Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Mythos entlarvt
22. Oktober 2012 12:25; Akt: 22.10.2012 12:58 Print
Wie gefährlich ist eigentlich Treibsand?
Kaum ein Naturphänomen ist derart mit Klischees behaftet wie Treibsand. Immer wieder kommen Menschen darin ums Leben – allerdings nicht so, wie es einem Abenteuerfilme weismachen.
In den 1960er-Jahren war ein Abenteuerfilm kein Abenteuerfilm ohne eine dramatische Treibsand-Szene. Selbst Klassiker wie der siebenfache Oscar-Gewinner «Lawrence of Arabia» bedienten sich des beliebten Stilmittels. Der Ablauf war stets derselbe: Opfer gerät in Treibsand, sinkt langsam ein, versucht sich verzweifelt zu retten und beschleunigt damit seinen Untergang. Heute ist das heimtückische Naturphänomen fast gänzlich von den Leinwänden verschwunden. Bisweilen taucht es als Metapher in Überschriften der «Neuen Zürcher Zeitung» auf.
Treibsand-Warnschild in Holland (Bild: Wikipedia/Ralf Schulze)
Mit der Realität hatten die Schauerszenen ohnehin nie viel zu tun. Ein komplettes Versinken im Treibsand ist physikalisch unmöglich, da er eine höhere Dichte aufweist als der menschliche Körper. Ein Einsinken bis zur Hüfte oder höchstens zum Brustkorb ist möglich, aber weiter nicht. Egal, wie sehr man strampelt. Kommt hinzu, dass die meisten Filmszenen in der Wüste spielen. Doch ob solcher Trocken-Treibsand in der Natur tatsächlich vorkommt, ist bis heute umstritten. Lediglich unter den künstlichen Bedingungen eines Labor-Experiments konnte er bisher nachgewiesen werden.
Nicht der Treibsand an sich ist tödlich
Der echte Treibsand ist ein zähflüssiges, wackliges Gemisch aus feinem Sand, Tonerde und Wasser. Trockene Sandkörner verdichten sich unter Druck, doch in wässriger Umgebung verschieben sie sich ohne grösseren Widerstand. Die winzigen Poren zwischen den Sandkörnern verhindern einen schnellen Abfluss der Flüssigkeit, was dem Gebilde eine gewisse Stabilität verleiht. Voraussetzung ist genügend Wasser. Treibsand ist deshalb häufig in unmittelbarer Nähe von Gewässern anzutreffen.
Und genau aufgrund dieser Eigenschaft kann er zur Todesfalle werden: Während ein komplettes Einsinken unmöglich ist, kann man heillos stecken bleiben – und in Meeresnähe in der aufkommenden Flut ertrinken. Im August starb so eine 33-jährige Frau an einem Strand in Antigua. Auch an den Wattenmeeren Europas ereignen sich immer wieder solche Unfälle. Wer alleine unterwegs ist, kann zudem an Durst, Unterkühlung oder Erschöpfung sterben.
Manchmal können nur noch Profis helfen
Was also tun, wenn es einen erwischt? «National Geographic» empfiehlt, mit langsamen Schlängel-Bewegungen zwischen Beinen und Treibsand Raum zu schaffen, in den Wasser nachfliessen kann. Das würde die zähe Masse verflüssigen und den Ausstieg erleichtern. Auf keinen Fall sollte man eine Begleitperson bitten, einen herauszuziehen. Erstens besteht die Gefahr, dass diese selbst stecken bleibt. Zweitens ist es höchst unwahrscheinlich, dass jemand die nötige Kraft dazu besitzt. Und drittens würde, wenn doch, das Bein wahrscheinlich abbrechen.
In manchen Fällen helfen nur noch ausgebildete Retter. Mit speziellen Fahrzeugen und Matten können sie sich fortbewegen, ohne selbst einzusinken. Mithilfe einer Wasserpumpe verflüssigen sie anschliessend den Treibsand in unmittelbarer Nähe des Opfers, das schliesslich mit Klettergurt und Winde herausgezogen werden kann (siehe Video unten).
Treibsand in der Morecambe Bay:
(Video: Youtube/BaySearchAndRescue)
Rettungsaktion in der Morecambe Bay:
(Video: Youtube/BBC)
Treibsand in «Lawrence von Arabien»:
(Video: Youtube/LanceWeller)
(kri)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 22 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt




















Antigua
Antigua, ich dachte das sei eine Insel im Pc-Spiel Risen 2
Phantasienamen
Fantasy-Autoren sind bei der Wahl von Namen oft viel weniger phantasievoll als man denken würde. In Spielen und Büchern trifft man immer wieder auf Namen, die es tatsächlich gibt.
Super Mario
Bei Super Mario Bros gibt's auch Treibsand. Mit mehrmaligem Drücken auf den Spring-Button kommt man aber wieder raus :-)
Abgebrochenes bein?!
Ich zitiere: "Und drittens würde, wenn doch, das Bein wahrscheinlich abbrechen." Ist das jetzt ernst gemeint?! Und wenn doch, sorry für die frage, aber mich nimmt es wunder wie es soweit kommen kann, dass das bein abbrechen kann. Kann mir jemand auf die sprünge helfen?:D
Pinocchio
Das ist nur so wenn Pinocchio im Treibsand stecken bleibt!
Unterkühlung
Vielleicht durch die weiter oben angesprochene Unterkühlung ;)
versteh ich auch nicht.
halte ich auch für eher unwahrscheinlich
Treibsand ist zu stark
Sorry für die unpräzise Formulierung. Das Bein würde abreissen, weil die Kräfte des Treibsands so stark sind, dass es im Gegensatz zum Rest des Körpers im Sand stecken bleiben würde.
:)))
muss mir grad den bauch halten vor lachen.... genial:)))