Naturspektakel

22. Juli 2012 22:26; Akt: 22.07.2012 22:36 Print

«Tornados werden in Europa unterschätzt»

Imposantes Schauspiel: Gleich zwei Mini-Tornados wurden in der Schweiz innert einer Woche beobachtet.

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«Tornado über dem Zürichsee. Der Wahnsinn!», schrieb Leser-Reporter Dominique van Limburg Stirum. Er wurde am Samstagabend Zeuge eines seltenen Naturschauspiels. Vor Thalwil baute sich eine mehrere Meter breite und mehrere Hundert ­Meter hohe Wasserhose auf, die etwa vier Minuten lang zu beobachten war. Auch aus Saigne­légier JU erreichte 20 Minuten ein bedrohliches Wetterbild. Gemäss Roger Perret von Meteo­news dürfte der Leser-Reporter den Ansatz eines Windhosen- oder Tornadorüssels gesehen haben. Schäden wurden in beiden Fällen nicht gemeldet.

Wasserhosen entstehen, wenn das Wasser wärmer ist als die Luft und zusätzlich ein Gewitter aufzieht. «Sie sind in der Regel harmlos, da die Wind­geschwindigkeiten viel geringer sind als bei Tornados, die sich über dem Land bilden», so Perret. Solche Tornados wüteten kürzlich in Polen. Sie rissen Schneisen in Wälder und zerstörten Gebäude. Laut Perret ist auch in der Schweiz die Entstehung ­solcher Tornados nicht ganz auszuschliessen. Dies bestätigt der deutsche Tornado-Experte Dominik Jung von Wetter.net: «Wenn sich der Tornado nächstes Mal statt als Wasserhose über Land ausbildet, kann es ­lebensgefährlich werden.»

Tornados würden in Zentraleuropa unterschätzt: «Oft tut man so, als gebe es diese bei uns nicht.» Jung rechnet damit, dass die Zahl der Tornados in der Schweiz steigen wird: «Weil die Unwetter heftiger werden, ­werden Tornados wahrscheinlicher.» Auch in Deutschland gab es diesen Sommer ­bereits einige Tornados. Schon im Juni sorgte ein Tornado in Venedig für Angst und Schrecken.

(daw/20 Minuten)