Grösse des Kanton Wallis

01. Februar 2017 17:45; Akt: 01.02.2017 19:06 Print

Ein Rieseneisberg bricht in der Antarktis ab

Von Zürich bis Lausanne: Ein 175 Kilometer langer Riss im Larsen-Schelfeis droht eine Eisfläche so gross wie der Kanton Wallis abzutrennen.

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Forscher erwarten demnächst ein ganz besonderes Spektakel in der Antarktis: Ein Rieseneisberg wird sich ablösen, fast so gross wie der Kanton Wallis. Ob der Klimawandel etwas damit zu tun hat, ist unklar.

Wie lange es noch dauert, weiss keiner. Es kann Wochen oder Monate dauern, aber vermutlich kein Jahr mehr: In der Antarktis wird einer der grössten Eisberge entstehen, die Forscher bisher registriert haben. Mit rund 5000 Quadratkilometern wird er fast so gross sein wie der Kanton Wallis. Der Koloss ist dabei, sich vom Larsen-C-Schelfeis zu lösen.

Natürlicher Prozess?

Schelfeise sind auf dem Meer schwimmende Eisplatten, die von Gletschern gespeist werden und mit ihnen noch verbunden sind. «Der Eisberg hängt am seidenen Faden», sagt Adrian Luckman, Leiter des Midas-Projekts der britischen Universität Swansea, das sich mit dem entstehenden Eisberg beschäftigt.

Satellitenbilder zeigen einen 175 Kilometer langen Riss im Larsen-C-Schelfeis. Nur noch 20 Kilometer fehlen, bis sich der Eisblock abtrennt. Kalben nennt sich der Vorgang. «Das ist ein natürlicher Prozess im Schelfeis», sagt die Glaziologin Daniela Jansen vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. «Sonst würde es ja immer weiter ins Meer hinauswachsen.» Schliesslich fliesse von Land her immer neues Eis nach.

Erholt sich das Schelfeis?

Trotzdem sind die Wissenschaftler alarmiert. Denn noch sei völlig unklar, ob das jetzige Kalben tatsächlich ein normaler Prozess ist oder sich das Schelfeis im Anschluss dauerhaft zurückzieht, so Jansen.

In den letzten zwei Jahrzehnten sind bereits sieben Schelfeise von insgesamt zwölf an der Antarktischen Halbinsel zerfallen oder sehr stark zurückgegangen. «Das hat ziemlich sicher mit der Erwärmung zu tun», sagt die Glaziologin. Experten vermuten, dass Schmelzwasser an der Oberfläche die Schelfeise instabil werden lässt.

«Temperaturen sind deutlich gestiegen»

«Ein Problem für das Verständnis dieses Prozesses sind unsere kurzen Beobachtungsreihen», schreibt AWI-Wissenschaftler Olaf Eisen in einem Blogbeitrag. Seit rund 40 Jahren können Forscher überhaupt erst flächendeckend auf Daten zurückgreifen, die solche Beobachtungen möglich machen.

«Unbestritten ist jedoch, dass die Temperaturen an der Antarktischen Halbinsel in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen sind, weshalb wir hier einen Zusammenhang vermuten beziehungsweise nicht ausschliessen können», schreibt der Forscher weiter.

Bröckelnde Kante

Bricht der aktuell entstehende Eisberg ab, ist die Front des Larsen-C-Schelfeises so weit zurückgebrochen wie nie zuvor beobachtet. «Modellrechnungen zeigen, dass die Kante langfristig instabil werden und sich dauerhaft zurückziehen kann», so Jansen. Geografisch würde sich dadurch einiges ändern. Ob die Computersimulationen stimmen, werde die Zukunft zeigen.

Dafür spricht allerdings die Entwicklung des Larsen-B-Schelfeises. Dort löste sich im Jahr 2002 ein Eisberg ab. «Danach ist die Kante immer weiter abgebröckelt, das Schelfeis hat sich nicht erholt», betont die Wissenschaftlerin. Wenn aber in der Bucht Schelfeis fehle, haben die Gletscher weniger Halt. «Wenn mehr Eis ins Wasser fliesst, steigt der Meeresspiegel.»

