Der Tod lauert im All

29. Juni 2016 21:36; Akt: 30.06.2016 07:07 Print

«Nur eine Frage der Zeit, bis uns ein Asteroid trifft»

von J.-C. Gerber - Experten sind sich einig: Die Erde ist von Asteroiden-Einschlägen bedroht. Ex-Astronaut Ed Lu erklärt, was gegen die Gefahr getan wird.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am 30. Juni 1908 passierte in Sibirien das sogenannte Tunguska-Ereignis. Mehrere gewaltige Explosionen knickten auf einem Gebiet von über 2000 Quadratkilometern rund 60 Millionen Bäume um. Alles deutet darauf hin, dass damals ein Asteroid die Erde getroffen hat.

Umfrage
Fürchten Sie sich vor Asteroiden?
66 %
12 %
9 %
13 %
Insgesamt 8797 Teilnehmer

Seit 2015 findet deshalb am 30. Juni der Asteroid Day statt (siehe Box). Ziel der Bewegung ist es, die weltweite Öffentlichkeit über die Gefahr von Asteroideneinschlägen aufzuklären. 20 Minuten hat sich mit dem ehemaligen Astronauten Ed Lu über Möglichkeiten unterhalten, die Welt vor einer Katastrophe zu schützen.

Ed Lu, Sie engagieren sich mit ihrer B612-Stiftung (siehe Box) für den Schutz der Erde vor Asteroiden. Gibt es tatsächlich eine Gefahr, dass wir getroffen werden?
Stephen Hawking und beinahe alle anderen Experten auf dem Feld der Planetologie glauben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ein Asteroid auf die Erde trifft und grosse Verwüstung bringen wird. Die B612-Stiftung will die klügsten Köpfe zusammenbringen, um nach Wegen zu suchen, wie wir unseren Planeten schützen können.

Wieso ist das nötig?
Die Nasa hat die grössten Asteroiden zwar auf dem Schirm. Aber es gibt Millionen von kleineren, die noch nicht entdeckt worden sind, weil wir nicht die richtigen Werkzeuge haben, um sie aufzuspüren und zu verfolgen. Ihre Grösse reicht von etwa 20 Metern bis zu mehreren hundert Metern.

Ihre Stiftung entwickelt das Sentinel-Weltraumteleskop. Was ist sein Zweck?
Sentinel ist ein Infrarotteleskop im Weltraum, das die Flugbahnen von Asteroiden erkennen kann – Jahrzehnte bevor sie eine Gefahr für die Erde werden. So hätte man genügend Zeit, sie abzuwehren, falls nötig.

Wer finanziert Sentinel?
Das Programm wird von Privatleuten aus 44 Ländern finanziert. Die Nasa arbeitet an einer alternativen Mission namens NEOCam (Near-Earth Object Camera). Sollten Regierungsgelder für das Nasa-Projekt gesprochen werden, würden wir diese Mission unterstützen. Wir wollen, dass die Erde geschützt ist. Wer schlussendlich die Lösung entwickelt und betreibt, ist zweitrangig.

Welche Grösse von Asteroiden soll Sentinel dereinst entdecken können?
Sentinel kann die meisten Asteroiden aufspüren, die grösser als 45 Meter sind, also etwa die Grösse des Tunguska-Asteroiden haben.


Ed Lu und weitere Vertreter der B612-Stiftung erklären, wie Sentinel dereinst funktionieren soll. (Video: Youtube/b612 Foundation)

Tritt ein Asteroid von dieser Grösse in die Erdatmosphäre ein; wie viel davon würde auf der Erde aufschlagen?
Das ist schwierig zu sagen. Es hängt von der Zusammensetzung des Asteroiden und seinem Eintrittswinkel ab. Wichtig ist, hier festzuhalten, dass der Grossteil der Zerstörung von der Schockwelle herrührt, nicht von herabfallenden Teilen.

Wie könnte ein gefährlicher Asteroid abgelenkt werden?
Es gibt mehrere gangbare Wege, um einen Asteroiden abzuwehren. Es kommt auf die Grösse und die Vorwarnzeit an. Der einfachste Weg ist, ein kleines Raumschiff in den Asteroiden krachen zu lassen. Für eine präzisere Kurskorrektur kann das mit dem sogenannten Gravity Tractor verbunden werden. Dieses von mir und dem Ex-Astronauten Stan Love entwickelte Raumschiff würde über längere Zeit um einen Asteroiden kreisen und mit seinem Gravitationsfeld allmählich dessen Kurs ändern.

Gibt es die nötigen Technologien schon?
Ja, eine Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass der Gravity Tractor gebaut werden kann. Es würde allerdings einige Jahre dauern, bis so eine Mission startklar wäre.


