Männlichkeitshormon

11. Oktober 2012 15:18; Akt: 12.10.2012 11:06 Print

Testosteron macht Männer ehrlicher

Testosteron steht für Aggression und Imponiergehabe, doch es fördert auch soziales Verhalten. Eine Studie hat gezeigt, dass Männer mit viel Testosteron weniger lügen.

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Viel Testosteron führt nicht zwingend zu asozialem Verhalten - im Gegenteil. (Bild: Colourbox)

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Es macht den Mann zum Mann: Testosteron sorgt für die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale, fördert die Libido und steigert den Muskelaufbau. Und obwohl Frauen in geringerem Mass auch über dieses Hormon verfügen, gilt es als Macho-Hormon schlechthin. Ihm wird nachgesagt, dass es aggressiv macht sowie riskantes Verhalten und Imponiergehabe steigert. So die traditionelle Meinung. Neuere Studien haben aber angedeutet, dass es auch das Sozialverhalten fördert.

Bonner Forscher haben nun nachgewiesen, dass Männer in einer Spielsituation nach der Verabreichung von Testosteron deutlich weniger logen als Probanden, die lediglich mit einem Placebo behandelt wurden. Zuvor hatten die Forscher sichergestellt, dass von den 91 Teilnehmern keiner wusste, ob er den Wirkstoff bekommen hatte oder nicht.

Würfelspiel lud zum Schummeln ein

Das Verhaltensexperiment bestand aus einem einfachen Würfelspiel, das die Testpersonen in abgetrennten Einzelkabinen durchführten. Je höher die gewürfelte Augenzahl, desto grösser war der Geldbetrag, den es als Belohnung gab. «Diese Versuche waren so konzipiert, dass die Probanden lügen konnten», berichtet Bernd Weber vom Center for Economics and Neuroscience (CENS) der Universität Bonn im Fachmagazin «PLoS ONE». «Niemand bekam in den abgeschirmten Kabinen mit, ob sie tatsächlich die gewürfelte Zahl in den Computer eingaben – oder eine höhere, um mehr Geld zu bekommen.»

Doch die Schummeleien wurden in der Auswertung schnell entlarvt, denn die Eintrittswahrscheinlichkeit für alle Würfelzahlen von eins bis sechs ist gleich hoch. Beim Vergleich der Ergebnisse der Testosterongruppe mit der Kontrollgruppe zeigte sich, «dass die Probanden mit den höheren Testosteronwerten deutlich seltener logen als die unbehandelten Testpersonen», sagt der Ökonom Armin Falk vom CENS.

Positives Selbstbild wichtig

Sein Fazit ist denn auch klar: «Dieses Ergebnis widerspricht klar dem eindimensionalen Ansatz, dass Testosteron zu antisozialem Verhalten führt.» Er führt es darauf zurück, dass das Hormon wahrscheinlich den Stolz und das Bedürfnis steigere, ein positives Selbstbild zu entwickeln. «Vor diesem Hintergrund reichten offenbar ein paar Euro als Anreiz nicht aus, das Selbstwertgefühl aufs Spiel zu setzen», vermutet Falk.

Lügen sind seit jeher mit einem grossen Tabu behaftet. In der Bibel verbietet etwa das achte Gebot, «falsches Zeugnis» zu reden. Trotzdem spielt Lügen auf geschäftlicher und privater Ebene eine grosse Rolle. In der Wissenschaft wurde das Phänomen bisher meist psychologisch und auf seine ökonomischen Auswirkungen hin untersucht. «Es gibt allerdings nur sehr wenige Untersuchungen zu den biologischen Ursachen der Lüge», sagt Falk. «Hier sind wir nun mit unserer Studie einen grossen Schritt vorangekommen.»

(jcg)