)

    • Pascal Chuat am 18.05.2016 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Übermensch

      Was sind Tuckern und was sind für Dich "richtige Männer"? Verstehe ich nicht...

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  • Pascal Chuat am 18.05.2016 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Homosexualität

    Es ist so wie es ist! Homosexualität wurde in über 1500 Tierarten festgestellt, Homophobie nur in einer.

    • Übermensch am 18.05.2016 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pascal Chuat

      Es wurde auch nur in einer Art das Phenomen des "Allesakzeptierenmüssen" festgestellt...

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  • Semper-fi am 18.05.2016 04:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles normal

    naja wie s aussieht nehmen die tiere uns menschen als vorbilder. gut, mein motto leben und leben lassen, ich habe nichts gegen die gleichgeschlächter, dann habe ich mehr frauen für mich;))

  • Riaan Vlakplaas am 18.05.2016 02:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein, macht keinen Sinn

    Gäbe es so viele schwule Tiere, wären fast alle Tierarten ausgestorben.

  • RoyBS am 18.05.2016 02:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Ich habe generell nie Verstanden was man gegen Homosexuelle haben kann... Ich sehe das ganz Simpel: ein Konkurrent weniger! Selbst wenn es in der Evolution "nicht normal" wäre, zählt in erster Linie das recht auf Glücklich sein. Wenn keiner zuschaden kommt was kümmerts mich?