Gigantischer Diamant

11. Oktober 2012 23:16; Akt: 12.10.2012 14:20 Print

Der Planet, den die Frauen lieben

Diesen Klunker stecken Sie sich nicht so leicht an den Finger: Im 41 Lichtjahre von der Erde entfernten 55-Cancri-System sind Forscher auf einen Planeten gestossen, der zu einem Drittel aus Diamant bestehen soll.

storybild

Visualisierung des Sonnensystems um den Stern 55 Cancri. (Bild: AP/Nasa)

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Der Planet 55 Cancri e ist rund zweimal so gross wie die Erde, weist aber eine fundamental andere chemische Zusammensetzung als diese auf: Er könnte mindestens zu einem Drittel aus Diamant bestehen. Das hat ein internationales Astronomenteam anhand neuer Beobachtungen herausgefunden. «Die Oberfläche dieses Planeten ist wahrscheinlich mit Graphit und Diamant bedeckt statt mit Granit und Wasser wie die Erde», erklärt Erstautor Nikku Madhusudhan von der Yale University in New Haven.

55 Cancri e eröffne damit eine geochemisch und geophysikalisch ganz neue Klasse von Gesteinsplaneten, berichten die Forscher in der Studie, die demnächst im Fachmagazin «Astrophysical Journal Letters» veröffentlicht wird.

Im letzten Jahr hatte ein Forscherteam bereits einen mutmasslichen Diamantplaneten in der Milchstrasse entdeckt, dieser umkreist aber einen Pulsar und damit einen sehr speziellen, exotischen Sternentyp. 55 Cancri e sei nun der erste bekannte Diamantplanet um einen sonnenähnlichen Stern, sagen die Astronomen.

55 Cancri e ist einer von fünf Planeten, die den sonnenähnlichen Stern 55 Cancri umkreisen. 55 Cancri e hat die achtfache Masse der Erde und umrundet seinen Stern mit rasender Geschwindigkeit: Für einen Umlauf benötigt er nur 18 Tage. Wegen seiner Nähe zu seiner Sonne ist er zudem extrem heiss, an seiner Oberfläche herrschen mehr als 2100 Grad Celsius.

Vulkane und Gebirge beeinflusst

Der Fund einer kohlenstoffreichen Supererde werfe ein völlig neues Licht auf die Vielfalt fremder Planeten, sagt Madhusudhan. Denn jetzt könne man nicht länger davon ausgehen, dass ferne Gesteinsplaneten der Erde in Bezug auf ihre Zusammensetzung und auch die auf ihnen ablaufenden Prozesse ähnlich sein müssen.

Wenn ein Planet zum grossen Teil aus dem gut wärmeleitenden Kohlenstoff bestehe, beeinflusse dies auch geologische Prozesse wie die Plattentektonik, Vulkane, Erdbeben und die Bildung von Gebirgen.

«Sterne sind einfach. Kennt man ihr Alter und ihre Masse, kann man daraus auf Struktur und Geschichte schliessen», kommentiert David Spergel von der Princeton University die Studie seiner Kollegen.

Planeten seien dagegen weitaus komplexer. «Diese diamantenreiche Supererde ist nur ein Beispiel für die vielen weiteren Entdeckungen, die uns noch bei der Suche nach fremden Planeten erwarten», sagt der Astronom.

(sda)