Nicht nur im Tessin

23. April 2012 19:14; Akt: 23.04.2012 22:37 Print

Die Schlangen sind los

von A. Hirschberg - Sobald es etwas wärmer wird, kriechen die einheimischen Schlangen aus ihren Löchern. Doch keine Angst: Nur zwei Arten sind gefährlich und die gehen mit ihrem Gift sparsam um.

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Diese neugierige Ringelnatter fotografierte Leserreporter Christian Tiszberger am Samstag, 21.4.2012 im Swissminiatur in Melide TI. Seine zwei Kinder seien gehörig erschrocken, als sie die schwarze Schlange sahen, wussten sie doch nicht, ob sie giftig ist oder nicht. Acht Schlangenarten sind in der Schweiz heimisch. Zu den seltenen gehört die Schlingnatter. Sie erwürgt ihre Beute, die vorwiegend aus Blindschleichen und Eidechsen besteht. Die ungiftige Würfelnatter lebt im Wasser und breitet sich unter anderem am Zürichsee aus. Die Wasserschlange ernährt sich häuptsächlich von Fischen. Die Kreuzotter und die Aspisviper sind die zwei einzigen Giftschlagen in der Schweiz. Die Karte zeigt ihr Verbreitungsgebiet auf. Heimische Giftschlangen erkennt man an den geschlitzten Augen. Die Aspisviper wird bis zu 90 Zentimeter lang und ernährt sich häuptsächlich von Kleinsäugern. Sie ist tagaktiv. Falls sie aufgeschreckt wird, kann sie den Angreifer durchaus attackieren. Die Kreuzotter ist die zweite giftige Schlangenart in der Schweiz. Ihre geschlitzten Augen sind auf diesem Bild sehr gut zu erkennen. Pro Jahr werden in der Schweiz rund drei Dutzend Menschen von heimischen Giftschlangen gebissen. In so einem Fall sollten die Personen immer ins Spital gehen. Die Vergiftungssymptome sind aber meist harmlos. Nur gerade 10 Prozent haben einen schweren Verlauf und müssen im Spital bleiben. Die Ringelnatter kommt im Schweizer Mittelland am häufigsten vor. Man erkennt sie am gelben Kranz am Kopf. Sie ist ungiftig und völlig harmlos. Der Ringelnatter - hier in Frauenfeld - begegnet man auch mal auf der Strasse oder in der Nähe von Gewässern. Weil sie sich nicht durch Beissen wehren kann, stellt sie sich auch mal tot, um in Ruhe gelassen zu werden. Die Zornnatter ist hauptsächlich in der West- und Südschweiz zu Hause. Ihren Namen haben sie dank ihrer aggressiven Abwehrbereitschaft. Werden sie festgehalten, setzen sie sich sofort durch Beissen und Würgen zur wehr. (Infos: Wikipedia) Die ungiftige Vipernatter ist vor allem in Frankreich und Spanien zu Hause. In der Schweiz kommt sie vor allem in den Kantonen Genf, Waadt und Wallis vor. Die Äskulapnatter gehört mit bis zu zwei Metern Länge zu den grössten Schlangenarten Europas. Sie gilt als mediterrane Schlange und kommt in der Schweiz nur im Süden und Westen vor.

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Gleich vier Schlangen hat Leser-Reporter Christian Tiszberger im Freizeitpark Swissminiatur am Sonntag beobachtet. Seine zwei Kinder sind gehörig erschrocken als sich die dunklen Nattern an den Häuschen in der Aussstellung vorbeischlängelten. Denn Vater und Kindern war nicht klar, ob da nun eine Giftschlange züngelt oder ein harmloser Würger.

Die Angst ist nicht ganz unberechtigt, gibt es in der Schweiz doch nebst zahlreichen exotischen Tieren, die aus Terrarien ausbrechen, auch viele einheimische Schlangen: Sechs ungiftige Natterarten, die giftige Aspisviper und die giftige Kreuzotter. Gemäss Werner Strassmann, Schlangenbeauftragter der Kantonspolizei Zürich und Gemeindepolizist in Meilen, leben die giftigen Arten vor allem im Tessin und dem Wallis, aber auch in der Nordschweiz kommen sie in bestimmten Gegenden vor (siehe Diashow).

Die Schlangen sind derzeit auf Futter- und Partnersuche

Überhaupt sind die Kriechreptilien bei uns häufiger als man denkt. «Auch wenn man sie selten sieht, gibt es in der Schweiz ziemlich viele Schlangen», sagt Strassmann. Besonders im Frühling, wenn das Wetter warm wird, müssen nicht nur die Tessiner Schlangenspezialisten sondern auch Strassmann und seine vier Kollegen häufig ausrücken und Schlangen aus Kellern oder Schächten bergen.

«Die Schlangen sind unterwegs, weil sie nach dem Winterschlaf sowohl auf Partner- wie auch auf Futtersuche sind», so Strassmann. Wer so ein Tier von Weitem sehe, müsse keine Angst haben. «Schlangen sind scheu, und fliehen eher als dass sie angreifen.»

