Mythos entlarvt

22. Oktober 2012 12:25; Akt: 22.10.2012 12:58 Print

Wie gefährlich ist eigentlich Treibsand?

Kaum ein Naturphänomen ist derart mit Klischees behaftet wie Treibsand. Immer wieder kommen Menschen darin ums Leben – allerdings nicht so, wie es einem Abenteuerfilme weismachen.

Ausgabe der US-Sendung MythBusters zum Thema Treibsand. (Video: Youtube/DiscoveryNetworks)
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In den 1960er-Jahren war ein Abenteuerfilm kein Abenteuerfilm ohne eine dramatische Treibsand-Szene. Selbst Klassiker wie der siebenfache Oscar-Gewinner «Lawrence of Arabia» bedienten sich des beliebten Stilmittels. Der Ablauf war stets derselbe: Opfer gerät in Treibsand, sinkt langsam ein, versucht sich verzweifelt zu retten und beschleunigt damit seinen Untergang. Heute ist das heimtückische Naturphänomen fast gänzlich von den Leinwänden verschwunden. Bisweilen taucht es als Metapher in Überschriften der «Neuen Zürcher Zeitung» auf.

Mit der Realität hatten die Schauerszenen ohnehin nie viel zu tun. Ein komplettes Versinken im Treibsand ist physikalisch unmöglich, da er eine höhere Dichte aufweist als der menschliche Körper. Ein Einsinken bis zur Hüfte oder höchstens zum Brustkorb ist möglich, aber weiter nicht. Egal, wie sehr man strampelt. Kommt hinzu, dass die meisten Filmszenen in der Wüste spielen. Doch ob solcher Trocken-Treibsand in der Natur tatsächlich vorkommt, ist bis heute umstritten. Lediglich unter den künstlichen Bedingungen eines Labor-Experiments konnte er bisher nachgewiesen werden.

Nicht der Treibsand an sich ist tödlich

Der echte Treibsand ist ein zähflüssiges, wackliges Gemisch aus feinem Sand, Tonerde und Wasser. Trockene Sandkörner verdichten sich unter Druck, doch in wässriger Umgebung verschieben sie sich ohne grösseren Widerstand. Die winzigen Poren zwischen den Sandkörnern verhindern einen schnellen Abfluss der Flüssigkeit, was dem Gebilde eine gewisse Stabilität verleiht. Voraussetzung ist genügend Wasser. Treibsand ist deshalb häufig in unmittelbarer Nähe von Gewässern anzutreffen.

Und genau aufgrund dieser Eigenschaft kann er zur Todesfalle werden: Während ein komplettes Einsinken unmöglich ist, kann man heillos stecken bleiben – und in Meeresnähe in der aufkommenden Flut ertrinken. Im August starb so eine 33-jährige Frau an einem Strand in Antigua. Auch an den Wattenmeeren Europas ereignen sich immer wieder solche Unfälle. Wer alleine unterwegs ist, kann zudem an Durst, Unterkühlung oder Erschöpfung sterben.

Manchmal können nur noch Profis helfen

Was also tun, wenn es einen erwischt? «National Geographic» empfiehlt, mit langsamen Schlängel-Bewegungen zwischen Beinen und Treibsand Raum zu schaffen, in den Wasser nachfliessen kann. Das würde die zähe Masse verflüssigen und den Ausstieg erleichtern. Auf keinen Fall sollte man eine Begleitperson bitten, einen herauszuziehen. Erstens besteht die Gefahr, dass diese selbst stecken bleibt. Zweitens ist es höchst unwahrscheinlich, dass jemand die nötige Kraft dazu besitzt. Und drittens würde, wenn doch, das Bein wahrscheinlich abbrechen.

In manchen Fällen helfen nur noch ausgebildete Retter. Mit speziellen Fahrzeugen und Matten können sie sich fortbewegen, ohne selbst einzusinken. Mithilfe einer Wasserpumpe verflüssigen sie anschliessend den Treibsand in unmittelbarer Nähe des Opfers, das schliesslich mit Klettergurt und Winde herausgezogen werden kann (siehe Video unten).

Treibsand in der Morecambe Bay:

(Video: Youtube/BaySearchAndRescue)

Rettungsaktion in der Morecambe Bay:

(Video: Youtube/BBC)

Treibsand in «Lawrence von Arabien»:

(Video: Youtube/LanceWeller)

(kri)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klaus am 22.10.2012 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Volksverdummung

    Mythbusters sind eine Form von Volksverdummung. Die Themen die sie untersuchen sind alle nicht relevant und zum Teil recht fragwürdig. Das ist wieder einmal so ein typischer amerikanischer Klamauk, der ohne zu hinterfragen abgedruckt wird. Gibt es nichts anderes zu berichten?

