ETH-Projekt

27. Juli 2011 07:39; Akt: 27.07.2011 10:02 Print

Schiffswrack im Genfersee entdeckt

Zurzeit erforschen zwei russische U-Boote unter der Leitung der ETH Lausanne das Ökosystem des Genfersees. Dabei stossen sie auf spannende Zeitzeugen.

Bilder der ersten Tauchfahrten der russischen U-Boote, unter anderem zum Wrack des Dampfschiffes «Rhône». (Video: Elemo/YouTube)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit Mitte Juni sind die beiden russischen Zwillings-U-Boote «Mir 1» und «Mir 2» im Genfersee auf Forschungsreise. Die beiden rund 18 Tonnen schweren High-Tech-Geräte werden im Rahmen des Projekts «Elemo» bis Ende August rund 60 Tauchfahrten absolvieren mit dem Ziel, das Ökosystem des Genfersees besser zu erforschen. Dabei tauchen sie bis auf den Grund des grössten Schweizer Sees, der stellenweise über 300 Meter tief ist. Die jeweils zwei Forscher, die pro Fahrt den Piloten begleiten können, richten ihr Augenmerk primär auf die Geologie, Mikrobiologie, Biochemie und Physik des Sees. Doch ab und zu entdecken sie in den Tiefen des Léman auch Erstaunliches, dass so gar nichts mit ihrer Forschungsaufgabe zu tun hat.

So tauchte am 14. Juli vor den Bullaugen eines der U-Boote in 220 Metern Tiefe plötzlich das Wrack eines Frachtkahns auf, wie die Westschweizer Zeitung «Le Temps» in ihrer Dienstagsausgabe berichtete. Um welches Schiff es sich dabei handelt, bleibt vorerst ein Rätsel. Carinne Bertola, Kuratorin des Musée du Léman in Nyon, hat die Aufnahmen vom Seegrund bereits gesichtet. Die ausgewiesene Expertin für Wracks im Genfersee kann das Boot ohne Kennzeichen keinem bekannten Untergang zuordnen. Aufgrund der Aufnahmen hat sie jedoch bereits eine sehr detaillierte Beschreibung des Wracks angelegt. Sie beschreibt es gegenüber «Le Temps» als Arbeitsboot von sehr einfacher Konstruktion, das stark einem Ledischiff oder Nauen gleiche.

Fundort ist geheim

Sie schätzt, dass das rund 30 Meter lange Schiff Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts im Einsatz stand. Ob es dampf- oder motorgetrieben war, ist unklar, wobei die sichtbaren Aufbauten eher auf Letzteres schliessen lassen. An Bord sind viele Ausrüstungsgegenstände sichtbar, erklärt Bertola, «eine Schiffswinde, ein Draggenanker, wie er eher auf Segelschiffen eingesetzt wurde, viele Ketten, ein kleiner Kamin oder Auspuff, Teile der Takelage, eine verbogene Seilwinde aus Metall und ein seltsam demoliertes Ruderrad».

Dass an Bord des Wracks noch so viel Ausrüstung vorhanden ist, wertet Bertola als Zeichen dafür, dass das Schiff während eines Einsatzes untergegangen ist, obwohl keine Spuren einer Kollision oder sonst eine Ursache für den Untergang sichtbar sind. «Damals hat man üblicherweise so viel Material wie möglich wiederverwertet», so die Expertin, die sich jetzt daran macht, das Rätsel um das neu entdeckte Wrack zu lösen. Einfach wird es nicht. Der U-Boot-Crew war es aufgrund ihres dichtgedrängten Forschungsprogramms nicht möglich, die Umgebung des Wracks nach weiteren Hinweisen auf dessen Herkunft abzusuchen. Wo das Wrack genau liegt, wird aus Sicherheitsgründen übrigens noch nicht verraten, obwohl es angesichts der Tiefe eher unwahrscheinlich ist, dass sich Hobbytaucher daran vergreifen.

Der versunkene Frachtkahn ist nicht das erste Wrack, dass die russischen Unterseeboote im Genfersee besucht haben. Am 14. Juni tauchten sie mit geladenen Gästen zum 1982 entdeckten Dampfschiff «Rhône» ab, das in 290 Metern Tiefe zwischen Lausanne und dem französischen Evian liegt. Die «Rhône» sank 1883 in einer stürmischen Novembernacht nach der Kollision mit dem Dampfschiff «Cygne». Elf Passagiere und drei Besatzungsmitglieder verloren damals ihr Leben. Ob sich bis zum Ende der Tauchfahrten am 20. August noch weitere Begegnungen mit bekannten oder unbekannten Wracks ergeben, wird sich zeigen. Man darf gespannt sein.


Dokumentation zum Projekt «Elemo» in französischer Sprache (Quelle: YouTube/Elemo)

(jcg)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Dielisch am 27.07.2011 23:12 Report Diesen Beitrag melden

    Meeresarchäologie

    Vieleicht finden sie ja so nebenbei das verschollene Bernsteinzimmer?

  • Mario Denzler am 27.07.2011 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Es verbirgt sich bestimmt noch viel...

    Schade gibt es nicht viel mehr solche News hier! Wirklich spannend. Und viel schöner zu lesen als den mittlerweile alltäglichen Todschlag in der Welt.

    einklappen einklappen
  • Janek am 27.07.2011 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Schiff was mindestens ein Dampf-

    maschine hatte ist doch erst untergegangen nach dem über alles Buch geführt wurde. Das wundert mich, wieso man nicht rausbekommt wie es hiess.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Dielisch am 27.07.2011 23:12 Report Diesen Beitrag melden

    Meeresarchäologie

    Vieleicht finden sie ja so nebenbei das verschollene Bernsteinzimmer?

  • Tinu Stettler am 27.07.2011 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Alarm !

    Was ? Russische U-Boote in unseren Seen ? Es muss sofort die Schweizer Schlauchboot-Marine ausrücken. Die Russen sind da ! Alarm !

    • roberto fungi am 02.08.2011 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      =D

      gut gebrüllt :)

    einklappen einklappen
  • Mario Denzler am 27.07.2011 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Es verbirgt sich bestimmt noch viel...

    Schade gibt es nicht viel mehr solche News hier! Wirklich spannend. Und viel schöner zu lesen als den mittlerweile alltäglichen Todschlag in der Welt.

    • Noam am 27.07.2011 10:30 Report Diesen Beitrag melden

      Selbe Meinung

      Genau deiner Meinung ;)

    einklappen einklappen
  • Janek am 27.07.2011 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Schiff was mindestens ein Dampf-

    maschine hatte ist doch erst untergegangen nach dem über alles Buch geführt wurde. Das wundert mich, wieso man nicht rausbekommt wie es hiess.

  • Möbius Mogli am 27.07.2011 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Auch ein Schiff hat ein Leben

    Die armen Schiffe.... mir kommen die Tränen

    • Ivan R am 27.07.2011 21:53 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt :-)

      Ich komm einfach aus der Mitleids-lifecrisis nicht raus. Ständig irgendwo Tote oder Kriege.

    einklappen einklappen