Seismische Tests

07. September 2013 17:42; Akt: 09.09.2013 02:56 Print

Airguns bedrohen Tierwelt in der Adria

Kroatien will in der Adria Öl und Gas fördern und hat mit der seismischen Vermessung des Meeresgrunds begonnen. Umweltschützer warnen vor den Folgen der lärmintensiven Übung.

Auswirkungen seismischer Tests auf die Meeresbewohner. (Video: Vimeo/OceanCare)

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Seit dieser Woche werden vor der kroatischen Adriaküste seismische Tests durchgeführt, die Aufschluss über Öl- und Gasvorkommen geben und so den Weg für Offshore-Bohrungen ebnen sollen. Der Schritt stösst bei internationalen Umweltorganisationen auf heftigen Widerstand. OceanCare, NRDC und die Partner der Kampagne «Silent Oceans» verweisen auf die Gefahren des extremen Unterwasserlärms an, der mit solchen Tests verbunden sind: Meeresbewohner werden vertrieben, verletzt oder sogar getötet.

Die seismischen Tests werden gemäss Medienberichten auf rund 12'000 Kilometern Forschungsfahrt erhoben. So genannte Airguns oder Druckluftkanonen werden über mehrere Wochen hinweg ununterbrochen etwa alle 10 Sekunden Schallwellen von bis zu 240 Dezibel in Richtung Meeresgrund abfeuern. Das bedroht Wale und Delphine, aber auch Fischbestände und andere Meeresbewohner akut. Sie werden aus angestammten Lebensräumen vertrieben und riskieren Verletzungen, die zum Tod führen können.

Fortschritte erzielt – aber nicht in Europa

«Extreme Sorge bereiten uns Arten, die in tieferen Gewässern leben. Dazu gehören die äusserst lärmempfindlichen Schnabelwale, Rundkopfdelphine, Streifendelphine und Pottwale. Nicht weniger bedroht werden aber auch die küstennah lebenden Grossen Tümmler», sagt Sigrid Lüber. Die Präsidentin von OceanCare ist zudem irritiert, dass die kroatische Regierung in verschiedenen internationalen Gremien für die Einführung von Massnahmen gestimmt hat, um die Meerestiere vor intensivem Unterwasserlärm zu schützen. «Jetzt, da Eigeninteressen im Spiel sind, scheint sich niemand mehr an diese Forderungen zu erinnern», sagt sie.

Anderswo sind die Auflagen offenbar strenger: «Eben kam es in den USA zu einer gerichtlichen Einigung hinsichtlich geplanter seismischer Aktivitäten im Golf von Mexiko. Es wurden regionale und temporäre Sperrgebiete festgelegt und die Ölindustrie ist aufgefordert, weniger lärmintensive Technologien zu entwickeln und einzusetzen», sagt Michael Jasny, Leiter der Projekte zum Schutz der Meeressäuger bei der amerikanischen Organisation NRDC (Natural Resources Defense Council).

Appell an die kroatische Regierung

OceanCare appelliert gemeinsam mit NRDC und den Kampagnenpartnern von «Silent Oceans» an die kroatische Regierung, die seismischen Aktivitäten umgehend zu stoppen, die Öffentlichkeit anzuhören, eine Folgenabschätzung durchzuführen und strikte Massnahmen zur Lärmverminderung anzuordnen.

Ein kurzsichtiger Run auf die Öl- und Erdgasvorkommen in der Adria werde die Meeresbewohner in arge Mitleidenschaft ziehen und verhindere die Entwicklung einer nachhaltigen Strategie, die dem Arten- und Umweltschutz sowie dem Tourismus und der lokalen Fischerei entlang der kroatischen Küste Priorität einräumt, so OceanCare.

So funktioniert ein Vermessungsschiff:

(Video: Youtube/ge0physicsrocks)

(kri)