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Gefahr aus der Natur
23. März 2012 12:56; Akt: 26.03.2012 08:09 Print
Wie viel Regen verträgt das AKW Beznau?
von Kurt Marti, infosperber.ch - Das AKW Beznau gerät in die Kritik. Atomgegner bemängeln, dass das Risiko einer Überschwemmung schöngeredet werde. Der Bund sucht nach der richtigen Berechnungsmethode.
Atomkritiker fürchten, dass das AKW Beznau einem Ausnahmehochwasser nicht standhalten könnte. (Bild: Keystone)
Ein Jahr nach Fukushima fordern Atom-Kritiker die sofortige Abschaltung des AKW Beznau. Sie befürchten, dass ein Extrem-Hochwasser zum Super-GAU führen könnte und zur Umsiedlung von einer Millionen Menschen. Denn im Wasserschloss bei Brugg im Kanton Aargau treffen die Aare, die Reuss und die Limmat aufeinander. Hier fliesst das Wasser aus einem Drittel der Landesoberfläche zusammen. Mitten in der Aare nach dem Zusammenfluss liegt die Insel Beznau und darauf stehen die zwei ältesten Atomreaktoren der Welt.
Bildstrecken Kein AKW, so weit das Auge reichtAKWs der vierten Generation Infografik Tiefenlager für AtommüllSo läuft eine Kernschmelze abDer Super-GAU von Tschernobyl Sieht hinter die News
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Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) kommt in seinem Fukushima-Bericht zum Schluss: «Erdbeben- und Tsunamirisiko wurden offensichtlich unterschätzt. Auch die maximale Höhe eines Tsunamis wurde für die betroffenen Standorte deutlich unterschätzt.» Der Energie-Ingenieur Heini Glauser ist überzeugt, «dass genau eine solche Unterschätzung der Hochwassergefahren in Beznau geschieht».
Glauser ist Mitorganisator der Mahnwache vor dem ENSI-Gebäude in Brugg. Er hat die Hochwasserberichte der Beznau-Betreiberin AXPO genau studiert und kam zu einem «erschütternden und bedrückenden Fazit», wie er in einem Artikel für den atomkritischen Energie-Express schreibt. Laut Glauser kann die ENSI-Erkenntnis zu Fukushima eins zu eins auf Beznau übertragen werden: «Die maximale Höhe eines Extremhochwassers wird für den Standort Beznau deutlich unterschätzt!»
ENSI erstellt einen Persilschein
Nach der Atomkatastrophe von Fukushima mussten die Schweizer AKW-Betreiber zusätzliche Sicherheitsberichte bei der Atomaufsichtsbehörde ENSI einreichen, insbesondere zur Gefährdung durch extreme Hochwasser. Aufgrund dieser Berichte erklärte ENSI-Direktor Hans Wanner: «Alle Schweizerischen Kernkraftwerke beherrschen auch ein extremes Hochwasser, wie es durchschnittlich alle
75-Jahr-Statistik genügt nicht
Erstaunlicherweise stützen sich die
Wie Recherchen von Infosperber zeigen, ist zurzeit eine Arbeitsgruppe des Bundes unter der Federführung des ENSI daran, einheitliche Regeln und Modelle für die Berechnung von Extrem-Hochwasser zu erarbeiten. Ein Jahr nach Fukushima sucht also eine offizielle Arbeitsgruppe immer noch nach einheitlichen Methoden, die Axpo liefert Expertisen mit ungenügenden Grundlagen und die Atomaufsicht ENSI gibt trotzdem den Segen.
Pikantes Detail: BAFU-Sprecherin Maret äussert sich nach Rücksprache mit Martin Barben, Vize-Chef der Sektion Hydrologische Analysen, gegenüber Infosperber zu dieser bisher unbekannten Arbeitsgruppe. Doch als sie die Zitate bestätigen soll, zieht sie diese mit Verweis auf ein Telefonat mit dem ENSI plötzlich wieder zurück. ENSI-Mediensprecher Sebastian Hueber seinerseits vertröstete Infosperber «auf Grund von Abwesenheiten» auf später.
Die Axpo-Berechnungen gehen von einem 10 000-jährigen Hochwasser aus, welches in der Aare beim AKW Beznau 4 200 m3/s Wasser führen würde. Das ist bloss die 2,5-fache Menge eines durchschnittlichen jährlichen Hochwassers von rund 1 600 m3/s. Zum Vergleich: Das Moldau- und Elbehochwasser von 2002 überschritt die durchschnittlichen jährlichen Hochwasser der Moldau bei Prag um das 7-fache. Die Ursache davon lag in einer B5-Tiefdrucklage, dem sogenannten Genuatief, welches auch für die Hochwasser in Brig (1993) und Gondo (2000) verantwortlich war. Das Elbe-Hochwasser gilt als Jahrtausend-Hochwasser. Ein solcher Pegelstand wurde von den Experten für unmöglich gehalten und im Elbetal vorher nie erreicht.
