Wissenschaftlich belegt

20. Oktober 2017 18:45; Akt: 20.10.2017 18:45 Print

Alkohol macht Sie zum Fremdsprachen-Genie

Alkohol lockert die Zunge. Und zwar nicht nur in der Muttersprache: Forscher konnten nachweisen, dass das auch für Fremdsprachen gilt.

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Ein, zwei Gläschen Alkohol, und Fremdsprachenprobleme sind gegessen. Zu diesem Schluss kommen niederländische Forscher im «Journal of Psychopharmacology». Demnach beherrschen Menschen, nachdem sie ein Glas Alkohol getrunken haben, Fremdsprachen besser als Menschen auf dem gleichen Sprachlevel, die nichts getrunken haben. Dabei war vor allem ihre Aussprache besser als die jener Personen, die nüchtern waren. Die Forscher vermuten, dass etwas Alkohol angstlösend wirkt, was dazu führt, dass man unter dessen Einfluss unbeschwerter an Gespräche in einer anderen Sprache herangeht. Doch sie warnen auch davor, die Wirkung zu überschätzen. Die Weisheit «Viel hilft viel» passe in diesem Zusammenhang wohl nicht – mehr Alkohol könne die Verständlichkeit schnell wieder verschlechtern. Doch es gibt auch noch andere Gründe, mit dem Alkoholkonsum nicht zu übertreiben. So sollte man sich bewusst machen, ... ... dass Alkohol, genauer gesagt Ethanol, als Gift gilt: 2007 wurde der Stoff von der WHO als potenziell krebserregend eingestuft. Ausserdem soll er nach bisherigem Kenntnisstand für über 300 Krankheiten und Organschäden verantwortlich sein. Doch wie so oft gelten auch hier die vielzitierten Worte des Schweizer Mediziners Paracelsus (1493-1541). Der sagte frei übersetzt: «Die Dosis macht das Gift.» Soll heissen: Gegen Alkohol spricht nichts, solange er massvoll getrunken wird. Doch bereits seine Zeitgenossen schlugen seine Ermahnungen oft in den Wind. Die Alkoholkrise war so gross, dass der deutsche Reformator vor dem «Saufteufel» warnte. Auch wenn die Gelage heute in der Regel moderater ausfallen: Ganz unberechtigt war Luthers Warnung nicht. Denn Alkohol beeinflusst so gut wie jedes Organ, wie die nächsten Bilder zeigen. Sofort nach dem ersten Schluck beginnt die Aufnahme ins Blut: Ein kleiner Teil gelangt über die Mundschleimhaut und die Speiseröhre direkt dorthin. Bis zu einem Viertel wird über die Magenschleimhaut aufgenommen. Der Rest gelangt über den Darm ins Blut. Nach rund zwei Minuten kommt der Alkohol im Gehirn an. Dort dringt er in alle Hirnareale ein, auch in das sogenannte Belohnungszentrum, wo er verstärkt Botenstoffe wie Dopamin und Endorphine freisetzt. Ab einem Blutalkoholwert von 0,5 Promille wird man unternehmungslustig und gesellig, aber auch hemmungsloser. Die Risikobereitschaft steigt. Die Reaktionsfähigkeit dagegen sinkt. Bei einem Blutalkoholwert von 0,8 Promille ist sie gegenüber dem nüchternen Zustand um 30 bis 50 Prozent verlängert. Aber das merkt man nicht. Man fühlt sich entspannt. Das liegt am Einfluss des Alkohols auf die Aktivität des Gehirns. Botenstoffe, die das Gehirn anregen, werden gehemmt. Und dämpfende Botenstoffe werden verstärkt. Alles läuft langsamer. So schaffen es beispielsweise die Augenmuskeln nicht mehr, richtig zusammenzuarbeiten. Man sieht unscharf. Zudem bekommt man Schwierigkeiten, wenn es darum geht, Entfernungen richtig einzuschätzen. Bei 1 bis 2 Promille wird das Gleichgewicht beeinträchtigt. Zudem verändern sich Emotionen und das Verhalten. Auch Stimmungsschwankungen können die Folge sein, genauso wie eine plötzlich aufkommende Müdigkeit. Auch das Aggressionspotenzial steigt: So zeigte zuletzt eine Studie des Bundes, dass bei Gewalthandlungen im öffentlichen Raum zunehmend Alkohol im Spiel ist. Wer trotz ersten Ausfallerscheinungen weiter trinkt, riskiert, ganz die Kontrolle über sich und seinen Körper zu verlieren. Ab 3 Promille kann ein Erwachsener bewusstlos werden und sogar ins Koma fallen. Grundsätzlich gilt: Frauen vertragen Alkohol weniger gut als Männer. Damit ist für sie die gleiche Menge Alkohol schädlicher als für einen Mann. Dies einerseits, weil Frauen im Verhältnis zu ihrem Gewicht mehr Körperfett und weniger Körperwasser haben. Da sich Alkohol in Wasser besser löst als in Fett, ist nach dem Konsum gleicher Mengen die Alkoholkonzentration im Blut bei Frauen in der Regel höher. Andererseits weil Frauen über geringere Mengen des Leber-Enzyms ADH (Alkoholdehydrogenase) verfügen, das den Alkohol in Azetaldehyd abbaut. Wer zu viel Alkohol getrunken hat, den erwartet am nächsten Tag ein ausgewachsener Kater. Der ist zwar