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  • Luigi am 22.10.2012 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Super Mario

    Bei Super Mario Bros gibt's auch Treibsand. Mit mehrmaligem Drücken auf den Spring-Button kommt man aber wieder raus :-)

  • baba am 22.10.2012 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    bei grossem Tiedenhub

    An gewissen Küsten vor Alaska, so ein grosser Tiedenhub herscht wird auch gewarnt man soll nicht an den Strand gehen, da schon oft Autos im Treibsand stecken geblieben seien und dann die flut kam...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nohakerpro am 22.10.2012 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antigua

    Antigua, ich dachte das sei eine Insel im Pc-Spiel Risen 2

    • Cybot am 23.10.2012 12:28 Report Diesen Beitrag melden

      Phantasienamen

      Fantasy-Autoren sind bei der Wahl von Namen oft viel weniger phantasievoll als man denken würde. In Spielen und Büchern trifft man immer wieder auf Namen, die es tatsächlich gibt.

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  • Luigi am 22.10.2012 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Super Mario

    Bei Super Mario Bros gibt's auch Treibsand. Mit mehrmaligem Drücken auf den Spring-Button kommt man aber wieder raus :-)

  • Hüpferli am 22.10.2012 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abgebrochenes bein?!

    Ich zitiere: "Und drittens würde, wenn doch, das Bein wahrscheinlich abbrechen." Ist das jetzt ernst gemeint?! Und wenn doch, sorry für die frage, aber mich nimmt es wunder wie es soweit kommen kann, dass das bein abbrechen kann. Kann mir jemand auf die sprünge helfen?:D

    • Peter Steimann am 22.10.2012 23:19 Report Diesen Beitrag melden

      Pinocchio

      Das ist nur so wenn Pinocchio im Treibsand stecken bleibt!

    • Ueli Schwizer am 22.10.2012 23:51 Report Diesen Beitrag melden

      Unterkühlung

      Vielleicht durch die weiter oben angesprochene Unterkühlung ;)

    • roman meier am 23.10.2012 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      versteh ich auch nicht.

      halte ich auch für eher unwahrscheinlich

    • Kian Ramezani am 23.10.2012 12:22 Report Diesen Beitrag melden

      Treibsand ist zu stark

      Sorry für die unpräzise Formulierung. Das Bein würde abreissen, weil die Kräfte des Treibsands so stark sind, dass es im Gegensatz zum Rest des Körpers im Sand stecken bleiben würde.

    • Jana am 23.10.2012 13:42 Report Diesen Beitrag melden

      :)))

      muss mir grad den bauch halten vor lachen.... genial:)))

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  • Klaus am 22.10.2012 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Volksverdummung

    Mythbusters sind eine Form von Volksverdummung. Die Themen die sie untersuchen sind alle nicht relevant und zum Teil recht fragwürdig. Das ist wieder einmal so ein typischer amerikanischer Klamauk, der ohne zu hinterfragen abgedruckt wird. Gibt es nichts anderes zu berichten?

    • Ueli Schwizer am 22.10.2012 23:51 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Wissenschaftsformat

      Mythbusters ist auch eine Unterhaltungssendung ;)

    • Sweet J. am 23.10.2012 10:41 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Wissenschaftsformat

      Naja Potential für Lerneffekt hat die Sendung aber XD Ich meine, jeder der die Sendung verfolgt hat, weiss das man einen Betonmischer in dem Beton hart wurde, nur mit etwas C4 wegbringt. Zudem geht es in der Sendung ja um Mythen ob diese Realistisch durchführbar sind oder nicht, und nicht um wissen zu vermitteln.

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  • Karl Meier am 22.10.2012 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Lawrence of Arabia

    kan mir jemand schnell auf die Sprünge helfen. Die Musik im letzen youtube clip ist doch nicht von Maurice Jarre sonder von Ennio Morricone aus dem Film "The Good the Bad and The Ugly" oder lige ich da falsch??

    • Bolli Roman am 22.10.2012 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      musik

      meinte ich auch, vom finalen Duell. Moriccone definitiv!

    • sepp trütsch am 22.10.2012 17:23 Report Diesen Beitrag melden

      Absolut richtig

      Kein Vergleich. Das Original ist um Welten besser!

    • Luca Kronenberg am 22.10.2012 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Jackass

      Suche im YouTube mal nach dem Jackass 2 intro. Da kommt der Song auch vor, genau der gleiche

    • Mike am 22.10.2012 19:43 Report Diesen Beitrag melden

      Genau so

      isses

    • Cello am 22.10.2012 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Moricone

      Komponist ja song nein

    • Clint Eastwood am 22.10.2012 20:43 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt

      Da haben sie recht, es ist "Ecstasy of Gold" von Ennio Morricone.

    • Mathias S am 22.10.2012 20:47 Report Diesen Beitrag melden

      Korrekt,

      die Musik ist von The Good The Bad and The Ugly ;D

    • Ursli am 22.10.2012 21:33 Report Diesen Beitrag melden

      Aber klar doch

      Völlig richtig, das ist Morricones Werk zum Film The Good...

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