Haarsträubende Tricks
Glauser zieht in seinem Artikel auch die prognostizierte Wassermenge von 4200 m3/s in Zweifel: Bei durchschnittlich 10 cm Niederschlag pro m2 im gesamten Einzugsgebiet der Aare oberhalb Beznau resultiert eine Wassermenge von 1,76 Milliarden m3 (Einzugsgebiet
Es ist geradezu haarsträubend, mit welchen Tricks die Axpo-Experten die maximale Wassermenge auf ein vermeintlich unschädliches Mass reduzieren. Laut Hochwassergutachten der Axpo ist es nämlich «sehr unwahrscheinlich, dass bei einem extremen Hochwasser das Gesamteinzugsgebiet der Aare bei Untersiggenthal von ca.
Die Axpo-Daumenregel
Doch damit nicht genug. In ähnlicher Weise setzt sich der Expertenbericht der Axpo auch mit der Klimaveränderung auseinander und fragt, «wie sich Klimaänderungen auf das Hochwassergeschehen der Zukunft auswirken werden». Die saloppe Antwort lautet: «Falls an der Aare die in den letzten Jahren beobachtete Häufung grosser Hochwasser (1994, 1999, 2005 und 2007) einer zyklischen Häufung entspricht, müsste eine ruhigere Phase folgen». Mit dieser Daumenregel versuchen die Experten offenbar das Genua-Tief zu bannen. Dabei sind sich fast alle Experten einig: Die Klimaveränderung wird zu mehr Unwettern und zu verheerenderen Überschwemmungen führen.
Schlussendlich ziehen die Axpo-Experten ihre Analyse gleich selbst in Zweifel: «Wie stark die Häufung der letzten Jahre durch Klimaänderungen erzeugt respektive verschärft wurde, und wie sich diese in Zukunft auswirken, lässt sich aufgrund der hydrologischen Daten nicht voraussagen.» Damit gestehen die Experten indirekt ein, dass die Zähmung des 10 000-jährigen Hochwassers mittels Tricksereien endgültig misslungen ist.
Angesichts solcher Stümpereien und Tricksereien fordern der Atomkritiker Glauser und seine Mitstreiter der Mahnwache die sofortige Stilllegung der beiden Beznau-Reaktoren, «bevor das Glück eine Pause macht». Ein Expertenteam der EU kommt Ende März in die Schweiz. Dann wird sich zeigen, ob das AKW Beznau den EU-Stresstest besteht.
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Alle 189 Kommentare

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Weniger Strom oder verstrahlt, was ist besser???
Ohne oder mit weniger Strom zu leben ist wesentlich einfacher als ein Zerstörter Atomreaktor der die Bevölkerung verstrahlt und die Gebiete unbewohnbar macht. Wollen wir alles dem zufall überlassen? Oder auf gut glück das alles gut kommt? Ich sage dazu nur eins... Lasst die menschliche dummheit hinter uns und konzentrieren wir uns auf eine wenige zerstörerische Energiequelle.
Jeah, dann lieber...
Verstrahlt :)
Dann doch lieber...
..Importstrom aus Frankreich (würg). AKW aus! Soviel ist klar, den zum verstrahlen haben wir auch noch wen die AKWs längst aus sind (Brennstäbe müssen ausklingen, dann noch Rückbau, Lagerung ect.) Falls nötig zwischenzeitlich Strom importieren. Vorzugsweise natürlich Eco-Strom aus Norwegen, Deutschland ect.
Verseuchtes Poulet wohl viel schlimmer!
Es gibt weder einen Terroranschlag in der Schweiz noch wird der Greifensee einen Tsunami erleben! Aber an mit Antibiotika verseuchtes Poulet könnten wir ersthaft ärger bekommen. Dies scheint wohl egal zu sein... Nur Deutschland und die Schweiz haben eine so völlig kranke Atomphobie. Den Gegnern sollte der AKW-Strom per sofort abgestellt werden. Das wäre wenigstens konsequent. Aber das sind diese Leute ja nicht. Wären die Ersten die sich beschweren, wenn ihr Kühlschrank oder ihr PC nicht mehr laufen würde!!
So so
Dann informieren Sie sich über die Gründe, warum die Bevölkerung in Österreich und in Italien keinen Atomstrom will.
Klimaveränderung ist da. AKWs sind aout!
Die Klimaveränderung ist da. Kein vernünftiger Mensch zweifelt noch daran. Alle Amtsstellen befassen sich damit. Alle Rettungsorganisationen erstellen Einsatzpläne, überdenken ihre Abwehrmassnahmen und Materiallager. Nur AKW Betreiber versuchen rechnerisch auf dem Papier zu beweisen dass alle Naturgefahren für sie nicht gelten. Bei einem Ereignis werden sie dann wohl ihre Ordner voller Berechnungen, den Wasserfluten entgegen stellen. Sind wir so blöd geworden im Überfluss von Strom' gut dass es junge Leute, Internet und viel wissen für Alle gibt. So kann sich jeder selber ein Bild machen.