Interstellarer Asteroid

21. November 2017 11:41; Akt: 21.11.2017 11:41 Print

«Ein Besucher aus einem weit entfernten System»

Astronomen haben dem Asteroiden 'Oumuamua aus dem interstellaren Raum, der kürzlich unser Sonnensystem besuchte, einige seiner Geheimnisse entlockt.

'Oumuamuas Weg durch unser Sonnensystem. (Video: ESO)
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Es war nur ein kleiner Lichtpunkt am Himmel, den das Pan-STARRS-1-Teleskop auf Hawaii am 19. Oktober 2017 entdeckte. Er sah aus wie ein typischer kleiner Asteroid, der sich mit hoher Geschwindigkeit bewegte. Doch seine Bahn verriet schnell: Dieser Körper stammt nicht wie alle anderen jemals zuvor beobachteten Asteroiden oder Kometen aus unserem Sonnensystem, sondern aus dem interstellaren Raum.

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Sofort richteten andere Observatorien ihre Teleskope auf den seltenen Besucher, so auch das VLT (Very Large Telescope) der Europäischen Südsternwarte ESO. Obwohl der Asteroid sich bereits wieder aus dem Sonnensystem herausbewegte, hatte er noch weitere Überraschungen auf Lager.

Zehnmal so lang wie breit

So fand ein Astronomenteam durch die Kombination der Aufnahmen mehrerer Teleskope heraus, dass sich die Helligkeit von 'Oumuamua dramatisch um einen Faktor zehn ändert, da er sich alle 7,3 Stunden um seine eigene Achse dreht.

Karen Meech vom Institute for Astronomy auf Hawaii sagte dazu gemäss einer Mitteilung: «Diese ungewöhnlich starke Helligkeitsänderung deutet darauf hin, dass das Objekt sehr langgezogen sein muss: etwa zehnmal so lang wie breit, mit einer komplexen, gewundenen Form. Wir fanden auch heraus, dass es eine dunkelrote Farbe besitzt, ähnlich wie Objekte im äussersten Bereich des Sonnensystems. Ausserdem konnten wir bestätigen, dass es vollständig inaktiv ist, weil wir in seiner direkten Umgebung nicht den geringsten Hinweis auf Staub finden konnten.»

95'000 km/h schnell

Ein Asteroid mit dieser Form wurde bisher noch nie beobachtet. Seine Länge wird auf etwa 400 Meter geschätzt. Er kommt in etwa aus der Richtung der heutigen Position des hellen Sterns Vega im nördlichen Sternbild Leier. Als das Objekt vor 300'000 Jahren dort war – es bewegt sich mit 95'000 km/h – war Vega allerdings nicht in der Nähe dieser Position. Die Astronomen vermuten, dass 'Oumuamua seit Hunderten Millionen von Jahren durch die Milchstrasse gereist sein könnte, ohne an irgendein Sternensystem gebunden zu sein, bevor das Objekt zufällig nun auf das Sonnensystem traf.

Es wird angenommen, dass etwa einmal pro Jahr ein interstellarer Asteroid wie 'Oumuamua durch das innere Sonnensystem hindurchfliegt. Da solche Objekte aber sehr lichtschwach und damit schwer zu finden sind, wurde bisher nie eines beobachtet.

«Geschichtsträchtige Entdeckung»

Entsprechend euphorisch ist Paul Chodas, Leiter des Zentrums für erdnahe Objekte am Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Kalifornien: «Welch faszinierende Entdeckung! Es ist ein fremdartiger Besucher aus einem weit entfernten Sternensystem mit einer Form, wie wir sie noch nie gesehen haben in der Umgebung unseres Sonnensystems.»

Thomas Zurbuchen, der Wissenschaftsdirektor der Nasa aus dem Berner Oberland, sagte dazu in einer Mitteilung: «Diese geschichtsträchtige Entdeckung öffnet eine neues Fenster, um die Entstehung von Sonnensystemen ausserhalb unseres eigenen zu studieren.»

