Primaten-Psychologie

19. November 2012 19:30; Akt: 19.11.2012 19:30 Print

Wenn der Orang-Utan eine Midlife-Crisis hat

Die Midlife-Crisis ist offenbar keine Spezialität des Menschen: Auch Schimpansen und Orang-Utans sind in ihrer Lebensmitte unglücklicher als in ihrer Jugend und im Alter.

storybild

Düstere Gedanken in der Lebensmitte: Auch Menschenaffen sollen unter einer Midlife-Crisis leiden. (Bild: Keystone/AP/Sakchai Lalit)

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Seit der kanadische Psychoanalytiker Elliott Jaques den Begriff 1965 erstmals verwendete, ist die «Midlife Crisis» nicht mehr aus dem Vokabular der Alltagspsychologie wegzudenken. Diese Stimmungsverdüsterung in der Lebensmitte tritt aber nicht nur beim Menschen auf, sondern auch bei seinen nächsten Verwandten, den Menschenaffen. Das zeigt zumindest eine gross angelegte Studie eines internationalen Forscherteams.

Die Wissenschaftler hatten Betreuer von insgesamt 508 Menschenaffen unterschiedlichen Alters nach dem psychischen Zustand der Tiere befragt. Das Ergebnis: Affen im Alter von rund 30 Jahren wurden von ihren Betreuern als am unglücklichsten eingestuft. Dies entspreche einem Menschenalter von etwa 40 bis 50 Jahren.

Ihr Wohlbefinden zeige damit ähnlich wie beim Menschen eine typische Senke im mittleren Alter, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS). Das deute darauf hin, dass die Midlife-Crisis möglicherweise auch biologische Wurzeln habe und nicht allein auf Faktoren im menschlichen Leben beruhe.

Wie wohl sich ein Mensch mit sich und seinem Leben fühlt, verändert sich mit dem Alter: «Studien in Dutzenden von Ländern zeigen, dass das psychische Wohlbefinden in der Jugend meist hoch ist, im mittleren Alter auf ein Minimum abfällt und dann mit zunehmendem Alter wieder langsam ansteigt», schreiben Alexander Weiss von der University of Edinburgh und seine Kollegen.

Unabhängig von Lebensumständen

Diese typische U-Kurve zeige sich in armen und reichen Gesellschaften und sowohl bei Männern wie auch bei Frauen. Kinder oder andere persönliche Lebensumstände hätten ebenfalls nur einen geringen Einfluss.

Die Ursachen der Midlife-Crisis seien bisher unklar. Einer Hypothese nach sollen enttäuschte Hoffnungen verantwortlich sein: Im mittleren Alter wird man sich bewusst, dass sich viele Ansprüche aus der Jugend nicht erfüllen lassen, beim Älterwerden lernt man dann, dies zu akzeptieren.

Nach Ansicht der Forscher deuten ihre Ergebnisse darauf hin, dass die Midlife-Crisis sehr alte und eventuell biologische Wurzeln habe. Möglicherweise habe es sie schon bei den gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Menschenaffe gegeben.

(sda)