Seit 50 Jahren kein Todesfall mehr nach Schlangenbiss

Gefährlich sei es nur dann, wenn man eine giftige Schlange gezielt anfasse oder ihr beim Holzsuchen, Pilzsammeln oder Beerenpflücken zu Nahe komme. Jährlich werden so rund 3 Dutzend Personen in der Schweiz von giftigen einheimischen Schlangen gebissen. Nur etwa zehn Prozent davon haben aber schwere Vergiftungserscheinungen, die länger im Spital behandelt werden müssen. Denn die Schlangen setzen ihre Giftzähne nicht immer ein und können auch dosieren, wie viel Gift sie absondern. «Gift zu reproduzieren braucht viel Zeit, darum verschleudern Schlangen es nicht», sagt Strassmann. Ausserdem werde es hauptsächlich für den Beutefang und nur selten zur Verteidigung eingesetzt.

Wird jemand dennoch von einer Giftschlange gebissen, sollte dieser vor allem eines beherzigen: ruhig bleiben. Denn nach einem Biss einer einheimischen Schlange dauert es mindestens 60 bis 90 Minuten, bis erste Vergiftungssymptome auftauchen. In dieser Zeit kann man in aller Ruhe eine Notfallstation aufsuchen. Ist man weiter vom nächsten Spital entfernt, sollte man per Handy Erste Hilfe anfordern. Seit 1961 ist in der Schweiz niemand mehr an einem Schlangenbiss gestorben. Übrigens: Die Wunde aufschneiden und aussaugen nützt nichts. Wichtig ist aber, rund um die Biss-Stelle sofort alle Ringe, Armbänder, Uhren oder ähnliches abzulegen, damit es bei einem möglichen Anschwellen zu keinen Durchblutungsstörungen kommt.

Schlangen sind wie alle Reptilien in der Schweiz geschützt. Sie zu fangen und zu töten ist darum verboten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Antonio Giovenni am 24.04.2012 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    kein problem

    Wir wohnen im Tessin und bei uns ist es immer wieder "Normal" wenn auf der Terrasse beim Essen eine Schlange dabei ist. Dann wird diese Gefangen und entfernt wieder ausgesetzt. Es sind schöne Tiere lasst Sie einfach in Ruhe.

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  • Groomiz am 24.04.2012 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Schau mir in die Augen, Schlange!

    Und sage mir ob du giftig bist! Supper Ratschlag...Wenn ich wissen, will ob eine Schlange giftig ist, ihre Augen zu untersuchen. Ausserdem sind auch Bisse von ungiftigen Schlangen gefährlich, wenn sie nicht behandelt werden.

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  • Mike am 24.04.2012 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Riesenschlangen

    Solange die Schlangen nicht real so gross wie im Swissminiature Bild um die Häuser schleichen, ist ja alles juut ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy S. am 26.04.2012 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RS im Tessin - no snake

    Ich war als Grenadier im Tessin im Militärdienst und wir biwakierten jeweils mehrere Tage und Wochen draussen oder krochen selber im Unterholz herum. Leider habe ich sowie meine Kameraden nicht eine einzige Schlange zu Gesicht bekommen, was mich sehr enttäuschte. Zum Glück gibts die Tiere noch, wie ich nun lese. Sie sind sehr scheu und definitiv keine Bedrohung für den Menschen.

  • Anita Crapa am 24.04.2012 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bekomme Panik....

    wenn ich eine schlange sehe. Ein Tier zu töten Niemals.

  • von mir am 24.04.2012 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    danke

    Danke, ich werde jedenfalls bis auf weiteres die Swissminiatur meiden. Ich hasse diese Biester mit und ohne Gift

  • Simon N. am 24.04.2012 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NEIN NICHT IM WALLIS:(

    nur schon dieser artikel hat nir einen riesen schauer gemacht. fals ich eine sehe, bin ich sicher das ich noch schneller fliehe als sie das tut, und fals ich das missgeschick mache, zu nahe zu sein, müsste ich nicht mal den spital anrufen, mein schrei würde wahrscheinlich die ganze schweiz hören.

    • Chrigu am 25.04.2012 11:10 Report Diesen Beitrag melden

      relativ harmlos

      Naja, wie im Artikel steht, ist seit über 50 Jahren niemand mehr in der Schweiz an einem Schlangenbiss gestorben. Zudem müssen nur 10% von "Opfern" einer Giftschlange länger im Spital bleiben... kein Grund zur Panik.

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  • Sandra . am 24.04.2012 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    wunderschöne tiere

    als wir vor jahren eine aspisviper in ihrem habitat aufschreckten, hatten wir glück, nicht gebissen zu werden, denn wir griffen schutzlos in eine kleine felsspalte, wo wir bergkristalle fanden. der biss war trocken, also ohne gift, die schlange hat sich nur gewehrt. und meistens spielen sich unfälle mit heimischen giftschlangen so oder ähnlich ab. der mensch ist schuld, nicht die schlange. also besser die tiere einfach nur beobachten und ansonsten in ruhe lassen.....

    • boss am 24.04.2012 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      easy

      ehm ok

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