Die Grösse des künftigen Eisbergs vom Larsen-C-Schelfeis ist so oder so etwas Besonderes. Jansen beobachtet den Vorgang deshalb mit Spannung fast täglich an ihrem Computer. Im Jahr 2000 löste sich im Ross-Schelfeis ein Eisberg, der doppelt so gross war wie der, der jetzt entsteht. «Seitdem gab es keinen grösseren», berichtet Jansen.

Kein Risiko für Schiffe

Der Eisberg kann auf dem Meer treibend Tausende Kilometer zurücklegen. «Er wird vermutlich entlang der antarktischen Halbinsel nach Norden driften und dann weiter Richtung Osten», sagt Jansen. Es sei schon vorgekommen, dass Eisberge bis an die brasilianische Küste schwimmen. Eine Gefahr für die Schifffahrt oder für Menschen bestehe aber nicht.

Wahrscheinlich sei, dass der Eisberg vor der Inselgruppe South Georgia, 1400 Kilometer östlich der argentinischen Küste, im wärmeren Ozeanwasser vollständig schmilzt. «Das kann ein Jahr oder länger dauern», sagt Jansen. «Der Eisberg wird wahrscheinlich relativ stabil sein und nicht in viele Teile zerfallen.» Per Satellit wären seine Positionen sehr gut zu bestimmen. «Schiffe können so gewarnt werden.»

(mch)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ice Age am 01.02.2017 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ice Age

    Das kann nur Scrat gewesen sein der eine Eichel in den Boden gerammt hat.

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  • FernLeser am 01.02.2017 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten

    "Ob der Klimawandel damit zu tun hat ist noch unklar." yjs, dann warten wir mal ab ob ein Beckennerscheiben kommt. Falls es nicht der Klimawandel war, müssen es die Moslems gewesen sein!

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  • Prof Mutter Erde am 01.02.2017 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geschieht was geschehen muss...

    Bis jetzt ist es schon nach jeder Eiszeit wieder wärmer geworden. Daran können auch wir Menschen nichts ändern. In ein paar 1000 Jahren kommt dann wieder die nächste Eiszeit und die halbe Welt wird wieder von Eis bedeckt sein. Ales ganz normal.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ice Börg am 03.02.2017 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht

    Ist es auch ganz gut so? Das Meer braucht sicher mal wieder eine ordentliche Portion Süsswasser um gesünder zu werden.. Ja guckst du - warum denn nicht? Die wissen es nicht, dann darf ich doch auch mal raten :-)

  • orkus666 am 02.02.2017 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe in Sicht

    Folgt dem SVP-Strategen: Gegen die schmelzenden Pole hilft nur der Bau weiterer Atom-Kraftwerke.

  • Kamez am 02.02.2017 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Schleppern Eis i.d.Wüsten

    Schleppt das Eis mit gr. Schiffen Richtung Wüsten dieser Welt.

  • Dani am 02.02.2017 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Fertig Auto

    Wir müssen endlich weniger Autofahren. Sonst sind Holland und die Malediven bald Teil des Ozeans.

    • Kevin am 02.02.2017 10:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Ja genau... Die weltweite Industrie produziert fast 50x soviele Schadstoffe wie die weltweite Nutzung von Fahrzeugen... aber klar ich fahr ab jetzt mit dem Zug zur Arbeit der durch deutsch-Importierte Kohlekraft betrieben wird, die wesentlich schädlicher ist, als wenn alle Pendler in diesem Zug Auto fahren...

    • Rolf Gysling am 02.02.2017 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kevin

      So ein Quatsch. Weltweit gibt es ca 1mia Autos (Wahnsinn nicht?). 30% des weltweiten CO2 stammen aus dem Strassenverkehr gefolgt von Haushalten, Industrie und erst dann Flugzeuge/Frachtschiffe. Und die SBB deckt einen grossteil durch Wasserkraft. Die SBB deckt 17% des Personenverkehrs und 47% des Güterverkehrs mit nur 4% des Energieverbrauchs für Verkehr. Merkst Du was?