unangenehm, aber bei weitem nicht so gefährlich wie eine akute Alkoholvergiftung, die aufgrund der gereizten Magenschleimhaut häufig mit Erbrechen einhergeht. Es besteht die Möglichkeit, an dem Erbrochenen zu ersticken. Auch lebensbedrohliche Atemlähmungen können die Folge sein. Das erste bekannte Alkoholopfer der Geschichte war kein geringerer als König Alexander der Grosse: Er war nicht nur ein genialer Feldherr, sondern auch für seinen reichlichen Alkoholkonsum bekannt. Letztendlich starb er daran. Bei einer Alkoholvergiftung besteht auch die Gefahr zu erfrieren: Weil das Blut durch den Alkohol in die äusseren Körperregionen gelenkt wird, entsteht ein trügerisches Gefühl der inneren Wärme. Das täuscht darüber hinweg, dass die Körpertemperatur eigentlich stark absinkt. Während es sich bei dem bisher Erwähnten um direkte Folgen von Alkoholkonsum handelt, gibt es auch Spätfolgen, die sich nach dem regelmässigen und übermässigen Trinken einstellen. Laut Medizinern wie dem Leberspezialisten Helmut Karl Seitz aus Heidelberg geht bereits von «moderatem Dauerkonsum» eine Gesundheitsgefahr aus. Denn auch so kommen Alkoholmengen zustande, die der Körper auf Dauer nicht verkraftet – weil ihm die alkoholfreien Erholungsphasen fehlen. Durch regelmässigen Alkoholkonsum kann es zu schweren Organschäden kommen. Am stärksten davon betroffen ist die Leber (dunkelrot). Denn in ihr wird der grösste Teil des Alkohols abgebaut. Das Problem: Beim Abbau von Alkohol werden die für diesen verantwortlichen Leberzellen geschädigt und es sammelt sich Fett an. Dies kann zu einer Fettleber, zu Gelbsucht und zu Leberzirrhose und -krebs führen. Zu einer Leberzirrhose, der wohl bekanntesten Folge von übermässigem Alkoholkonsum kommt es, weil die Leberzellen wegen Überlastung nach und nach absterben und es sich immer mehr knotiges Narbengewebe bildet. Die Leber schrumpft. Irgendwann bleiben zu wenig Leberzellen übrig und der Körper kann nicht mehr entgiftet werden und man stirbt. Aber nicht nur die Leber wird angegriffen: Alkoholiker und regelmässig konsumierende Genusstrinker leiden häufig auch unter entzündeten Bauchspeicheldrüsen (Pankreas). Wird das Problem chronisch, kommt es zu Kalkablagerungen, die schlussendlich zu einer Verstopfung des Organs führen. Alkoholkonsum können Veränderungen am Herzen zur Folge haben. Der Blutdruck wird durch Alkoholkonsum erhöht. Dadurch steigt auch das Herzinfarktrisiko. Zu viel Alkohol schadet zudem Haut und Blutgefässen. So kann regelmässiges Trinken zu entzündlichen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) führen. Mit Schuld daran kann eine weitere Folge von chronischem Alkoholkonsum sein: Ein geschwächtes Immunsystem. Auch Krebs, insbesondere Speiseröhrenkrebs, geht auf das Konto von Alkohol. Laut einer an der Tagung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) vorgestellten Studie erkranken weltweit jährlich rund 700'000 Menschen aufgrund ihres Alkoholkonsums an Krebs. Jährlich stehen 365'000 Todesfälle von Patienten mit Leber-, Speiseröhren-, Darm-, Hals- oder Brustkrebs mit Alkohol in Verbindung, so das Fazit der Wissenschaftler. Wie gefährlich Alkohol sein kann, zeigen auch Zahlen aus der Schweiz. Laut Bundesamt für Gesundheit sterben hierzulande jährlich rund 1600 Menschen zwischen 15 und 74 Jahren an den Folgen. Allein die Leberzirrhose führt zu mehr als 430 Todesfällen pro Jahr. Etwa doppelt so häufig sind tödlich ausgehende alkoholbedingte Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Störungen. Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit können ebenfalls dauerhaft beeinträchtigt werden. Der Grund: Regelmässiger Alkoholkonsum kann zu schweren hirnorganischen Schäden führen. Konkret sorgt er für ein Schrumpfen der Hirnsubstanz, über die Jahre sterben Nervenzellen, der Gang wird unsicher, die Hände zittern. Auch das Risiko für psychische Krankheiten wie Depressionen oder Psychosen steigt. Aber was heisst das? Laut «Sucht Schweiz» liegt gesundheitlich unbedenklicher Alkoholkonsum bei gesunden erwachsenen Frauen bei 12 Gramm reinem Alkohol. Das entspricht einem sogenannten Standardglas – 3 Dezi Bier, 1 Dezi Wein, 2 cl Spirituosen – pro Tag. Männer dürfen etwas mehr trinken: Für sie liegt die Grenze bei 24 Gramm Alkohol pro Tag, etwa zwei Standardgläser. Doch wie immer gilt auch punkto Alkohol: Ausnahmen sind erlaubt. Wer mal über die Stränge schlägt, hat wenig zu befürchten. Schwangere sollten jedoch ganz darauf verzichten.

