Fremdlinge

05. Mai 2011 22:58; Akt: 06.05.2011 12:19 Print

Wenn importierte Tiere zum Problem werden

von Fee Riebeling - Auch Tiere nutzen moderne Transportmittel und reisen um die Welt. Wo es ihnen gefällt, da bleiben sie – oft zum Leidwesen der einheimischen Arten.

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Dass Tiere neue Lebensräume erobern, ist nicht neu. Im Nahbereich dauert dieser Vorgang viele Jahre und die einheimischen Arten haben Zeit, sich auf die Einwanderer einzustellen. Über Kontinente hinweg können sich Tiere normalerweise aber nicht ausbreiten. Fortbewegungsmittel wie Auto, Zug, Flugzeug oder Schiff haben aber die Reichweite und das Tempo der Zuwanderung erhöht. So werden einige Arten bewusst eingeführt, andere reisen unbemerkt ein.

Viele Neuankömmlinge vermehren sich schnell und verbreiten sich so stark, dass sie einheimische Tier- und Pflanzenarten, aber auch die Gesundheit der Menschen gefährden. Wir zeigen einige dieser invasiven Tiere, die sich hierzulande schon niedergelassen haben.

Kleiner Käfer, grosser Fresser

Der aus Südasien stammende Marienkäfer wurde Ende des 20. Jahrhunderts in einigen Ländern Europas grossflächig als biologische Waffe gegen Blattläuse eingesetzt. Heute ist er in mehr als 20 europäischen Ländern, aber auch in Südamerika und Südafrika zu Hause. Nur wenige der einheimischen Arten können sich gegen den Zuwanderer zur Wehr setzen, denn dieser pflanzt sich bis zu fünf Mal im Jahr fort. Die Folgen: Der Asiate verdrängt einheimische Marienkäfer und andere Blattlaus-Fresser. Ausserdem: Wenn er in die Weinpresse gerät, gibt er Substanzen ab, die den Wein ungeniessbar machen.

Schädlicher Nager

Um die britische Fauna aufzuwerten, wurden Grauhörnchen 1889 aus den USA importiert. Heute leben in England mehrere Millionen. Eichhörnchen sind hingegen selten geworden. Dasselbe Bild in Italien. Der Grund: Die Grauhörnchen übertragen ein für die Eichhörnchen tödliches
Virus. Weil die Zuwanderer die Rinde von jungen Bäumen abschälen, schaden sie auch Wäldern. Die Berner Konvention, ein völkerrechtlicher Vertrag, sieht vor, die Grauhörnchen europaweit auszurotten. Das ist bisher aber noch nicht gelungen.

Fieser Zerstörer
Von Südamerika aus wurden Nutrias in die ganze Welt exportiert. Das Fell der Biberratten war beliebt, man züchtete sie auf Farmen. Als die Nachfrage nach dem Fell sank, wurden die Tiere freigelassen. Nutrias vermehren sich schnell: Schon im ersten Altersjahr können Weibchen bis zu fünfzehn Junge werfen. Sie leben in Feuchtgebieten, wo sie viele Pflanzen komplett fressen. So vernichten sie die Vegetation und verdrängen andere Tiere. Ihre Tunnelsysteme reduzieren zudem die Stabilität von Schutzbauten wie Dämme.

Böser Stecher

Ursprünglich in Südasien, Indien, Japan und Madagaskar zu Hause, erreichte die Asiatische Tigermücke Anfang der 1980er-Jahre die USA. Den Sprung über den Ozean schaffte sie als blinder Passagier in Altreifen, die in Amerika recycelt werden sollten. Ebenfalls mit der Hilfe von Pneus gelangte sie 1990 nach Europa. Anders als europäische Arten sticht die Tigermücke auch tagsüber. Sie kann mehr als 20 Virus-Krankheiten übertragen.