Überraschender Verdacht

13. Juni 2012 23:55; Akt: 13.06.2012 23:55 Print

Schlafen wir nicht, weil wir uns fürchten?

Anhaltende Schlaflosigkeit hat möglicherweise eine Ursache, die wir eher im Kinderzimmer vermuten: Angst vor der Dunkelheit. Die gibt man zwar ungern zu – aber sie wäre behandelbar.

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Nyktophobie, die Angst vor der Dunkelheit, ist nicht nur Kindern vorbehalten. Oftmals unerkannt, steckt sie manchmal hinter anhaltender Schlaflosigkeit. (Bild: Photocase.com/tobeys)

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Schlechte Laune, Liebeskummer, schwierige Entscheidungen - eine Mütze Schlaf kann Wunder wirken. Pech also für jene, die sich Nacht für Nacht halbwach hin- und herwerfen, um am Morgen unausgeschlafen und mit Augenringen wieder aufzustehen. Der Grund für die anhaltende Schlaflosigkeit könnte eine Phobie sein, die man eher Kindern zuschreibt: Die Angst vor der Dunkelheit.

Umfrage
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69 %
Insgesamt 514 Teilnehmer

Forscher der Ryerson Universität in Toronto haben die Theorie in ihrem Schlaflabor getestet und 93 Leute beim Schlafen beobachtet, schreibt «CBC News». Die Hälfte von ihnen gab an, gut schlafen zu können, die andere Hälfte klagte über Schlafprobleme. Die Probanden schliefen einmal im dunklen Zimmer, einmal bei Licht.

Mit Kopfhöhrer wurden den Schlafenden in unregelmässigen Abständen Geräusche ins Ohr gespielt. Dies schien den Schlaf nicht zu beeinflussen, solange es hell war. Im dunklen Zimmer aber schreckten die schlechten Schläfer auf oder blinzelten verstärkt. Im Verlauf der Nacht wurden die Reaktionen stärker, nur schon die Vorankündigung auf die kommende Geräusche (durch einen Ton) liess sie unruhig werden.

Rettung in Sicht

Geht die Schlaflosigkeit bei einer Person auf Nyktophobie zurück, die unbegründete Angst vor Dunkelheit oder der Nacht, ist das den Betroffenen nicht unbedingt bewusst. Auch könnte es Erwachsenen schwer fallen, sich oder anderen einzugestehen, dass sie sich im Dunkeln fürchten. Dafür ist aber Rettung in Sicht. Denn wenn warme Honigmilch oder beruhigende Musik nicht weiterhelfen, könnte eine kognitive Verhaltenstherapie den ersehnten Schlaf bringen.

Normalerweise wird Leuten mit Schlafprobleme geraten, sich in ein anderes Zimmer zu begeben und zu lesen oder sich andersweitig zu beschäftigen, bis sie schläfrig werden. Das kommt einer Vermeidung des Problems gleich, was eine bestehende Phobie verschlimmere, so Colleen Carney, Direktorin des Schlaflabors an der Universität in Toronto, die die Studie am Montag an einer Konferenz in Boston präsentierte. Carney hatte bei ihrer Arbeit im Schlaflabor festgestellt, dass viele Leute mit Licht oder eingeschaltetem Fernseher oder Computer einschliefen.

Im weiteren Verlauf der Studie muss abgeklärt werden, wie stark das Problem verbreitet ist und ob Alter oder das Geschlecht bei der Phobie eine Rolle spielen.

(fvo)