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Wer in Englisch, Spanisch oder einer anderen Fremdsprache nicht sattelfest ist, dem könnte ein Gläschen Alkohol helfen. Denn wie Forscher der niederländischen Universität Maastricht im «Journal of Psychopharmacology» berichten, kann Alkohol unsere Fremdsprachen-Fähigkeiten verbessern.

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Beim Interview bitte trinken

Für die Studie rekrutierte das Team um Fritz Renner 50 Personen mit Deutsch als Muttersprache, die kurz zuvor Niederländisch gelernt hatten, und bat sie zum Interview auf Niederländisch. Die Hälfte der Probanden bekam vor diesem ein alkoholisches Getränk gereicht, das etwa den Alkoholgehalt eines 5-dl-Bieres hatte. Die anderen erhielten etwas Alkoholfreies.

Die aufgezeichneten Gespräche wurden anschliessend niederländischen Muttersprachlern vorgespielt, die das Gehörte beurteilen sollten.

Viel hilft nicht viel

Ergebnis: Denjenigen, die zuvor Alkohol getrunken hatten, bescheinigte die Jury bessere Niederländisch-Kenntnisse, wie die Hochschule mitteilt. Dabei war vor allem ihre Aussprache besser als die jener Personen, die nur ein alkoholfreies Getränk geschlürft hatten. Unterschiede in der Selbstwahrnehmung gab es jedoch nicht.

Die Forscher vermuten, dass etwas Alkohol angstlösend wirkt, was dazu führt, dass man unbeschwerter an Gespräche in einer anderen Sprache herangeht. Doch Renner und seine Kollegen warnen auch davor, die Wirkung zu überschätzen. Die Weisheit «Viel hilft viel» passe in diesem Zusammenhang wohl nicht – mehr Alkohol könne die Verständlichkeit schnell wieder verschlechtern.


(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G-Zero am 20.10.2017 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niederländisch

    Hab schon ab und zu gedacht, dass sich Niederländisch besoffen anhört... Schönes Wochenende...

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  • P. Schweizer am 20.10.2017 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch - Nichts neues

    Die Hemmungen und Angst etwas falsch zu sagen fallen weg. Dazu braucht es keine Forscher.

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  • Anonym86 am 20.10.2017 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nichts neues

    das wusste ich schon vor 10 jahren bei meiner lap. vor der mündlich prüfung in englisch und französisch gabs 2 tequilla :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Willi am 21.10.2017 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Harte Droge Alkohol

    Erschreckend wie krampfhaft und trickreich die Alkohol Industrie versucht ihr tödliches Gift loszuwerden. Alkohol ist eine 100% tödliche harte Droge. Laut Wikipedia/drogen sogar die mit grossem Abstand härteste Droge überhaupt. Da hilft alles schönreden nichts.

    • Süffel am 21.10.2017 23:01 Report Diesen Beitrag melden

      ja, ja. Prost

      Na und? Deswegen sauf ich trotzdem!

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  • Platz Hirsch am 21.10.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ni hao?

    Aha, deswegen verstehe mir keiner nach ein paar Whiskies! Ich rede Chinesisch!

  • Mr. Bull am 21.10.2017 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu späht

    Na toll, das sagt ihr jetzt. Das hätte ich vor 30 jahren wissen müssen als ich in der schule in französisch regelmässig abgestunken bin.

  • Spaniel am 21.10.2017 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fremdsprache....

    Also ich spreche auch mehrere Fremdsprachen nach einigen Whisky - nur bin ich der einzige der es versteht was ich sage ...

  • Mike am 21.10.2017 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    #spy

    Bei der Umfrage fehlt die Antwort,: Das geht euch nichts an!! Ich habe sowieso das Gefühl das bei den Umfragen die Ergebnisse pro IP gespeichert werden und die Daten gesammelt und weitergegeben werden.. darum nehme ich nie teil.

    • Ueli am 21.10.2017 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike, hm

      Dann darfst du aber auch nix schreiben. Dadurch hinterlässt du nämlich weit deutlichere digitale Fingerabdrücke.

    • Mike am 21.10.2017 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ueli

      Aha, danke für den Hinweis! lg

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