Internationale Studie

30. Juni 2017 12:17; Akt: 30.06.2017 12:17 Print

Schweizer Chemikalie als Bienenkiller entlarvt

Syngenta und Bayer haben den Einfluss von zwei Pestiziden auf Bienen untersuchen lassen. Das Ergebnis der Feldstudie: Die Mittel sind schädlich.

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Seit 2013 dürfen die Insektizide Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid in der EU und der Schweiz nur noch sehr begrenzt eingesetzt werden. Dieses Moratorium wurde aufgrund mehrerer Studien verhängt, die belegten, dass diese Neonikotinoid-Insektizide (NNI) negative Auswirkungen auf Bienen haben. NNI werden häufig als Saatgutbeizmittel eingesetzt. Beim Wachsen verteilt sich das Gift auf auf Pollen und Nektar.

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Kritiker des Moratoriums bemängeln, die Laborstudien seien nicht unter realistischen Bedingungen erfolgt, die Belastungen der Insekten seien viel höher gewesen als im Freiland zu erwarten. Sie führen Studien an, die keine oder nur geringfügige negative Effekte zeigten.

Ein Team um Ben Woodcock vom britischen Natural Environment Research Council hat nun Freilandversuche in Deutschland, Ungarn und Grossbritannien gestartet. Finanziert wurden sie von Bayer CropScience und Syngenta, den Herstellern der getesteten Neonikotinoide Clothianidin und Thiamethoxam.

Bienen auf behandelten Rapsfeldern

Die Forscher setzten in den drei Ländern Honigbienen, Erdhummeln und Rote Mauerbienen neben Rapsfeldern aus. An allen Standorten wuchsen auf einem Teil der Felder Pflanzen, deren Samen unter anderem mit NNIs behandelt worden waren. Ein Ergebnis: In Grossbritannien und in Ungarn sank die Überwinterungsfähigkeit der Honigbienen neben den NNI-Feldern.

In Deutschland fanden die Forscher diesen Effekt hingegen nicht. Warum, können sie nicht genau erklären. In allen drei Ländern schmälerten Neonikotinoid-Rückstände in den Nestern zudem den Fortpflanzungserfolg der Hummel und der Wildbienen-Art.

Philippe Schenkel, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace Schweiz, sagt: «Wieder einmal kommt eine Studie zum Schluss, dass Neonikotinoide Honigbienen sowie Wildbienen schädigen. Es ist höchste Zeit, diese Pestizide aus dem Verkehr zu ziehen. Bienen sowie Wildbestäuber sind für unsere Lebensmittelproduktion unverzichtbar, ihr Schutz muss unsere oberste Priorität sein.»

Unabhängige Forscher bewerten die Studie in Teilen problematisch. Es gebe methodische Schwächen, die gemessenen Parameter seien sehr grob. So variiere die Menge an Neonikotinoiden, die ausgebracht wurde, kritisiert etwa der Ökotoxikologe Carsten Brühl von der Universität Koblenz-Landau. Dennoch zeige die Studie klare Effekte auf Honig- und Wildbienen.

Belastung im Bienennest

In einer zweiten Studie massen kanadische Forscher um Nadia Tsvetkov von der York University in Toronto die NNI-Belastung in Kolonien von Honigbienen, die neben Feldern oder fernab davon lebten. In den Kolonien neben den Feldern fanden sie deutlich häufiger NNIs und andere Chemikalien – in den Tieren sowie in Pollen und im Honig.

Dies deute darauf hin, dass sich die wasserlöslichen NNI von den Feldern in die Umgebung ausbreiten, schreiben die Forscher. Sie zeigten etwa auch, dass das Hygieneverhalten der Bienen beeinträchtigt wurde und dass Fungizide die Giftwirkung der Neonikotinoide verstärken.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Salmayka Weiss am 30.06.2017 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeit ist reif...

    ... überreif für ein radikales Umdenken! Lebensfeindliche Chemiebehandlungen müssen zwingend eingestellt werden. Es gibt alternative Methoden um Schädlinge von den Kulturen fernzuhalten. Unser Wasser ist verpestet, Bienen sterben, die Seen haben kaum Fische. Sind das nicht genug Zeichen? Und trotzdem muss der Umweltschutz um jeden Franken betteln. Leute das ist unsere Lebensgrundlage.

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  • Tomi am 30.06.2017 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schade für die ausgegebenen Millionen

    Und für diese Erkenntnis wurden Millionen investiert. Ist eigentlich jedem vernünftigen Menschen sofort klar, dass Pestizide auch für Bienen schädlich ist.

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  • Bluesbrother am 30.06.2017 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    St.-Pharma-Lobby adieu!

    Na dann verbietet diese NNI! Auf was warten die noch? Das OK von Syngenta?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Bienlein am 30.06.2017 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Hoppala

    Nummer 3 ist sehr wahrscheinlich keine echte Biene, sondern eine Mistbiene (Eristalis tenax), eine sehr bienenähnliche Schwebfliege.

  • Klugsch*er am 30.06.2017 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Um der Bienen willen, nicht wegen uns

    " Ja, ohne Bienen haben wir nichts mehr zu essen. Ja, ohne Bienen haben wir nichts mehr zu essen." In der Bioethik nennt man diesen Gedankengang Anthropozentrismus. Der Mensch kümmert sich nur um die Bienen, weil er sonst nichts zu essen hat. Dabei wäre es ja auch möglich die Bienen um ihrer selbst willen zu achten und zu schützen. Das wäre dann ein Physiozentrismus.

  • Pascal am 30.06.2017 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Jahrelang hiess es ungefärhlich

    Ich erinnere mich jahrelang hat es immer geheissen Pestizide seien nicht am Bienensterben schuld obwohl es viele Leute gesagt haben.

  • Bartli am 30.06.2017 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wundere mich sehr

    Den Verdacht hatten doch nicht wenige schon vor 20 Jahren, inkl. ich selber. Warum erst jetzt das Ergebnis? Mir scheint die neue Generation ist für die Globalisierer wertvoller wie die letzte Generation. Die konnte man ja samt Insekten und Tiere mit dem Giftzeugs eindecken.

  • Röby K. am 30.06.2017 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur und Leben

    Solange es Menschen gibt die Macht, Freizeit und Geld lieben wird es die Natur nicht mehr Richten können ! Der Mensch und sein Verlangen nach Technik und Spass zerstört das gesunde Leben. Macht doch nichts denn so geht es der Finanzwirtschaft gut; - nur der eingendlichen wertvollen Wirtschaft entfernt sich der gesunde Verstand mit der ja am schluss alles gute zusammen hängt.

    • Bartli am 30.06.2017 16:55 Report Diesen Beitrag melden

      Derart Fragen sind berechtigt.

      Salmayka Weiss, das ist nun wahrlich längst bekannt. Die Frage lautet; warum erst jetzt. Oder geht es nun um das Überleben einer reichen und besser gebildeten Gesellschaft? Das Problem des Bienensterbens und das mit Pestiziden ist wahrlich schon lange bekannt. Braucht man dafür tatsächlich so lange Zeit, um zu diesen Fakten zu gelangen? War denn die letzte Generation, die Tiere, wie auch Fische und Insekten weniger schützenswert oder nahm man das täglich Gift einfach in Kauf.

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