Wissenstransfer

26. April 2012 23:55; Akt: 26.04.2012 23:55 Print

Die Bauern kamen aus dem Süden

Während in den nördlichen Gefilden Europas vor 5000 Jahren noch munter gejagt wurde, zogen Südeuropäer los, um den Nordländern das Bauern beizubringen. Dies hat die Analyse steinzeitlicher Skelette ergeben.

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Der Ackerbau begann in südlichen Gefilden bereits vor 5000 Jahren (Bild: Reuters/Nicolas Misculin )

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Wie entwickelte sich die Menschheit von Jägern und Sammlern hin zur Landwirtschaft? Forscher befinden in einer neuen Studie, dass die Südeuropäer dieses Wissen verbreiteten - und ganz nebenbei ihr Erbgut verteilten.

Menschen aus Südeuropa sollen landwirtschaftliches Know-how bis nach Skandinavien gebracht haben. Das ist das Ergebnis der genetischen Untersuchung von vier etwa 5000 Jahre alten Skeletten in Schweden.

Vermutlich seien Bauern aus dem Mittelmeerraum schon in der Steinzeit bis dorthin gewandert, schreiben Experten der Universität im schwedischen Uppsala sowie von den Hochschulen in Stockholm und Kopenhagen am Donnerstag im US-Journal «Science».

Herkunft in den Genen nachweisbar

Das Wissen über Landwirtschaft war wohl nicht das einzige, was die Menschen aus dem Mittelmeerraum mit in den Norden brachten. Vermutlich fanden sie auch Gefallen an den dort lebenden Jägern und Sammlern. Eine Liebe mit Folgen: Möglicherweise sei so die Grundlage für das Erbgut moderner Europäer entstanden, meinen die Experten.

«Wir analysierten genetische Daten von zwei verschiedenen Kulturen - zum einen von Jägern und Sammlern und zum anderen von Bauern - die etwa zeitgleich lebten. Und zwar weniger als 400 Kilometer voneinander entfernt», zitiert die Amerikanische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft (AAAS) Pontus Skoglund aus Uppsala.

Die Forscher verglichen die Daten mit denen heute lebender Menschen und entdeckten Ähnlichkeiten: Das Genmaterial der steinzeitlichen Jäger und Sammler glich vor allem dem moderner Finnen. Das der Bauern passte zu dem der Südeuropäer - besonders aus dem Mittelmeerraum, beispielsweise aus Zypern.

Ackerbau schon vor 5000 Jahren

Vor dem archäologischen Kontext deuteten die Erkenntnisse darauf hin, dass Bauern in der Steinzeit vom Süden in den Norden durch Europa wanderten, wie die AAAS mitteilt. Die Landwirtschaft entwickelte sich demnach im Nahen Osten vor etwa 11 000 Jahren und war vor etwa 5000 Jahren bereits weitgehend auf dem europäischen Kontinent verbreitet. Die Art und Weise, wie die Toten begraben waren, verriet den Forschern, ob es sich um Bauern oder Jäger und Sammler handelte.

Laut Autor Mattias Jakobsson sei der Beginn der Landwirtschaft eine wichtige Grundlage unserer modernen Gesellschaft gewesen. «Die Studie bekräftigt die These, dass die landwirtschaftliche Revolution von Menschen angetrieben wurde, die aus Südeuropa immigriert waren», schreiben die Forscher in einer Mitteilung der Universität Uppsala.

Dass die Bauern mehrere Generationen lang Seite an Seite mit den Jägern und Sammlern lebten - und sie sich dann eventuell untereinander fortpflanzten - erkläre das Muster genetischer Abweichungen, das heute lebende Europäer charakterisiere.

(sda)