Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Erdbeben
09. März 2010 15:28; Akt: 09.03.2010 15:34 Print
Warum die Erde immer bebt
von Fabienne Riklin - Die tödlichen Erdbeben von Haiti, Chile und der Türkei sind keine Vorboten eines Weltuntergangs, sagt Stephan Husen vom Schweizer Erdbebendienst im Interview mit 20 Minuten Online. Bebt es aber in Drittweltländern, wird es immer wieder zu Katastrophen wie auf Haiti kommen.

«Je schlechter die Häuser gebaut sind, umso mehr Tote gibt es»: Stephan Husen vom Schweizerischen Erdbebendienst. (Bild: Keystone)
-
Chile: Beben verschiebt ganze Stadt um drei Meter
-
Erdbeben in der Türkei: «Kein Stein ist auf dem anderen geblieben»
- Dossiers
-
Erdbeben in Haiti
- Was meinen Sie?
-
Die grössten Erdbeben der Geschichte
-
Schweres Erdbeben in der Türkei
-
Timeline Haiti
-
Starkes Erdbeben in Chile
-
Nach Erdbeben im Lift gefangen
Herr Husen, am 12. Januar Haiti, am 27. Februar Chile, und am Montag noch die Türkei. Wo bebt die Erde das nächste Mal?
Das wissen wir nicht. Die Erde bebt täglich, doch die meisten Erdbeben werden nicht verspürt.
Wo ist es am wahrscheinlichsten?
Dort wo die Deformation am höchsten ist, also der gesamte pazifische Raum, Kalifornien, Japan und Indonesien. Es kann in diesen Regionen morgen beben, aber auch erst in 100 Jahren. Das komplizierte Zusammenspiel der Erdplatten ist längst nicht ausreichend erforscht.
In der Schweiz ist das Wallis am stärksten gefährdet, muss diese Region sich künftig mehr fürchten?
Nein.
Doch derzeit bebt die Erde in erschreckender Häufigkeit. Warum?
Das ist Zufall. Wir sehen keinen physikalischen Zusammenhang zwischen den Beben in Haiti, Chile, und der Türkei. Es kann vorkommen, dass ein grosses Beben ein anderes grosses Beben in der Region auslöst. So zum Beispiel in Sumatra, wo das Beben vom Dezember 2004 ein weiteres im März 2005 im Süden von Sumatra auslöste. Doch die Distanzen zwischen den Beben in Haiti, Chile und der Türkei sind zu gross, als dass sich Spannungen zwischen den einzelnen Beben übertragen lassen.
Vier der zehn schwersten Beben haben in den letzten zehn Jahren stattgefunden. Wie erklären Sie sich das?
Erdbeben werden erst seit rund 40 Jahren genauer erforscht. Was vor 100 Jahren passierte, ist für uns schwer nachzuvollziehen. Daher wäre es überstürzt zu sagen, in den letzten zehn Jahren habe es am häufigsten gebebt. Das Beben in der Türkei war mit einer Stärke von 6 nicht besonders hoch. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätten wir davon nicht einmal etwas mitbekommen. Heute verbreiten sich aber solche Informationen über die vernetzten Medien rasend schnell.
Woran liegt es, dass bei den letzten drei Erdbeben so viele Menschen betroffen waren?
Das Beben in Haiti war katastrophal. Obwohl das Beben von Chile fast tausendmal so viel Energie freisetzte, starben in Haiti die meisten Menschen. Nicht nur, weil das Epizentrum so nah an Port au Prince lag, sondern weil die Gebäude dort so schlecht gebaut sind. Das Gleiche gilt auch für die Türkei. Chile hingegen hat klare Bauvorschriften, deshalb die eher geringe Zahl an Toten.
Dann kann die Anzahl Toter mit besserer Bauweise verringert werden?
Ja. Das wird aber vor allem in Drittweltländern schwierig. Immer mehr Menschen ziehen in die Städte und es werden unstabile Häuser auf unstabilem Grund, also entlang der Bruchlinien zwischen den Kontinentalplatten, gebaut.