Simulation des Gravity Tractors. (Video: Youtube/b612 Foundation)

Gibt es andere Systeme, um einen Einschlag zu verhindern?
Die europäische Weltraumagentur ESA möchte im Rahmen der Asteroid Impact Mission (AIM) ein Raumschiff mit einen Asteroiden kollidieren lassen, um mehr über Asteroiden und mögliche Abwehrtechniken zu erfahren.


Die Asteroid Impact Mission der ESA (Video: Youtube/European Space Agency, ESA)

Der Tscheljabinsk-Meteor von 2013 war mit 20 Metern relativ klein, forderte aber dennoch 1500 Verletzte und richtete beträchtlichen Schaden an. Könnte ein solch kleines Objekt aufgespürt und abgelenkt werden?
Es würde bei allen zurzeit angedachten Teleskopen lange dauern, den Grossteil solcher Asteroiden aufzuspüren. Aber sie werden sicher in der Lage sein, viele von ihnen zu verfolgen. Die Abwehr wäre möglich, solange wir zehn oder mehr Jahre im Voraus von einem drohenden Einschlag wüssten.

Die technologischen Fragen sind nicht die einzige Herausforderung auf dem Weg zu einer Asteroidenabwehr. Noch fehlt auf internationaler Ebene eine Einigung, wie im Fall einer Bedrohung vorgegangen werden soll. Gibt es hier Fortschritte?
Der UNO-Ausschuss für die friedliche Nutzung des Weltraums hat das Problem inzwischen zur Kenntnis genommen. Doch es braucht noch viel Arbeit, die Entscheidungsträger dazu zu bringen, die Gefahr zu sehen und zu verstehen, welche Optionen es im Falle einer Bedrohung durch einen Asteroiden gibt.


Brian May spricht darüber, weshalb er den Asteroid Day aus der Taufe gehoben hat. (Video: Youtube/Asteroid Day)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter R.E. am 29.06.2016 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht der Asteroid

    Die Überbevölkerung vernichtet die Erde noch vorher.

    einklappen einklappen
  • rammirocker am 29.06.2016 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Vorher!!!!

    geht unser Gesellschaft den Bach runter, wir lösch uns gegenseitig aus. Siehe den heutigen schwarzen Tag in der Türkei.... Da habe ich wegen einem so kleinem "Kieselstein" weniger Angst.

  • wasp am 29.06.2016 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Auch das noch!

    Erst Brexit, dann Asteorid.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • CountryTec am 30.06.2016 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In a Galaxy not too far away

    Und wenige Millionen Jahre später verzeichnen Alien-Wissenschaftler die Pulverisierung des dritten Planeten in einem völlig unbedeutenden Sonnensystem am Rande der Galaxis. Sie spekulieren ob es wohl der Einschlag eines Asteroiden gewesen sei.

  • Tanzlehrer am 30.06.2016 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Problem gelöst.

    Wir sollten viele Sateliten hochschicken, Milliarden von Kilometer weit weg, die rund um die Erde positioniert sind um möglichst viel Raum ab zu scannen nach Objekten die gefärlich für die Erde sein könnten um Diese früh genug abfangen zu können.

    • Cohle am 30.06.2016 19:40 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Angst

      "Eine Frage der Zeit" heisst mit anderen Worten, eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Und die spricht für deine Lebenserwartung, welche sich im übrigen nebst einem Tag kein bisschen geändert hat.

    einklappen einklappen
  • Pablo am 30.06.2016 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso so lange und aufwändig?

    Um einen Asteroiden aus der Umlaufbahn oder von Kurs zu bringen braucht es doch keinen Aufwändigen super präzisen Sateliten. Macht einfach ein Ding das im Weltraum funktioniert und zu einem Asterihoden düsen kann, dann ballert es mit einem Laser und zwei Miniguns alles was es hat auf das Teil ein und der Kurs ändert sich. Zu guter letzt rammt sich der Rambosatelit selber noch in den Brocken rein. Viola

    • Tanzlehrer am 30.06.2016 18:27 Report Diesen Beitrag melden

      Eigentor.

      Dann haben wir warscheinlich hunderte von kleineren Asteroiden die auf die Erde zu rasen. Vom Kurs abbringen wäre wirkungsvoller. Wir reden hier von Brocken die mehrere Kilometer Durchmesser besitzen, und das sind nur kleine Asteroiden. Solche könnte man mit Raketen ganz sanft in eine andere Richtung lenken.

    einklappen einklappen
  • Golfer am 30.06.2016 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was solls

    Würde der erde eigentlich mal gut tun.

  • Asteroid_Destroyer2000 am 30.06.2016 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Armaggedon

    Einfach Bruce Willis rufen, dann klappt das schon