Erbgut-Analyse

22. Juli 2014 12:00; Akt: 22.07.2014 12:00 Print

Warum diese Affen-Art nur Zwillinge bekommt

Die in Südamerika beheimateten Weissbüschelaffen unterscheiden sich nicht nur aufgrund ihrer geringen Grösse von anderen Primaten, sondern auch hinsichtlich ihres Nachwuchses.

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Auch wenn ein Weissbüschelaffenweibchen meist Zwillinge auf die Welt bringt: Auf dem Rücken tragen können sie nur eines. (Bild: Keystone/AP/Maja Hitij)

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Kleinen Kindern entlocken Weissbüschelaffen häufig ein entzücktes «Jö». Denn anders als viele ihrer Artgenossen werden die zierlichen Tiere nur etwa 20 Zentimeter gross. Und: Wenn sie Nachwuchs bekommen, sind es meistens zwei.

Um herauszufinden, warum das so ist, haben Forscher um Kim Worley von Baylor College of Medicine im US-Bundesstaat Texas erstmals das gesamte Erbgut der Weissbüschelaffen (Callithrix jacchus) entschlüsselt. Daran waren auch Experten von der Universität Genf und dem Schweizerischen Institut für Bioinformatik in Genf beteiligt.

Besondere Äffchen

Genetisch sind diese zu den «Neuweltaffen» gehörenden Tiere vom Menschen deutlich weiter entfernt als Menschenaffen oder Makaken, deren Genom bereits sequenziert wurde, wie das College am Montag mitteilte. Zu ihren Besonderheiten gehört, dass die Tiere sehr klein sind, was bei Primaten üblicherweise zu Problemen mit dem Stoffwechsel und der Temperaturregulation führt.

Auch ihr Sozial- und Fortpflanzungsverhalten sei für Primaten einzigartig, schreiben die Forschenden im Fachjournal «Nature Genetics» vom Sonntag. Sie pflegen die «kooperative» Jungenaufzucht: Innerhalb einer Gruppe pflanzt sich nur das dominante Paar fort, wobei alle anderen Gruppenmitglieder bei der Aufzucht des Nachwuchses helfen.

Zudem gebären die Äffchen fast ausschliesslich Zwillinge, die zudem im Uterus Blutstammzellen untereinander austauschen. Deshalb stammen 10 bis 50 Prozent aller Blutzellen jedes Individuums vom Geschwister-Zwilling.

Hinweise auf Kleinwuchs und Zwillingsgeburten

Aufgrund dieser Besonderheiten erhoffen sich die Forscher, in der DNA der Tiere Hinweise auf allgemeine Ursachen für Kleinwuchs und Zwillingsgeburten – auch beim Menschen – zu finden.

Tatsächlich förderte die Erbgut-Analyse eine Gruppe von Wachstumshormon-Genen namens «GH-IGF» zu Tage, die vermutlich für den Kleinwuchs der Affen verantwortlich ist. Auch weitere Gene, die für den Stoffwechsel und die Regulation der Körpertemperatur mitverantwortlich sind, dürften mit der geringen Grösse der Tiere in Verbindung stehen.

Ausserdem identifizierten die Forschenden das «WFIKKN1-Gen», das mit der Neigung zu Zwillingsgeburten in Zusammenhang stehen dürfte.

(fee/sda)