Der volle Name des Asteroiden lautet 1I/'Oumuamua. ʻOumuamua ist Hawaiianisch und bedeutet in etwa «Bote aus der Ferne, der zuerst ankommt». Die Erkenntnisse wurden im Fachjournal «Nature» (PDF) veröffentlicht.


Nasa-Experten sprechen über ihre Erkenntnisse zu ʻOumuamua. (Video: Nasa)

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Antonov am 21.11.2017 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warnung.

    Hoffentlich umfliegt er die Schweiz. Sonst riskiert er Lebenslänglich und mit 500'000.- Busse ins Gefängnis zu kommen. Und Führerschein Entzug auf Lebenszeit.

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  • Major Reto am 21.11.2017 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blauer Planet

    Das war kein Asteroid, sondern eine Sonde, welche die Galaxie im Auftrag einer uns nicht bekannten hochentwickelten Spezies, katalogisiert. Mittlerweile aber, die Sonde ist ja schon ewig unterwegs, existiert diese Spezies nicht mehr, so dass keiner bemerkt, dass die Sonde so einen kleinen blauen Planeten entdeckt hat, auf dem lauter Ungeziefer herumrennt.

  • DylanSchmidt am 21.11.2017 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Toll und wahnsinnig wenn man bedenkt, dass ein 400 Meter langes Objekt mit 95000 km/h durch das All fliegt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ili am 22.11.2017 00:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Starmap

    Zum Glück nur ein Asteroid und nicht eine Singularität.

  • Didi am 21.11.2017 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Arkonidisches Postschiff

    Ach das war doch bloss das Postschiff von Arkon, das mir meine lang versprochene Lieferung arkonidischer Maschmelos gebracht hat. Die Ladung haben sie gestern mit Fallschirm in meinem Garten abgeworfen. Jetzt bin ich mir noch im Unklaren, ob ich dafür bei der ESTV die Bezugssteuer deklarieren soll ...

  • Space Nomad am 21.11.2017 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein leuchtender Daumen

    Endlich kommt jemand geflogen. Nehmt mich mit, nehmt mich mit. Ich steh schon seit unzähligen Leben hier, und halte meinen leuchtenden Daumen hoch. Jyoti Lingham heisst dieser Daumen in Sanskrit, der Sprache der Ancient Aliens...

  • M. Gerber am 21.11.2017 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Buchtipp

    Arthur C. Clarke - Rendezvous with Rama. Handlung: Selbe wie hier, aber die Menschen bemerken grade noch rechtzeitig, dass es sich um ein künstliches Objekt handelt, um eine kleine Besatzung hinzuschicken und es zu erforschen...

  • N.Stadelmann am 21.11.2017 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Erforschung des Alls ist wichtiger

    Wir sollten die ganzen Milliarden welche ständig in das Militär gehen grösstenteils in die Erforschung des Alls stecken, anstatt uns am Boden gegenseitig zu Bekämpfen.

    • René am 21.11.2017 14:35 Report Diesen Beitrag melden

      Planet

      Sollte man nicht eher schauen, dass es uns auf unserem aktuellen Planeten gut geht?

    • Skipper1 am 21.11.2017 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @N.Stadelmann

      Mich interessiert das All nicht wirklich. Es wäre viel sinnvoller darum besorgt zu sein, dass die winzigen, nichts bewirkenden Menschlein endlich in Frieden auf unserer wunderschönen Erde leben können, so lange das noch möglich ist.

    • Ili am 22.11.2017 00:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @René

      Naja wenn eine Singularität auf uns zu kommt dann nützt die Sorge um unseren Planeten auch nichts mehr.

    • Appeeri am 22.11.2017 17:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Skipper1

      Evtl. finden wir aber im All etwas das uns Menschen dabei helfen könnte unseren Planeten zu retten. z.Bsp. ein neues Material mit dem man Akkus bauen könnte in denen man Blitzenergie speichern kann. Das Energieproblem wäre damit Weltweit gelöst ohne KKW's, doofe Windräder und riesige Solarpanelen. Für neue Lösungen muss man weiter denken als bis zum Tellerrand. Und auch auf Bedrohungen aus dem All (Meteoriten usw.) kann man nur mit genug Grundlagenforschung reagieren

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