Paläontologie

28. Juni 2012 09:05; Akt: 28.06.2012 22:04 Print

Dinosaurier waren wohl doch Warmblüter

Eines der Hauptargumente für die Theorie, Dinosaurier seien Kaltblüter, ist widerlegt. Ihr Knochenwachstum ähnelt dem der Säugetiere sehr stark.

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Durch seine Adern floss wohl doch warmes Blut. Bild: Thinkstock.com (Bild: Mike Kiev)

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Einem Bericht von Forschern von der Autonomen Universität Barcelona zufolge haben auch Warmblüter die typischen Ringe für Wachstumsschübe, die bislang nur von Kaltblütern bekannt waren. Die Wissenschaftler hatten sich die Oberschenkelknochen von 115 Wiederkäuern aus 41 Arten angeschaut, darunter Rentiere in Norwegen und Antilopen im südlichsten Afrika.

«Die Querschnitte sahen genauso aus wie bei ähnlich grossen Dinosauriern, obwohl wir nur Säugetiere untersucht haben und Dinosaurier zu den Reptilien gehören», erläuterte Hauptautorin Heike Köhler. Alle Präparate enthielten sogenannte Lines of arrested growth (LAG): Linien zwischen zwei Wachstumsschüben, ähnlich den Baumringen.

Wachstumsstopp in der Kälte

Bislang waren diese LAGs fast nur von Tieren wie Reptilien bekannt, deren Körpertemperatur abhängig von der Umwelt ist, weswegen sie auch als wechselwarme Tiere oder Kaltblüter bezeichnet werden. In der kalten Jahreszeit sinken die Körpertemperatur und der Stoffwechsel so sehr, dass die Knochen nicht weiterwachsen. Während dieser Wachstumspause bildet sich eine Stillstandslinie.

Bei Warmblütern hingegen, bei denen der aktive Stoffwechsel für eine gleichmässige Körpertemperatur sorgt, sollten die Knochen das ganze Jahr über gleichmässig wachsen. «Das hat man jahrzehntelang so angenommen. Wir haben das nun erstmals untersucht - und prompt widerlegt», sagte Köhler.

Demnach wachsen auch bei Säugetieren Knochen im Jahresrhythmus: Bei Rentieren auf Spitzbergen entstanden die LAGs während des Polarwinters, wenn die Tiere am wenigsten fressen. Im Frühjahr und Sommer kam der Wachstumsschub, wenn es wieder mehr Nahrung gab, also auch mehr Energie und Nährstoffe für den Knochenaufbau.

Seit den 1960er Jahren diskutieren Fachleute über die Thermoregulation der Dinosaurier. Zunächst hiess es: Dinosaurier sind Reptilien und Reptilien sind per se wechselwarm, also Kaltblüter. Dann wurde klar: Dinosaurier wachsen so schnell und haben mitunter ein Federkleid, dass sie Warmblüter sein müssten. Später wurden dann in Dinosaurierknochen die Linien der Wachstumspausen gefunden, so dass man sie wieder als Kaltblüter ansah.

(lue/sda)