Traumatisch

14. Mai 2012 23:40; Akt: 15.05.2012 10:50 Print

Wenn das Superhirn Probleme macht

Bestimmte Gene verleihen ihren Trägern ein besseres Gedächtnis. Basler Forscher haben jetzt nachgewiesen, dass diese Genvariante auch dafür sorgt, dass negative Erlebnisse stärker belasten.

storybild

Menschen mit besonders gutem Gedächtnis sind anfälliger für das posttraumatisches Stress-Syndrom PTSD. (Bild: Colourbox)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Fast jeder hätte gern ein besseres Gedächtnis. Doch ein Supergedächtnis kann auch Schattenseiten haben, wie Forscher um Dominique de Quervain und Andreas Papassotiropoulos von der Universität Basel in einer neuen Studie zeigen: Wer eine Genvariante trägt, die ein besseres Gedächtnis verleiht, den belasten negative Erlebnisse auch stärker.

Die Wissenschaftler haben zusammen mit Kollegen der ETH Zürich und aus Deutschland eine Genvariante namens PRKCA identifiziert, deren Träger emotional aufgeladene Erinnerungen markant besser abrufen können. Für ihre Studie mussten sich 723 Studentinnen und Studenten 72 Bilder mit positiven, negativen oder neutralen Sujets merken. Dann prüften die Wissenschaftler, an wie viele der negativen Bilder sie sich erinnerten.

Es stellte sich heraus, dass dies Trägern einer bestimmten Form des PRKCA-Gens besser gelang, wie die Forschenden am Dienstag im Fachblatt «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichteten. Die Überprüfung im Kernspintomographen zeigte, dass bei ihnen zwei Gehirnareale aktiver waren, die mit dem emotionalen Gedächtnis in Verbindung gebracht werden.

Gutes Gedächtnis ist Hypothek bei Kriegsflüchtlingen

Im zweiten Teil der Studie wollten die Forschenden wissen, ob das bessere Gedächtnis die Auswirkungen von schlimmen Erlebnissen vergrössert. Zusammen mit Kollegen von den Universitäten Konstanz und Ulm suchten sie die Genvariante im Erbgut von Flüchtlingen des Bürgerkriegs in Ruanda.

Tatsächlich litten Träger eben jener Genvariante von PRKCA häufiger an quälenden Erinnerungen an Kriegserlebnisse wie Verwundungen oder Vergewaltigungen. Sie wiesen häufiger Symptome des posttraumatischen Stress-Syndroms (PTSD) auf, indem sie zum Beispiel immer wieder das Geschehene durchlebten oder Gedanken und Gespräche darüber vermieden.

«Bisher gab es nur schwache Hinweise darauf, dass Menschen mit besonders gutem Gedächtnis anfälliger für PTSD sind», erklärten die Forschenden. «Wir zeigen nun, dass es eine genetische Verbindung zwischen dem Gedächtnis und dem Risiko für PTSD gibt.» In Zukunft könnte ein genetischer Test womöglich dabei helfen, posttraumatische Probleme gezielter zu behandeln.

Kein Gen-Doping fürs Gedächtnis

Wer sich von solchen Studien ein Gen-Doping für ein besseres Gedächtnis erhofft, wird enttäuscht: Über die Gehirnleistung eines Einzelnen sagen Gedächtnisgene nichts aus. Die Unterschiede im Erinnerungsvermögen sind nur in grossen Gruppen statistisch messbar. Am Gedächtnis wirken viele Gene mit und eben auch die Umwelt.

Doch könnte die Erforschung dieser Gene Ansatzpunkte für Medikamente gegen Gedächtnisstörungen aufzeigen, wie sie bei Depressionen und Stress auftreten. Erste Tests mit derart identifizierten Molekülen an Menschen laufen bereits.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kosovar am 15.05.2012 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt genau!

    Ich habe das seit Jahren gemerkt und kann das bestätigen. Diese Schattenseite ist echt nicht toll also das macht mir manchmal zu schaffen.

  • Bern Boy am 14.05.2012 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt! 

    Ich leide darunter. ab und zu schreckhaft!

  • Martin am 15.05.2012 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bild

    Erinnert irgendwie an den Film Dr. Lektor! Dort schneidet er ja auch seinem Diener die Schädeldecke auf, um von seinem Gehirn zu speisen, während er noch lebt...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • rap am 15.05.2012 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    therapiert die psychiater

    juhe. wenn dann die psychiater und psychologen endlich wissen wo die traumas sind, brauchen sie für therapien nicht mehr 10 jahre und die Krankenkassenprämien kosten mich nicht meh 700.- im monat für meine familie.

  • silv am 15.05.2012 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gottsseidank 

    gottseidank habe ich ein schlechtes Gedächtnis und denke Positiv.

  • Kosovar am 15.05.2012 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt genau!

    Ich habe das seit Jahren gemerkt und kann das bestätigen. Diese Schattenseite ist echt nicht toll also das macht mir manchmal zu schaffen.

  • erfahrener am 15.05.2012 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    lebensnotwendig

    ein lebewesenn dessen negativen erfahrungen nicht besser haften bleiben als die positiven kann nicht erfolgreich sein...

  • Vergissmeinnicht am 15.05.2012 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gedächtnis

    Ähhm, worum gings in diesem Artikel schon wieder???