    • peter am 02.02.2017 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      gehts noch

      ich liebe autos und sonst müssen wir einfach etwas höher leben. wegen den malediven oder holland würde ich nie darauf verzichten. sind keine schöne ferienländer

    • feibel zed am 02.02.2017 12:15 Report Diesen Beitrag melden

      Schwefeloxid

      Kevin hat nicht unrecht, er sprach von Schadstoffen. Wie hier z.B:

    • Peter Moser am 02.02.2017 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf Gylsing

      Es sind rund 20%. Wirtschaft stösst ca. 14% und der grösste Anteil mit 47% ist die Energiewirtschaft. Also schön dran denken, wenn Sie heute abend IHR Handy aufladen vom vielen Kommentarschreiben.

    • Tho mas am 02.02.2017 13:54 Report Diesen Beitrag melden

      30% Co2 von Autos? Alle Schiffe?

      @Gysling So ein Quatsch. Allein das weltgrößte Containerschiff, die Emma Maersk, pustet auf den Fahrten zwischen China und Europa 300.000 Tonnen CO2 pro Jahr in die Luft - etwa so viel wie ein mittelgroßes Kohle-Kraftwerk. Und wie viele Schiffe gibt es?

    • MArtin am 02.02.2017 14:15 Report Diesen Beitrag melden

      Planet macht seine Eigenen Regeln

      und alle denken immernoch das wir Menschen dafür verantwortlich sind. Was war früher ? mit denn Dinos ? Eiszeit .. keine Eiszeit ... Eiszeit ... keine Eiszeit. Ich sags nochmal Deutlich. Wir können das Klima eines Planeten nicht beeinflussen mit unseren "winzigen" Fabriken. Wiedermal nur Panikmache wegen eines Natürlichen Ereignisses.

    • Rolf Gysling am 02.02.2017 15:22 Report Diesen Beitrag melden

      @Tho mas

      Die Schweiz hat 2014 im Schnitt pro Kopf 625l Benzin verbraucht. Bei 8Mio Einwohnern und einer CO2 Emission von ca 2.33Kg pro Liter Benzin kommen wir auf ungefähr 12'500'000t Pro Jahr. Dazu noch der Dieselverbrauch wovon ich auf die schnelle keine Zahlen gefunden habe. Grosse Frachter gibt es weltweit 10'000. Im Vergleich zum Benzinverbrauch der CH ist das also nicht mal soo viel. Auf die Bevölkerung gerechnet wären das für alle Schiffe ca : 3'000'000t und somit keine 25% des CO2 durch Benzin!

    • Kevin am 03.02.2017 11:22 Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf Gysling

      Sie sollten auch nicht auf die "schnelle" einige Zahlen von der Grünen-Fanseite abkupfern, die entsprechen sowenig der Realität wie die Tatsache das die Schweiz den Klimawandel alleine bekämpfen kann.

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  • MenschMeier am 02.02.2017 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel !Film: Chasing Ice!

    Alle die hier schreiben "dies ist normal" der Mensch sei nicht schuld. Sorry, genau diese Reaktion zeigt wie die Gesellschaft heute tickt, Hauptsache ich habe damit nichts zu tun, denn wenn wir etwas der Erde zurückgeben müssten, müssten wir ja auf etwas verzichten! Ist das nicht der Hauptgrund für alle Ausreden!?! Ja es gibt immer ein Klimawandel, doch für eine 4.6 Milliarden alte Erde geht der Klimawandel viel zu schnell und das ist die Handschrift des Menschen! Die Erde wird sich anpassen, doch 80% der Menschheit lebt am Meer und der Meeresspiegel wird steigen und Sand ist schon knapp!

    • Peter Moser am 02.02.2017 08:14 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz langsam und tief Luft holen

      Wir können uns nicht vermehren wie die Karnickel und denken mit ein wenig Strom und Bezinsparen sei alles erledigt. Das Hauptproblem ist die Bevölkerungsexplosion. Wir haben uns in den letzten 150 Jahren versiebenfacht, das ist der Hauptgrund. Doch aus ethischen Gründen will niemand darüber reden und man betreibt einfach etwas sehr teuere Pflästerlipolitik!

    • Fubar am 02.02.2017 18:37 Report Diesen Beitrag melden

      Sand soll knapp sein???

      Ähem, es hat praktisch unendlich viel Sand in den diversen Wüsten dieser Erde. Wieso soll Sand knapp sein/werden?

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